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Di, 9. Dezember 2014, 08:54

Gesellschaft::Politik/Recht

Europäische Kommission aktualisiert Open-Source-Strategie

Die Europäische Kommission ist dabei, ihre Richtlinien zur internen Verwendung freier Software zu erneuern. So sollen Eigenentwicklungen verstärkt an die Originalprojekte zurückgegeben werden. Auch auf den Desktops soll mehr freie Software zum Einsatz kommen.

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Wie das Open-Source-Portal der Europäischen Kommission Joinup berichtet, wird die Open-Source-Strategie der Kommission aktualisiert. Für die Entwickler, die Software für die Europäische Union (EU) schreiben, soll es einfacher werden, Patches und Erweiterungen für bestehende freie Projekte an die Gemeinschaft zurückzugeben. Dieser Punkt soll sogar eine zentrale Stelle in der neuen Richtlinie einnehmen. Verantwortlich dafür ist Pierre Damas, Bereichsleiter im »Directorate General for IT« (DIGIT). Laut Damas werden in der EU zahlreiche Open-Source-Komponenten eingesetzt, und es sei an der Zeit, etwas zurückzugeben.

In der Praxis erwies sich dieses Zurückgeben bisher als nicht so einfach. Die rechtlichen Aspekte dabei waren nicht ganz klar, beispielsweise wem das Copyright gehört und wer als Autor genannt werden soll. Die bestehenden Hürden sollen nun beseitigt werden, wie Damas anlässlich einer Konferenz in Brüssel bekannt gab.

Die kommende Regelung kann aber nicht nur den freien Projekten nützen, sondern könnte umgekehrt auch die Entwickler in der EU motivieren, mehr freie Software einzusetzen. Eine Vorschau auf die neue Regelung wurde auf der Konferenz präsentiert. Sie soll im ersten Quartal 2015 fertiggestellt werden. Das Dokument ist in seinem momentanen Stand auf den Seiten der Kommission zu finden.

Laut Damas sind Kosteneinsparungen immer noch eine wesentliche Überlegung beim Einsatz freier Software in der EU. Doch macht sie auch eine Modernisierung der Dienste der Regierungen möglich und stärkt die europäischen Diensteanbieter. Die internen Richtlinien der Kommission werden geändert, so dass freie Software bei Ausschreibungen gleichberechtigt berücksichtigt wird. Entschieden werden soll dann auf der Basis, welche Lösung den größten Wert für ihren Preis bringt. In einzelnen Bereichen, darunter die extern verteilte Entwicklung von Systemen, soll Open Source jedoch Priorität haben.

Die Europäische Kommission nutzt freie Software inzwischen massiv. So sind laut Damas 10.000 Webserver mit Apache im Einsatz. Über 1800 Server laufen unter Red Hat Enterprise Linux. Die neue Europa-Webseite wird mit Drupal betrieben. Darüber hinaus nutzen die Entwickler zahlreiche freie Werkzeuge und Bibliotheken.

Auch auf den Desktops soll mehr freie Software zum Einsatz kommen. Ein Wechsel des Betriebssystems zu Linux ist zwar derzeit nicht direkt geplant, aber bei der nächsten anstehenden Aktualisierung der Office-Lösungen soll es eine Ausschreibung geben, die ausschließlich technische Spezifikationen enthält. Ob sich dann eine proprietäre oder freie Lösung durchsetzt, hängt von der Funktionalität im Verhältnis zum Preis ab. Bereits 2005 hatte die Kommission in einem Pilotprojekt erfolgreich gezeigt, dass ein Linux-Desktop in der Verwaltung möglich wäre. Doch realisiert wurde der Umstieg nicht. Die Ausstiegskosten, also die Kosten für die Umstellung von proprietärer auf freie Software, waren aus damaliger Sicht zu hoch.

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