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Fr, 21. November 2014, 12:16

Gesellschaft::Politik/Recht

Niederlande: Arnhem stoppt Migration zu freier Office-Suite

Die Stadt Arnhem wird in den nächsten drei Jahren weiter MS Office nutzen, nachdem sie jetzt wegen fehlender Lizenzen 600.000 Euro an Microsoft nachzahlen musste. Nach diesen drei Jahren will die Stadt aber weg von der proprietären Software.

Microsoft-Schriftzug in Redmond

Derrick Coetzee

Microsoft-Schriftzug in Redmond

Wie Joinup, das Open Source-Nachrichtenportal der Europäischen Kommission, meldet, hatte die Stadt Arnhem in den Niederlanden begonnen, eine Migration von MS Office zu OpenOffice oder LibreOffice zu evaluieren. Doch diese wurde jetzt eingestellt. Der Grund liegt darin, dass die Stadt noch Lizenzen für MS Office besitzt, die noch drei Jahre gültig sind. Nach Aussagen des Leiters der IT der Stadt, Simon Does, habe es keinen Sinn, diese Lizenzen nicht zu nutzen, daher wird der Umstieg auf freie Software erst einmal verschoben.

Geplant war das allerdings nicht. Vielmehr wurde die Stadt dazu gezwungen, Lizenzgebühren nachzuzahlen. Arnhem nutzt eine Version von MS Office, die »steinalt« ist und im Jahr 2001 veröffentlicht wurde. Im Lauf der Jahre wurde die Suite auch von Angestellten genutzt, die von zuhause aus arbeiteten. Dafür wären laut Auffassung von Microsoft zusätzliche Lizenzen erforderlich gewesen, die Stadt war jedoch anderer Meinung. Sie unterlag letztendlich dem Konzern und musste 600.000 Euro für neue Lizenzen und Strafe zahlen.

Ein Wechsel auf freie Alternativen wäre zur Zeit auch nicht einfach gewesen, da die Stadt in mehrerer Hinsicht an MS Office gefesselt ist. Jeder Anbieter einer alternativen Lösung hätte Kosten für die Umstellung der zahlreichen Anwendungen, die von MS Office abhängen, einkalkulieren müssen und in einer Ausschreibung gegen MS Office-Anbieter nicht gewinnen können. Die beiden wichtigsten Anwendungen sind dabei offenbar diejenigen für Unterhaltszahlungen und Steuern. Jedoch will die Stadt die Dokumentvorlagen beseitigen, die den Wechsel zu einer anderen Lösung verhindern, so dass eine künftige Migration nicht ausgeschlossen ist.

Zumindest der IT-Leiter ist nach wie vor willens, von MS Office wegzugehen: »Es ist teuer und bietet wenig Zusatznutzen«. Zudem wurmt es den CIO immer noch, dass die Stadt die Auseinandersetzung mit Microsoft verloren hat, denn er hält Microsofts Ansprüche für falsch. Nach Ablauf der drei Jahre könnte sich für Arnhem somit ein neuer Weg aus der Fesselung an Microsoft ergeben, umso mehr, als die Niederlande einen Open Source-Aktionsplan festgeschrieben haben und Erfahrungen aus anderen Städten bald vorliegen dürften. Arnhem will in den nächsten drei Jahren mit drei Nachbargemeinden ein gemeinsames IT-Dienstleistungszentrum schaffen, das alle Arbeitsplatzrechner verwalten und eine neue Office-Lösung konzipieren soll. Dabei sollen laut Does alle Optionen erwogen werden, einschließlich freier und Cloud-basierter Software.

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