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Fr, 13. Februar 2015, 14:31

Gesellschaft::Politik/Recht

Stallman: Systematischer Angriff auf GNU?

Richard Stallman, Gründer von GNU, sieht in so manchem Projekt, das eine für Entwickler liberaler lizenzierte Alternative zu GNU-Projekten bereitstellt, einen systematischen Angriff auf die Prinzipien von GNU. Konkret ging es in der aktuellen Diskussion eigentlich nur um die Unterstützung von LLDB in Emacs.

Richard Stallmann

bytesmedia.co.uk

Richard Stallmann

LLDB ist der Debugger des LLVM-Projekts. Er steht unter einer der BSD- und MIT-Lizenz ähnlichen freien Lizenz und konkurriert mit dem unter der GPLv3 lizenzierten GNU-Debugger GDB. Ein Vorschlag, einen Patch zur Unterstützung von LLDB in Emacs einzubringen, stieß bei Richard Stallman, dem Gründer von GNU und Originalautor von Emacs, auf wenig Gegenliebe. »Das sieht wie eine systematische Anstrengung aus, GNU-Pakete anzugreifen«, schrieb Stallman in seiner kurzen Erwiderung. Er bat darum, den Patch nicht anzunehmen, und gab an, sich über die Situation näher informieren zu wollen. Grundsätzlich hat er die Aufnahme des Patches jedoch noch nicht ausgeschlossen.

Aus Sicht von Stallman ist jedes unter freien Lizenzen veröffentlichte Programm, das nicht dem Copyleft-Prinzip folgt, tatsächlich weniger frei als GPL-lizenzierte Programme. Es erlaubt den Nutzern, die Software zu modifizieren und Binärpakete der modifizierten Software zu verbreiten, ohne den Endbenutzern den Quellcode mit allen Modifikationen anbieten zu müssen. Falls es dazu kommt, verlieren die Endbenutzer die Freiheit, das Programm ihrerseits im Quellcode untersuchen oder modifizieren zu können. Es handelt sich dann um proprietäre Software, und proprietäre Software ist für Stallman höchst unethisch und ungerecht. GNU und die GPL hatte er genau deswegen geschaffen, um eine freie Alternative zu haben, die auf Dauer frei bleibt. Wer eine unter der GPL stehende Software modifiziert, hat genau zwei legale Optionen: Entweder veröffentlicht er Binärpakete mit dem zugehörigen vollständigen Quellcode oder er veröffentlicht überhaupt nichts. In keinem Fall darf die ursprüngliche Lizenz geändert werden.

Die daran anschließende Diskussion ist noch nicht abgeschlossen. Stallman betonte nochmals, dass er keineswegs gegen eine Kooperation mit nicht unter GNU-Lizenzen stehender Software sei. Er wolle jedoch in Ruhe die Situation analysieren und dann eine Entscheidung treffen. Viel Bedeutung dürfte das aber nicht haben. Denn der aktuelle Betreuer von Emacs, Stefan Monnier, machte klar, dass Stallman entscheiden könne, wie er will, er werde Patch auch ohne sein Einverständnis integrieren, sobald einige Lizenzfragen geklärt sind.

Auch Eric Raymond mischte sich in die Diskussion ein und erklärte in seiner typischen Weise GCC nachgerade für tot, da LLVM wesentlich moderner sei. Nichts könnte allerdings weiter von der Realität entfernt sein. GCC unterstützt weitaus mehr Sprachen und Systeme, hat in der Qualität der Fehlermeldungen aufgeholt, kann den Linux-Kernel fehlerfrei compilieren und erzeugt im Durchschnitt effizienteren Code. Raymonds Einmischung fand daher wenig Beachtung.

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