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Di, 12. September 2000, 12:48

Gesellschaft::Politik/Recht

Patent auf OpenSource-Plüschtiere (Update)

Nachdem die Meldung "Patent auf OpenSource-Plüschtiere" für einige Unruhe und unschöne Kommentare gesorgt hat, veröffentlicht Pro-Linux eine genaue Sachlage des Vorfalls, geschildert von Ingo Liebscher (CEO von FreibergNet).

Verursacht durch eine falsch ausgewählte Formulierung ist Pro-Linux ein Fehler in der gestrigen Meldung unterlaufen, den wir sehr gerne korrigieren würden. Die Bezeichnung Patent entspricht nicht der tatsächlichen Sachlage und sollte korrekter Weise Musterschutz lauten. In einer telefonischen Rücksprache baten wir FreibergNet um eine Stellungnahme, die wir hier gerne in voller Länge veröffentlichen möchten.

Der Artikel "Patent auf OpenSource Plüschtiere" vom gestrigen Tag auf dieser Web-Seite hat doch einige Verwirrung gestiftet und zu teilweise unschönen Reaktionen geführt. Ausgelöst wurde das Ganze
offensichtlich durch eine Anfrage an Pro-Linux, ein Missverständnis bei der Auslegung unserer Copyright-Hinweise auf der Web-Seite und einer telefonischen Nachfrage des Autors bei FreibergNet.

Richtig ist, dass wir seit 1996 diese Plüsch-Pinguine bei der Firma Steiner produzieren lassen. Auslöser war, wie auch in einigen Beiträgen der Diskussion beschrieben, der BSD-Daemon, welcher explizit im Auftrag des FreeBSD Core Teams und Walnut Creek CD Rom entwickelt und abgesegnet wurde. In diese Zeit fiel die Entwicklung des Tux-Logos für Linux durch Larry Ewing, und es gab den
beschriebenen Effekt des "auchhabenwill" eines Linux-Pinguins.
Übrigens, nur mal so am Rande, existierte der Begriff "Tux" für den Pinguin damals noch gar nicht, und wir haben es eben bei dem schlichten "Linux-Pinguin" belassen.

Also, der Pinguin wurde mit dem Einverständnis Ewings von uns gemeinsam mit der Fa. Steiner entwickelt und in der Folge hergestellt. Wir beanspruchen für dieses von uns entwickelte Plüschtier Urheber- und Copyright-Rechte und haben uns dieses Plüschtier als Geschmacksmuster schützen lassen. Das ist nicht das Verbot, Plüschpinguine herzustellen und zu vertreiben, sondern das Verbot, die von uns entwickelten nachzumachen und zu vertreiben.

Die Firma Steiner besitzt auch keine Exklusivrechte zur Herstellung, sondern wir beauftragen ausschliesslich die Firma Steiner mit der Herstellung, das gebietet einfach die Fairness, denn schliesslich hat Steiner an der Entwicklung mitgewirkt. Aus diesem Grund finden wir es gut, dass diese Plüschies weiterhin in Deutschland hergestellt werden, und zwar zu einem exorbitanten Preis im Vergleich zu Fernost-Produkten, aber ich glaube, das sollte es Wert sein.

Leider gibt es eben ein paar Leute, die nicht ganz so fair mit uns umgehen und nicht nur uns, sondern auch vielen in der Linux-Gemeinde schaden.

Die Erklärung dafür ist einfach: Im Fall des Linux-Pinguins spenden wir kein Geld an irgendwelche Organisationen oder Projekte, wie das z.B. bei Tex oder KDE geschieht, aber wir unterstützen verschiedene Arbeitsgemeinschaften und LUG's, indem wir zu bestimmten Events Ware auf Kommission dorthin liefern, die dann von den Veranstaltern verkauft wird. Der Verkaufserlös wandert natürlich in die Kasse der LUG oder ArbG. Nichtverkaufte Ware geht an uns zurück, so dass den LUG's kein finanzielles Risiko entsteht, das tragen wir. Nun passiert folgendes: Unsere (ich betone es nochmal: die von uns entwickelten, also nicht irgendwelche anderen) Plüschies werden "raubkopiert", als Massenware in Fernost hergestellt und importiert, zu Dumpingpreisen an Firmen weiterverhökert, die teilweise gar nix mit Linux, geschweige denn Computern am Hut haben, und mit satten Gewinnspannen feilgeboten. Denn der Einkaufspreis der Fernostprodukte liegt etwa bei 20% des deutschen Herstellungspreises, die Verkaufspreise orientieren sich aber an unseren (okay, ein paar Mark drunter, damit laufen die Plagiate besser). Effekt dieser Sache ist, dass, wie beim Linux-Tag geschehen, die LUG's auf ihrer Ware sitzenbleiben, keine Einnahmen haben, mit denen sie z.B. Events, Messen oder auch mal Technik gegenfinanzieren können. Und wir haben den Keller vollstehen mit zurückgekommener Ware, die natürlich Geld bindet und durch die Plagiate sehr schwer verkäuflich ist. Also üben wir uns in Schadensbegrenzung, nicht nur für uns, sondern auch für die, die die Idee Linux durch Einnahmen aus dem Merchandising-Geschäft am Laufen halten und auf das Geld angewiesen sind.

Zum Abschluss noch ein Wort zu unserer Preispolitik: Wir halten uns an die von uns selbst auferlegte Verpflichtung, ein Non-Profit-Business zu betreiben, d.h. die aus dem Merchandising-Geschäft erzielten Erlöse decken unsere Kosten dieses Geschäfts (Geldkosten, Zahlungsausfälle, Lagerhaltung, Rechnungslegung, Mahnung, Vertriebs- und Mitarbeiterkosten etc.) Das Prinzip der Gewinnmaximierung wenden wir nicht an, denn sonst würden wir die Plüschies auch in Fernost hestellen lassen und richtig
absahnen. Man sehe uns nach, dass wir so dämliche "Kapitalisten" sind ;-)

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