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Mi, 27. Mai 2015, 12:12

Gemeinschaft::Personen

Stallman: Systeme von Apple und Microsoft sind Malware

In einem Artikel in der britischen Zeitung »The Guardian« bezeichnet Richard Stallman die Betriebssysteme von Micrososft und Apple als Malware. Entwickler von proprietärer Software seien vielfach unethischer als früher.

R. M. Stallman

Simon Kwong

R. M. Stallman

Unter Malware versteht Stallman Software, die ihre Anwender bevormundet, ausspäht und ihnen Fesseln anlegt. Dazu gehören Maßnahmen wie Hintertüren, Restriktionen wie Digital Rights Management (DRM) und Zensur. Diese Maßnahmen seien zwar vielfach in den End User Licence Agreements (EULA) festgeschrieben und somit legal nicht angreifbar. Das mache sie jedoch nicht weniger unethisch.

Stallman schaut zurück in die 80er Jahre, als er die Bewegung für freie Software initiierte. Damals sei Software wie Unix zwar proprietär geworden, die Entwickler haben aber trotzdem im Sinne des Anwenders gearbeitet und nicht gegen ihn, wie heute vielfach zu beobachten. Damals sei Malware so selten gewesen, dass sie Aufsehen erregte. Heute dagegen sei sie so verbreitet, dass jede Software erst einmal verdächtig sei.

Stallman sieht Betriebssysteme als Hauptverbreitungsweg für Malware und identifiziert Microsoft und Apple als die Speerspitze der Malwareverteiler. Microsoft spioniere seine Nutzer aus und lege ihnen Fesseln an. Im Mobilbereich zensiert Microsoft laut Stallmann viele Apps. Bei Microsoft Windows kritisiert der Chef der Free Software Foundation (FSF) das Vorhandensein einer Hintertür, die es dem Konzern ermögliche, unerkannt nachträgliche Änderungen am System zu implementieren. Zudem erfahre die NSA von Sicherheitslücken im System, bevor diese geschlossen würden.

Auch Apple kommt bei Stallman nicht besser weg. Auch MacOS spioniere seine Nutzer aus und fessele sie durch Restriktionen. Gleiches gelte für iOS, das zudem noch Zensur bei den Apps betreibe. Im gleichen Atemzug wird auch Android kritisiert, dass zwar vor Jahren bereits bei Stallman in der Kritik stand und als unfrei bezeichnet wurde, dem er aber damals eine ethische Grundhaltung unterstellte. Jetzt bemängelt er auch hier eine Hintertür, die es Google erlaube, jede beliebige App von den Geräten der Anwender zu entfernen.

Auch proprietäre Apps seien mit Malware belastet. So seien in Apps, die QR-Codes scannen und sogar in Apps, die auf Smartphones ein Hilfslicht zur Verfügung stellen, Funktionen zum Übermitteln von Informationen an Unternehmen entdeckt worden. Besonders schlimm ist laut Stallman die Situation bei Apps für Streaming-Dienste, da sie keine Kopien der gestreamten Medien erlauben und zudem eine Identifizierung des Anwenders fordern, um seine Konsumgewohnheiten zu speichern. Die FSF stellt eine Liste mit Informationen über Software bereit, die nach Definition der gemeinnützigen Organisation Malware enthält.

Auch in digitalen Produkten wie Smart-TVs und der Smart Barbie sorgt Malware dafür, dass Hersteller private Informationen der Anwender erhalten. Dank ebensolcher Malware soll es Autobesitzern künftig verwehrt bleiben, ihr Gefährt selbst zu reparieren oder zu modifizieren, wie exemplarisch der Vorstoß des Landmaschinenherstellers John Deere zeigt.

Schlimm sei auch Amazon beim Kindle E-Book-Reader. Amazon wisse genau, welche Seite gerade gelesen wird und welche Notizen der Leser sich mache. Zudem erlaube das DRM weder das Verschenken noch das Ausleihen der digitalen Bücher und habe ebenfalls eine Hintertür zum Löschen von Büchern auf den Endgeräten der Anwender.

Stallman postuliert, sowohl das Individuum als auch die Gesellschaft könne sich gegen solche Auswüchse wehren. Im privaten Umfeld können Konsumenten Produkte und Webservices, die die Freiheit behindern, mit dem Portemonnaie abwählen. Als Gesellschaft sollten wir unsere demokratischen Rechte wahrnehmen und Druck auf die Gesetzgebung ausüben, Malware zu sanktionieren. Dazu zähle auch Widerstand gegen Gesetzesvorhaben wie TPP und TTIP, die versuchen, die Unfreiheit zu zementieren.

Der Artikel im Guardian ist unter der »Creative Commons No-derivatives 4.0 License« erscheinen.

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