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Mo, 14. September 2015, 09:20

Software::Kernel

Linux-Kernel 4.3 tritt in die Testphase ein

Linux-Initiator Linus Torvalds hat die Kernel-Version 4.3-rc1 als erste Testversion für Linux 4.3 freigegeben. Einige der Neuerungen sind IPv6 als Voreinstellung, zahlreiche Nouveau-Updates und die Entfernung des ext3-Treibers.

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Linux Foundation

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Zwei Wochen nach Linux 4.2 ist die erste Testversion von Linux 4.3 erschienen. Die kommenden sechs Wochen oder etwas mehr dienen zum Testen der Änderungen und Korrigieren der gefundenen Probleme. Wie Linus Torvalds dazu schreibt, sind die Änderungen von durchschnittlichem Umfang, und auch die Verteilung der Änderungen ist normal. Etwa 70 Prozent der über 10.750 Änderungen betreffen Treiber, 10 Prozent Architektur-Updates, und die restlichen 20 Prozent sind recht gleichmäßig verteilt.

War in Linux 4.2 der enorm große Umfang des neuen AMD GPU-Treibers dominierend, so ist es dieses Mal der freie Treiber für Nvidia-GPUs Nouveau, der einen größeren Anteil einnimmt. Denn die Änderungen, die für Linux 4.2 zu spät kamen, wurden jetzt integriert, was die Änderungen an Nouveau doppelt so umfangreich macht wie üblich.

Auch Linux 4.3 enthält keine Kernel-Implementation des D-Bus-Protokolls. Eine 128 Commits schwere neue Version des Patches, die auf die bisherigen Kritiken eingeht, ist aber bereits in linux-next und könnte damit in Linux 4.4 kommen.

Der Treiber für das Dateisystem ext3, nicht aber das Dateisystem selbst, sind jetzt Geschichte. Die Entfernung des Treibers beseitigt einige Redundanz und spart den Entwicklern Arbeit. Der wesentlich besser gepflegte ext4-Treiber ist ein vollwertiger Ersatz, der auch in Zukunft nicht nur bestehende ext3-Dateisysteme verwalten, sondern auch neu anlegen kann.

Berkeley Packet Filter (BPF)-Programme können jetzt auch auf uprobes angewandt werden, was flexibleres Tracen von Anwenderprogrammen ermöglicht. Die Control Groups können nun auch die Zahl der Prozesse einer Gruppe begrenzen. »perf« kann ab jetzt Trace Streams von Intel-Prozessoren auslesen. Seitenfehler können nun von einem Anwenderprogramm behandelt werden, was unter anderem bei der Live-Migration von virtuellen Maschinen nützlich ist. Ambient capabilities sind eine neue Methode, Capabilities zu vererben. ptrace wurde um eine Operation erweitert, um seccomp-Filter vorübergehend zu deaktivieren.

Die Konfiguration CONFIG_VM86, mit der man Zugriff auf den veralteten 16-Bit-Modus von x86-Prozessoren erhält, sollte ursprünglich entfernt werden. Stas Sergeev bezeichnete dieses Vorhaben als schlechten Scherz und legte Protest ein. Zumindest Dosemu benötigt den vm86-Aufruf noch, und für die reine DOS-Emulation ist Dosemu besser und schneller als Dosbox und KVM. Da der vm86-Aufruf auf der anderen Seite ein Sicherheitsrisiko darstellt, sollte er aber möglichst deaktiviert werden. Linus Torvalds bemerkte, dass vm86 aber für die DOS-Emulation unbrauchbar ist, wenn /proc/sys/vm/mmap_min_addr auf einen Wert ungleich 0 eingestellt wird, was inzwischen Standard ist. Der Kompromiss besteht nun darin, dass vm86() abgeschaltet wird, wenn /proc/sys/vm/mmap_min_addr nicht 0 ist.

IPv6 ist jetzt standardmäßig aktiviert. Die Netzwerkschicht wurde zudem um Lightweight Tunnels (lwtunnel) und virtuelle Routing-Domains erweitert. Neu ist auch Identifier Locator Addressing, eine trickreiche Verwendung von IPv6-Adressen, um virtuelle Maschinen für spezifische Dienste in einem Rechenzentrum zu adressieren, ohne deren IP-Adresse zu kennen.

Die zahlreichen weiteren Änderungen sind im Änderungslog von Git zu finden. Kernel und Patch-Dateien sind von zahlreichen Spiegelservern von kernel.org herunterzuladen.

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