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Mo, 26. Januar 2015, 12:54

Software::Groupware

Zarafa will Outlook-Unterstützung auslaufen lassen

Zarafa will die Unterstützung von MS Outlook als Client seiner gleichnamigen Groupware auslaufen lassen. Doch möglicherweise hat das Unternehmen dabei übersehen, dass diese Unterstützung das hauptsächliche Kaufargument für den überwiegenden Teil seiner Kunden war und noch eine Weile bleibt.

Zarafa ist ein Linux-basierter Groupware-Server, der gezielt als preiswerter Ersatz für Microsoft Exchange beworben wurde. Er ermöglicht es unter anderem, Kalender und E-Mail für Benutzer zur Verfügung zu stellen. Die Software, die in einer freien Gemeinschaftsversion und einer lizenzpflichtigen Unternehmensversion erhältlich ist, erreicht das insbesondere durch eine Fokussierung auf MS Outlook als Client. Neben MS Outlook unterstützt sie auch weitere Anwendungen und Protokolle. Der Zugriff auf den Server ist über SSL-gesicherte Verbindungen über verschiedene Protokolle oder über eine webbasierte Oberfläche möglich.

Mitte Januar schreckte Zarafa seine Nutzer mit einer Aussage in einem Newsletter auf. Darin hieß es, dass die Kompatibilität mit MS Outlook und ZWS ab 1. April 2016 nicht mehr gepflegt werden soll. Zwar soll es den Kunden weiter möglich sein, ihre bestehenden Outlook-Versionen zum Zugriff auf die Groupware zu verwenden, mit neueren Outlook-Versionen wäre das dann aber möglicherweise nicht mehr möglich. Eine mögliche Alternative wäre, dass Z-Push seine ActiveSync-Kompatibilität mit neueren Versionen von Outlook beibehält, aber nur für »Single-User-Features«.

Fotostrecke: 4 Bilder

WebApp 1.1 in Zarafa 7.1
Zarafa WebApp 1.1
Das neue Layout von WebApp unterstützt Widgets
Die Kalender-Komponente der neuen Lösung
In ersten Reaktionen zeigten sich die meisten Benutzer bestürzt über die Nachricht, auch wenn noch unklar ist, was sie genau bedeutet. Eine Reaktion von Helmuth Neuberger, Vizepräsident von Zarafa, im selben Thread, konnte wenig dazu beitragen, die Gemüter zu beruhigen. Zwar bestätigte er, dass man Zarafa auch nach dem März 2016 mit MS Outlook nutzen könne, allerdings werde es keine Updates mehr geben. Implizit bedeutet das, dass mit MS Outlook Schluss ist, wenn Microsoft das Protokoll ändert.

Laut Neuberger ist der Hauptgrund für die Einstellung der Outlook-Unterstützung, dass die Verwendung von Outlook zurückgehe. Webanwendungen und Mobilgeräte dagegen würden bald dominieren, die Entwicklung schreite immer schneller voran. Zarafa wolle sich diesen Trends anpassen, nicht als Mitläufer, sondern als aktive Mitgestalter. Zarafa wolle nicht so enden wie Blackberry, das diese Trends verschlafen habe. Das Problem sei jedoch, dass bisher 75% des Entwicklungsaufwandes in die MS Outlook-Kompatibilität fließen, was den Fortschritt an anderen Clients wie WebApp bremse. WebApp 2.0 solle der hauptsächliche Client von Zarafa werden und auf moderne Web-Technologien einschließlich WebRTC aufbauen. WebApp 2.0 werde besser sein als MS Outlook.

Trotz dieser Nachricht bleiben viele Zarafa-Kunden skeptisch. Viele drohen gar mit dem Ende ihres Abonnements. Auch wenn Zarafa 75% seines Aufwandes in MS Outlook stecke, sei diese Kompatibilität doch der Hauptgrund für die meisten Kunden gewesen, ein Abonnement abzuschließen, und Zarafa generiere sicherlich mehr als 75% seiner Einnahmen mit genau diesen Kunden. Gerade in Unternehmen gebe es diesen Trend zu Web- und mobilen Apps überhaupt nicht, der Desktop werde weiter dominieren. Das verfrühte Ende der Outlook-Unterstützung werde der Tod des Unternehmens sein.

Was mit zu dem Pessimismus vieler Zarafa-Kunden beiträgt, ist die Tatsache, dass die aktuelle Version 1.1 der WebApp, die in Zarafa 7.1 schon vor zweieinhalb Jahren integriert wurde, nach Meinung der meisten Benutzer kein Ersatz für MS Outlook ist und auf Mobilgeräten immer noch ziemlich schlecht funktioniert. Viele Benutzer verwenden außerdem spezifische Plugins in MS Outlook, für die es dann möglicherweise auch keinen Ersatz gäbe. Selbst wenn WebApp 2.0 so hervorragend wird, wie das Zarafa-Management verspricht, sind viele Nutzer der Ansicht, dass Zarafa zuerst einmal eine testbare Version von WebApp 2.0 hätte herausgeben sollen, bevor eine Abkündigung der Outlook-Unterstützung in Betracht gezogen wurde.

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