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Mo, 2. November 2015, 09:05

Software::Kernel

Linux-Kernel 4.3 freigegeben

Linux-Initiator Linus Torvalds hat Version 4.3 des Linux-Kernels freigegeben. Einige der Neuerungen sind IPv6 als Voreinstellung, zahlreiche Nouveau-Updates und die Entfernung des ext3-Treibers.

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Linux Foundation

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Zwei Monate nach Linux 4.2 ist nun Linux 4.3 fertiggestellt. Linux-Initiator Linus Torvalds bezeichnete den kurzen Entwicklungszyklus, der genau den Zielen der Kernel-Entwickler entspricht, als ruhig, und hofft, dass der für Linux 4.4, das eine LTS-Version werden soll, genauso ruhig wird.

Nachdem Linux 4.2 sehr viele Änderungen brachte und fast einen neuen Rekord erreichte, sind die Änderungen in 4.3 von eher durchschnittlichem Umfang, und auch die Verteilung der Änderungen ist normal. Etwa 70 Prozent der über 10.750 Änderungen betreffen Treiber, 10 Prozent Architektur-Updates, und die restlichen 20 Prozent sind recht gleichmäßig verteilt. Einen neuen Rekord stellt dagegen die Zahl von 1600 beteiligten Entwicklern dar, von denen 284 zum ersten Mal auftauchten. Der Rekord von Linux 4.2 mit 1591 Entwicklern hatte damit nur zwei Monate Bestand, und auch der Rekord, den Linux 4.1 aufgestellt hatte, hielt nur einen Veröffentlichungszyklus lang. Die zweiwöchige Integrationsphase für Linux 4.4 ist nun wie üblich eröffnet.

War in Linux 4.2 der enorm große Umfang des neuen AMD GPU-Treibers dominierend, so ist es dieses Mal der freie Treiber für Nvidia-GPUs Nouveau, der einen größeren Anteil einnimmt. Denn die Änderungen, die für Linux 4.2 zu spät kamen, wurden jetzt integriert, was die Änderungen an Nouveau doppelt so umfangreich macht wie üblich.

Auch Linux 4.3 enthält keine Kernel-Implementation des D-Bus-Protokolls. Die Entwickler haben den Patch zurückgezogen, um ihn erneut zu überarbeiten. Das ist ein durchaus häufiges Vorgehen im Kernel. Viele Änderungen haben, bevor sie letztlich integriert werden, eine monatelange Geschichte und mehrere Versionen hinter sich.

Der Treiber für das Dateisystem ext3, nicht aber das Dateisystem selbst, sind jetzt Geschichte. Die Entfernung des Treibers beseitigt einige Redundanz und spart den Entwicklern Arbeit. Der wesentlich besser gepflegte ext4-Treiber ist ein vollwertiger Ersatz, der auch in Zukunft nicht nur bestehende ext3-Dateisysteme verwalten, sondern auch neu anlegen kann.

Berkeley Packet Filter (BPF)-Programme können jetzt auch auf uprobes angewandt werden, was flexibleres Tracen von Anwenderprogrammen ermöglicht. Die Control Groups können nun auch die Zahl der Prozesse einer Gruppe begrenzen, und die Datei /proc/kpagecgroup gibt Auskunft über die Zuordnung von Speicherseiten zu Control Groups. »perf« kann ab jetzt Trace Streams von Intel-Prozessoren auslesen. Seitenfehler können nun von einem Anwenderprogramm behandelt werden, was unter anderem bei der Live-Migration von virtuellen Maschinen nützlich ist. Ambient capabilities sind eine neue Methode, Capabilities zu vererben. ptrace wurde um eine Operation erweitert, um seccomp-Filter vorübergehend zu deaktivieren. Als neuer Systemaufruf wurde membarrier hinzugefügt. Dieser ist ein weiteres Beispiel für eine Funktionalität, die über viele Versionen verbessert wurde, bevor sie es endlich, in diesem Fall nach über fünf Jahren, in den Kernel schaffte. Dieser Aufruf ist dafür geeignet, die Geschwindigkeit von RCU in Anwenderprozessen zu optimieren.

Die Konfiguration CONFIG_VM86, mit der man Zugriff auf den veralteten 16-Bit-Modus von x86-Prozessoren erhält, sollte ursprünglich entfernt werden. Stas Sergeev bezeichnete dieses Vorhaben als schlechten Scherz und legte Protest ein. Zumindest Dosemu benötigt den vm86-Aufruf noch, und für die reine DOS-Emulation ist Dosemu besser und schneller als Dosbox und KVM. Da der vm86-Aufruf auf der anderen Seite ein Sicherheitsrisiko darstellt, sollte er aber möglichst deaktiviert werden. Linus Torvalds bemerkte, dass vm86 aber für die DOS-Emulation unbrauchbar ist, wenn /proc/sys/vm/mmap_min_addr auf einen Wert ungleich 0 eingestellt wird, was inzwischen Standard ist. Der Kompromiss besteht nun darin, dass vm86() abgeschaltet wird, wenn /proc/sys/vm/mmap_min_addr nicht 0 ist.

IPv6 ist jetzt standardmäßig aktiviert. Die Netzwerkschicht wurde zudem um Lightweight Tunnels (lwtunnel) und virtuelle Routing-Domains erweitert. Neu ist auch Identifier Locator Addressing, eine trickreiche Verwendung von IPv6-Adressen, um virtuelle Maschinen für spezifische Dienste in einem Rechenzentrum zu adressieren, ohne deren IP-Adresse zu kennen.

Darüber hinaus wurden zahlreiche Treiber aktualisiert, erweitert oder kamen neu hinzu. Eine Liste aller Änderungen kann man dem Git-Repositorium entnehmen. Die Seite Kernelnewbies.org wird in Kürze eine übersichtliche Zusammenfassung der Änderungen veröffentlichen. Die aktuelle Version von Linux kann von kernel.org und zahlreichen Spiegel-Servern in Form von Patches oder tar-Paketen heruntergeladen werden.

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