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Fr, 6. März 2015, 09:26

Gesellschaft::Politik/Recht

VMware der GPL-Verletzung beschuldigt

Der Kernel-Entwickler Christoph Hellwig hat VMware vor dem Landgericht Hamburg wegen Verletzung der GPL verklagt. Der Virtualisierungsspezialist soll unter anderem in der aktuellen ESXi-Produktpalette GPL-lizenzierten Code nutzen und die Quellen nicht lizenzkonform offenlegen. VMware weist die Vorwürfe zurück.

Vergleich der technischen Architektur des Linux- und VMware-Kernels.

sfconservancy.org

Vergleich der technischen Architektur des Linux- und VMware-Kernels.

Immer noch gibt es zahlreiche Hersteller, die sich frei bei unter GPL stehender Software bedienen, aber die Lizenzbedingungen nicht einhalten. Die GPL fordert als Minimum, dass der Hersteller den Kunden anbieten muss, den Quellcode der genutzten GPL-Software zu erhalten. Bisher konnten alle Hersteller, die sich nicht freiwillig an die Lizenz hielten, dazu gezwungen werden, wobei der Gang vor Gericht nur als letzte Maßnahme angewandt wurde.

Wie nun das Software Freedom Conservancy (SFC) bekannt gab, verletzt der Virtualisierungsspezialist VMWare mit seiner Nutzung der Kernelquellen die Lizenzbedingungen der GNU General Public License (GNU GPL). Seit 2012 verhandelt die Organisation laut eigener Aussage mit dem Unternehmen, nachdem der bekannte Kernel-Entwickler Christoph Hellwig diverse Verstöße gegen die Lizenz und seinen Code in VMwares Produkten gefunden hatte.

Technisch gesehen handelt es sich bei dem Problem um die Nutzung von »vmkernel« innerhalb des vSphere ESXi 5.5.0-Hypervisors. »vmkernel« selbst ist eine proprietäre Komponente des Herstellers, die im Zuge des Bootvorgangs vom Bootstrap als Modul geladen wird. Die alleinige Tatsache, dass das Modul nicht unter der GPL steht, ist bereits umstritten und durchaus einer Klärung vor einem Gericht wert. Wie Jonathan Corbet auf LWN.net allerdings schreibt, nutzt VMware innerhalb »vmkernel« selbst große Teile des Kernels - teils in massiv veränderter Form. Als Grund wird hier die Tatsache genannt, dass der Hersteller so in der Lage sei, einen Zugriff auf die Gerätetreiber unter Linux zu erhalten. Hellwig hält als einer der aktivsten Kernel-Hacker allerdings an einem Teil des verwendeten Codes die Urheberrechte.

vmkernel gilt deshalb laut Aussage der SFC als abgeleitetes Werk und muss im Sinne der GPL allen Nutzern auch im Quellcode zugänglich gemacht werden. Die Organisation trat deshalb bereits vor geraumer Zeit an den Hersteller heran und verhandelte über die Freigabe der Quellen, was laut Aussage der SFC misslang. Im vergangenen Jahr habe demnach die Rechtsabteilung des Unternehmens der Organisation mitgeteilt, dass man den Vertrieb der unsachgemäß eingesetzten Software nicht einstellen werde, so die SFC in ihrer Mitteilung.

VMware selbst bestreitet laut Aussagen englischsprachiger Medien die Beschuldigung und hält die Klage für unbegründet. »Man gehe davon aus, dass man den Prozess gewinnen werde«, fasst die Nachrichtenseite Heise Online die Aussagen zusammen. Und so werden sich die beiden Parteien demnächst vor dem Landgericht Hamburg wiederfinden. Die Klage wird von Till Jaeger geführt, der bereits in der Vergangenheit als Anwalt Harald Welte von gpl-violations.org vertreten hat. Unterstützt wird der Prozess durch die SFC.

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