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Fr, 17. Juli 2015, 11:27

Gemeinschaft

Truck Factor von freien Projekten berechnet

Eine Studie hat den sogenannten Truck Factor von freien Projekten berechnet. Die Aussagekraft einer solchen Zahl darf allerdings stark bezweifelt werden.

Mirko Lindner

Genau besehen ist die Studie falsch benannt, da sie nicht den Truck Factor, sondern die Truck Number von Projekten berechnet. Diese Zahl entstand aus der Überlegung, wie es mit einem Projekt weitergehen kann, wenn einer der Entwickler »von einem LKW überfahren wird« oder, allgemeiner, nicht mehr zur Verfügung steht.

Das selbst auf Github angelegte Projekt berechnete nach eigenen Angaben diese Zahl für 133 populäre Projekte auf Github. Die Berechnungsmethode war dabei rein heuristisch und kann bestenfalls als grobe Annäherung gesehen werden. Das Verfahren zählte, wieviele Dateien von jedem Mitarbeiter des Projektes geschrieben wurden. Dabei wurde nach einem von Thomas Fritz und anderen entwickelten Algorithmus bewertet, wer der maßgebliche Autor einer Datei ist. Im Anschluss wurden nacheinander die Autoren mit den meisten Dateien aus der Zählung entfernt, bis über 50% der Dateien keinen Autor mehr hatten. Die Anzahl der entfernten Autoren lieferte die Truck Number.

Vielleicht etwas überraschend haben selbst unter den relativ populären Projekten die meisten (46 Prozent) die Truck Number 1. Weitere 28 Prozent haben die Truck Number 2. Die Projekte mit der höchsten Truck Number sind Linus Torvalds' Linux-Kernel mit 90 und Mac OS Homebrew mit 159.

Es ist zu erwarten, dass bei Projekten mit Truck Number 1 die Entwicklung zunächst ruhen wird, wenn der Hauptentwickler von Bord geht. Doch selbst wenn es sich dabei um den einzigen Entwickler handelt, verschwindet ein Open-Source-Projekt damit nicht. Ob jemand anderes die Fortführung übernimmt, hängt allerdings stark von den Gegebenheiten wie Motivation oder der Zugänglichkeit der Domain und anderer Ressourcen ab. An der Verfügbarkeit des Quellcodes sollte es nicht scheitern. Zweifellos wird ein neuer Entwickler einige Zeit brauchen, um sich einzuarbeiten, was unter anderem auch von der Qualität der Dokumentation abhängt.

Doch auch für proprietären, in Firmen entwickelten Code gilt im Prinzip das gleiche. Wenn dort der einzige Entwickler ausfällt, kann ein neuer Entwickler eingestellt werden.

Da viele Projekte, gleichgültig ob proprietär oder frei, keine Regelungen bezüglich Dokumentation besitzen, könnte die Studie durchaus einen Anlass liefern, darüber nachzudenken, wie man ein Projekt an einen Nachfolger weiterreicht. Doch es muss auch nicht unbedingt nur um die Nachfolge gehen. Projekte müssen auch darauf achten, dass sie es neuen Entwicklern möglichst einfach machen, einen Einstieg zu finden. Das wird umso dringlicher, da viele Projekte inzwischen ziemlich komplex sind.

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