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Fr, 13. März 2015, 10:29

Software

NTP am Scheideweg

Das Network Time Protocol (NTP) wird im April 30 Jahre alt. Harlan Stenn, der seit mehreren Jahren einzige Betreuer des Projekts, steht kurz vor dem Aufgeben, da er keine ausreichende Finanzierung erreichen kann.

Zeiteinstellung bei KDE

KDE

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Erst gestern wurde bekannt, dass die finanzielle Krise des Projekts GnuPG und seines Betreuers Werner Koch durch zahlreiche Spenden beendet und das Projekt für die nächsten Jahre gesichert und ein zweiter Entwickler verpflichtet werden konnte. Nach jahrelanger Unterfinanzierung stand Koch ebenfalls kurz vor der Aufgabe. Die Veröffentlichung der Umstände der Entwicklung von GnuPG rückte das Problem der Unterfinanzierung vieler wichtiger Projekte, auf denen das Internet basiert, erneut in den Fokus der Öffentlichkeit.

Das NTP-Protokoll, eines der ersten wegweisenden Open-Source-Projekte des Internets, wird im April 30 Jahre alt und steht, wie jetzt das Magazin InformationWeek berichtet, bisher ohne eine ausreichende und gesicherte finanzielle Basis da. In den vergangenen Jahren nahmen die Einreichungen aus der Gemeinschaft immer mehr ab. Google sucht weiterhin aktiv nach Fehlern im NTP-Protokoll und meldet diese an Maintainer Stenn, der oft aber nicht ausreichend zeitnah reagieren konnte. Wie Stenn berichtet, hat er in den letzten dreieinhalb Jahren manchmal über 100 Stunden wöchentlich in Fehlerbereinigung, Beantworten von E-Mails, Verwalten der Mailing-Liste und Vorbereiten von Veröffentlichungen gesteckt. Da blieb keine Zeit für seinen eigentlichen Broterwerb als Consultant.

NTP tickt so tief in den Eingeweiden von unixoiden Betriebssystemen sowie Mac OS X und Windows, dass sein Stellenwert gerne vergessen wird. Dabei hängen unter anderem die Börse, die Google-Suche und viele andere wichtige Sparten in Wirtschaft, Forschung und Wissenschaft sowie im privaten Bereich von der exakten Zeitsynchronisation über NTP-Server oder direkt über eine Atom-Uhr ab.

Erst seit dem Heartbleed-Fehler in der OpenSSL-Implementierung vor rund einem Jahr rückten unterfinanzierte Projekte, die die Säulen des Internet bilden, ins Bewusstsein einer größeren Öffentlichkeit. Die von der Linux Foundation daraufhin gegründete Core Infrastructure Initiative (CII) sorgt seitdem mit Öffentlichkeitsarbeit und Beschaffung von solider Finanzierung dafür, dass so wichtige Projekte wie NTP wieder aus ihrem Schattendasein an die Öffentlichkeit treten und angemessenen Finanzierung und ausreichend Entwickler erhalten.

So erhielt das NTP-Projekt 2014 von der CII die Zusage für 7.000 US-Dollar monatlich, um die Infrastrukur für die Entwicklung und den Lebensunterhalt von Stenn zu finanzieren. Diese Zusage läuft im April 2015 aus und wurde bisher nicht verlängert. Zudem beklagt Stenn, das Geld reiche nicht annähernd aus, um NTP angemessen zu unterhalten. Hierfür seien rund drei Millionen US-Dollar jährlich nötig. Davon könnten mehrere Entwickler, Wissenschaftler, technische Autoren und ein Projektmanager finanziert werden.

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