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Mo, 22. Dezember 2014, 08:19

Software::Kernel

Linux-Kernel 3.19 tritt in die Testphase ein

Linux-Initiator Linus Torvalds hat die Kernel-Version 3.19-rc1 als erste Testversion für Linux 3.19 freigegeben. Unter anderem wird Linux 3.19 »Binder«, einen für Android spezifischen Mechanismus der Interprozess-Kommunikation, offiziell unterstützen.

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Linux Foundation

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Zwei Wochen nach Linux 3.18 ist die erste Testversion von Linux 3.19 erschienen. Die kommenden sechs oder mehr Wochen dienen zum Testen der Änderungen und Korrigieren der gefundenen Probleme.

Die zweiwöchige Integrationsphase wurde von Linus Torvalds dieses Mal überraschend um einen Tag gekürzt. Torvalds zeigte sich in seiner Mitteilung etwas verärgert, dass viele Entwickler ihre Änderungen erst in den letzten Tagen der Integrationsphase gesendet haben. Da die bisher vorliegenden Änderungen zu den drei umfangreichsten in den letzten Jahren gehören, genügte es Torvalds für diesen Zyklus. Falls es Entwickler gibt, die ihre Änderungen absichtlich bis zum letzten Tag zurückgehalten haben (was Torvalds allerdings bezweifelt), müssen sie ihren Code weitere zwei Monate reifen lassen.

Zwei Drittel der Änderungen sind, wie in den meisten Versionen, neue oder verbesserte Treiber. Ein Sechstel sind Architektur-Änderungen und das verbleibende Sechstel umfasst den ganzen Rest. Die Architektur-Änderungen umfassen nicht nur die Unterstützung zahlreicher weiterer Einchip-Systeme, meist mit ARM-Prozessoren, sondern auch eine neue Prozessor-Architektur, Nios II von Altera (nios2). Es handelt sich dabei um eine Architektur für eingebettete 32 Bit-Prozessoren, die als Elemente auf FPGAs von Altera eingesetzt werden können. GCC wird ab Version 4.9 ebenfalls diese Architektur unterstützen. Für Linux kommen allerdings nur die Varianten des Prozessors in Frage, die eine Speicherverwaltungseinheit besitzen.

Neu in Linux 3.19 ist die Unterstützung der Intel MPX-Technologie, die in kommenden Prozessoren erscheinen wird. Sie soll die Bereichsprüfung von Speicheradressen in Hardware ermöglichen. Vorerst ermöglicht es der Kernel den Prozessen, diese Erweiterung zu nutzen, verwendet sie aber nicht selbst. Der Device Mapper erhielt Geschwindigkeitsverbesserungen für Thin Provisioning. Die arm64-Architektur kann jetzt ebenfalls das Secure Computing-Subsystem nutzen. Der Atmel AT91-Teil der Atmel-Architektur wurde auf Device Trees umgestellt, was es ermöglichte, Board-Beschreibungsdateien von 24.000 Zeilen Umfang zu löschen. Passend dazu gibt es jetzt Device Tree Overlays, mit denen mehrere Trees beim Booten kombiniert werden können.

Ein neues Netzwerk-Subsystem wurde implementiert, das Switch- und Routing-Funktionalität geeigneter Hardware überlässt. NFS unterstützt jetzt ALLOCATE und DEALLOCATE von NFS 4.2 auf Seiten des Clients und des Servers. Von Netzwerk-Sockets kann man jetzt die Information auslesen, welche CPU den Socket bearbeitet, womit Anwendungen ihre Aufgaben besser verteilen können, um Leistungssteigerungen zu erzielen. BPF-Filterprogramme können nun mit Sockets verbunden werden. Momentan kann man damit lediglich Statistiken ermitteln, aber weitere Funktionen sollen folgen.

Der neue Treiber ipvlan ermöglicht es, virtuelle Netzwerkgeräte zu erzeugen, mit denen Container untereinander kommunizieren können. Das Dateisystem Btrfs erweiterte die RAID5/6-Funktionalität um Scrubbing und Ersetzen von Festplatten. Das Dateisystem Squashfs kann nun mit LZ4 komprimieren. Auch einen neuen Systemaufruf gibt es zu vermelden. execveat führt ein Programm aus, das durch einen Dateideskriptor bezeichnet wird. Ist der Deskriptor ein Verzeichnis, so wird die Programmdatei in diesem gesucht. Andernfalls wird der Code direkt von dem Deskriptor gelesen.

Die Arbeit an der Lösung des Jahr 2038-Problems wurde fortgesetzt. Einige interne Funktionen erhielten 64 Bit-Pendants. Die Umstellung auf diese neuen Funktionen kann nun beginnen. Weitere Neuerungen sind die Unterstützung für hierarchische Interrupt-Controller und der Treiber »AMD KFD«, der zur Nutzung der Grafikprozessoren für Berechnungen dient. Der »Binder«-Code von Android wurde zu einem offiziell unterstützten Subsystem.

Auch intern gab es Änderungen zuhauf. So nutzt die Speicherverwaltung unter x86 verstärkt die Modi der Page Attribute Tables (PAT). Es ist nun auch möglich, Write-Through-Caching zu nutzen. Treiber können jetzt mit einem vereinheitlichten API Eigenschaften von ACPI oder Device Trees abfragen. Das Virtio-Subsystem wurde konform zum Virtio 1.0-Standard gemacht. Das I2C-Subsystem kann nun auch die Slave-Rolle übernehmen. Das API von GPIO wurde erweitert, so dass man mehrere Ausgänge gleichzeitig umschalten kann. Der Tracing-Mechanismus »Coresight« von ARM ist jetzt nutzbar. Nicht zuletzt erhielt das Direct Rendering-System eine Möglichkeit, mehrere Grafikmodus-Parameter in einer einzelnen, atomaren Operation zu setzen. Die zahlreichen weiteren Änderungen sind im Änderungslog von Git zu finden. Kernel und Patch-Dateien sind von zahlreichen Spiegelservern von kernel.org herunterzuladen.

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