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Mo, 23. März 2015, 10:00

Gesellschaft::Politik/Recht

Windows XP im Land Berlin auch über das Support-Ende hinaus

Das Land Berlin hat die Ersetzung von Windows XP immer noch nicht abgeschlossen und muss tausende von Rechnern mit dem obsoleten System ab dem 15. April ohne Sicherheits-Updates betreiben.

Mirko Lindner

Mehrfach wurde in den letzten Jahren gefordert, die PCs der Berliner Verwaltung auf freie Software umzustellen - auch im Hinblick auf das schon seit Jahren absehbare Ende der Unterstützung für Windows XP. Dass es möglich ist, selbst ein umfangreiches System mit zahlreichen Windows-Abhängigkeiten erfolgreich aus der Abhängigkeit des Redmonder Konzerns zu befreien und dabei auch noch Geld zu sparen, hat zum Beispiel die Stadt München gezeigt. Doch die Berliner Regierung ignorierte das und lehnte noch im Juni 2013 erneut einen Antrag ab, auf freie Software zu migrieren. Stattdessen wurden im Haushalt 2014/2015 Mittel für eine Migration auf Windows 7 bereitgestellt.

Eigentlich endete die Unterstützung von Windows XP am 8. April 2014. Doch da die Berliner Verwaltung nicht annähernd in der Lage war, alle Rechner bis zu diesem Termin umzustellen, wurde mit Microsoft ein Notfallpaket ausgehandelt, das weiteren Support bis zum 15. April 2015 vorsah. Dies kostete die Verwaltung 300.000 Euro, was bei 28.900 Windows XP-Rechnern überraschend wenig ist.

Dies und andere Details gehen aus einer Antwort des Berliner Senats auf eine schriftliche Anfrage (PDF) des Grünen-Abgeordneten Thomas Birk vom 13. Februar 2015 hervor. Die Antwort wurde am 10. März publiziert.

Von den 70.000 PCs der Berliner Verwaltung waren demnach am 31. Oktober 2014 noch 28.900 mit Windows XP ausgestattet. Der Senat konnte nicht sagen, wieviele PCs seit dem Auslaufen des Supports von Windows XP am 8. April 2014 umgestellt wurden, da erst am 31. März die nächste Erhebung dieser Zahlen stattfindet. Ebenso wenig konnten Angaben gemacht werden, wieviele Rechner auf Linux oder andere Betriebssysteme umgestellt wurden.

Von den offiziell 320 fachspezifischen Anwendungen (auch Fachverfahren genannt) sind 75 noch nicht für Windows 7 freigegeben und über 16 liegen keine Daten vor. Damit ist es der Verwaltung unmöglich, in absehbarer Zeit Windows XP komplett zu ersetzen. Bei der Umstellung von Fachverfahren auf Windows 7 mussten die Behörden Probleme einräumen, da die Abteilungen unterschiedliche Versionen von Windows 7 (32 oder 64 Bit) und unterschiedliche Versionen von MS Office (2010, 2013, 32 oder 64 Bit) einsetzen und dadurch umfangreiche Tests nötig waren. Die Lösung soll eine weitere »Standardisierung der PC-Landschaft« sein.

Die Behörden können weiterhin keine Angaben machen, wieviele Rechner beim Auslaufen des Notfallpakets am 15. April immer noch unter Windows XP laufen, es werden jedenfalls tausende sein. Als Notmaßnahme soll sichergestellt sein, dass eine Antivirensoftware noch bis Ende 2015 bereit steht. Dennoch ist der Verwaltung klar, dass Windows XP »nach Einschätzung des Herstellers sowie des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)« ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt. Der Senat versucht zudem, die Verantwortung für die Misere auf die einzelnen Berliner Verwaltungen abzuwälzen, da diese weitgehend eigenverantwortlich handelten. Der Senat habe die Berliner Verwaltungen »frühzeitig und mehrfach auf das Supportende von Windows XP hingewiesen und eine Liste von Maßnahmenempfehlungen erarbeitet«.

Die Fraktion der Grünen im Senat kritisieren die aktuelle Situation heftig. Der Berliner Senat gefährde weiterhin die Daten der Bürger und die IT-Sicherheit seiner Systeme. Der Extra-Support für Windows-XP sei teuer, da für jeden Rechner auch eine Windows 7-Lizenz bezahlt wurde, auch wenn sie nicht genutzt werden könne. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass die Umstellung der Fachverfahren bis zum 31. Dezember 2015 abgeschlossen werden könne, und nach diesem Zeitpunkt gebe es nicht einmal mehr einen Virenscanner für Windows XP. Die Windows XP-Rechner dürften deshalb ohne spezielle Maßnahmen nicht mehr ins Internet gehen, aber niemand kontrolliere das. Die Grünen fordern weiter eine IT-Strategie mit vorausschauender Planung und Steuerung und einem zentral koordinierten Controlling und zudem die Umstellung auf freie Software, damit »in wenigen Jahren zum Ende des Supports von Windows 7« nicht wieder das gleiche Problem auftauche.

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