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Mo, 31. August 2015, 08:13

Software::Kernel

Linux-Kernel 4.2 freigegeben

Linux-Initiator Linus Torvalds hat Version 4.2 des Linux-Kernels freigegeben. Einige der größten Neuerungen sind ein umfangreicher neuer AMD GPU-Treiber, die Möglichkeit, Sicherheitsmodule zu kombinieren, und Infrastruktur für nichtflüchtigen Speicher.

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Linux Foundation

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Zehn Wochen nach Linux 4.1 ist nun Linux 4.2 fertiggestellt. Linux-Initiator Linus Torvalds hatte letzte Woche lieber eine weitere Testversion anstelle der offiziellen Version veröffentlicht, da die umfangreiche Reorganisation des x86-Start-Codes noch nicht stabil schien. Im Nachhinein wäre die Verzögerung laut Torvalds doch nicht nötig gewesen. Die zweiwöchige Integrationsphase für Linux 4.3 ist damit wie üblich eröffnet.

Die Änderungen in Linux 4.2 zählen zu den umfangreichsten in der Geschichte von Linux. Nach der Zahl der Commits im Versionsverwaltungssystem liegt Linux 4.2 wohl äußerst knapp auf Platz 2, nur knapp hinter Linux 3.15 mit seinen 13,722 Commits. Bei der Anzahl der geänderten Zeilen liegt die aktuelle Version jedoch vorn. Etwas mehr als eine Million Zeilen Code wurden hinzugefügt und 285.000 entfernt, womit Linux 3.11-rc1 übertroffen wird. Einen neuen Rekord stellt auch die Zahl von 1569 beteiligten Entwicklern dar, von denen 279 zum ersten Mal auftauchten. Der Rekord von Linux 4.1 mit 1539 Entwicklern hatte damit nur zehn Wochen Bestand.

3.11 erreichte den Rekord hauptsächlich durch die Aufnahme des verteilten Dateisystems Lustre (in den Staging-Zweig). In Linux 4.2 kommt die Größe hauptsächlich durch den enormen Umfang des neuen AMD GPU-Treibers zustande. Diesen hatte AMD im April veröffentlicht und jetzt wie geplant in den Kernel integriert. Der Treiber ist für neuere Grafikchips wie den Radeon R9 285 sowie neue CPUs mit integriertem Grafikprozessor gedacht, die zumindest teilweise nicht mehr mit dem bisherigem freien Treiber funktionieren werden. Der proprietäre Catalyst-Treiber soll in Zukunft kein Kernel-Modul mehr benötigen, weil er auf der Codebasis des neuen freien Treibers beruhen wird.

Auch Linux 4.2 enthält keine Kernel-Implementation des D-Bus-Protokolls. Eine neue Version des Patches, die auf die bisherigen Kritiken eingeht, wurde auf den nächsten Entwicklungszyklus verschoben. Integriert wurde dagegen nach langer Diskussion ein Patch, der die gleichzeitige Benutzung mehrerer Sicherheitsmodule (LSMs) erlaubt. Ein neuer Algorithmus namens Flower zur Paketklassifikation kam hinzu, ferner der Algorithmus »delay-gradient« zur Vermeidung von Staus und ein Treiber für GENEVE (Generic Network Virtualization Encapsulation)-Tunnels. Das Netfilter-Subsystem kann nun Pakete bereits beim Eintreffen klassifizieren.

Unix-Domain-Sockets unterstützen jetzt den Systemaufruf splice. Die Architektur Renesas H8/300, die wegen mangelnder Wartung des Codes aufgegeben worden war, wurde nun repariert und wieder neu aufgenommen. Unter den neuen Funktionen des Dateisystems F2FS findet man die dateiweise Verschlüsselung und neue Optionen für den Aufruf fallocate. Auch das Dateisystem ext4 erhielt eine neue Option für fallocate.

Neu hinzu kommt auch die Steuerung des Writebacks in Control Groups. Das Modul dm-cache im Device Mapper erhielt »stochastisches« Caching in mehreren Warteschlangen. Das Dateisystem XFS kann nun Geräte mit persistentem Speicher über die DAX-Schnittstelle direkt ansprechen, CIFS hingegen wurde um noch experimentelle Unterstützung der Version 3.1.1 des SMB-Protokolls erweitert. Das Subsystem der Temperatursteuerung erhielt einen neuen »Governor«, der darauf ausgelegt ist, die Gesamttemperatur des Systems in bestimmten Grenzen zu halten.

Der Code, der Dateinamen im Dateisystem sucht, wurde überarbeitet. Durch die Vermeidung von Rekursion wird der Stackbedarf kleiner und symbolische Links können jetzt fast ohne Grenzen verkettet werden. Der Code für die x86-Gleitkommaeinheit wurde stark bereinigt, der Code für den x86-Kernel-Start wurde reorganisiert, und die RCU-Konfiguration wurde für normale Anwender so vereinfacht, dass normalerweise keine Änderungen nötig sind.

Eine große Zahl von Verbesserungen gab es im Performance-Messungs-Subsystem und dem zugehörigen Programm perf. Ein neuer Zufallsgenerator, der Schwankungen in der Ausführungszeit von Code ausnutzt, kam hinzu. Der Hypervisor KVM unterstützt nun Secure Boot in Gastsystemen und ein neues Subsystem »libnvdimm« unterstützt den Zugriff auf nichtflüchtige Speicher, die offenbar stark im Kommen sind.

Darüber hinaus wurden zahlreiche Treiber aktualisiert, erweitert oder kamen neu hinzu. Eine Liste aller Änderungen kann man dem Git-Repositorium entnehmen. Die Seite Kernelnewbies.org wird in Kürze eine übersichtliche Zusammenfassung der Änderungen veröffentlichen. Die aktuelle Version von Linux kann von kernel.org und zahlreichen Spiegel-Servern in Form von Patches oder tar-Paketen heruntergeladen werden.

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Die Antwort auf alle Fragen ..... (CCarpenter, Fr, 4. September 2015)
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