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Do, 7. Januar 2016, 11:11

Software::Android

Android N wird OpenJDK verwenden

Mit der nächsten Android-Version wird Google von der eigenen Java-Implementation auf das offizielle Java Development Kit OpenJDK aufsetzen. Dies könnte weitreichende Konsequenzen haben.

android.com

Die Umstellung auf OpenJDK wurde im Quellcode von Android bereits vollzogen. Damit wird die kommende Version 7.0 von Android, als Nachfolger von Android M (6.x) auch als »Android N« bezeichnet, auf das von Google selbst entwickelte »Android Runtime« verzichten. Android Runtime (ART) ist der Nachfolger Java Virtual Machine Dalvik. Das von Anfang an in Android eingesetzte Dalvik war nicht zur offiziellen JVM kompatibel, konnte jedoch Standard-Java-Code ausführen, wenn er für Dalvik compiliert wurde. Als Klassenbibliothek wurde die Implementation von Apache Harmony verwendet, die allerdings seit November 2011 eingestellt ist, nachdem der Haupt-Unterstützer des Projekts, IBM, sich an Oracle und OpenJDK annäherte. Dies dürfte ein Anstoß für die Entwicklung des ART gewesen sein, das unter der Bezeichnung »Java Interoperability Libraries« eine Weiterentwicklung von Apache Harmony enthält.

Über die Verwendung von Java in Android entbrannte im August 2010 ein weiterer Konflikt, als Oracle Google wegen angeblicher Patent- und Copyright-Verletzungen verklagte. Doch Google wehrte sich und konnte die Patentansprüche zwei Jahre später abwehren. Auch die Copyright-Ansprüche wurden in der ersten Instanz zurückgewiesen. In einer nach Ansicht der Electronic Frontier Foundation grundlegend falschen Entscheidung erklärte ein Berufungsgericht 2014 die Java-APIs für Copyright-fähig und erlaubte es damit, das Verfahren in einem niedrigeren Gericht wieder aufzunehmen. Es ist bis heute noch nicht abgeschlossen.

Mit der Entscheidung, nun statt ART das offizielle OpenJDK einzusetzen, will sich Google offenbar allen weiteren Ansprüchen Oracles entziehen. Denn OpenJDK steht unter der GPL und kann von Google in jeder Weise verwendet werden, die mit der GPL konform ist. Dies schließt Änderungen ein, die nötig sind, um OpenJDK unter Android nutzbar zu machen, solange diese Änderungen unter der GPL stehen und im Quellcode veröffentlicht werden. Technisch, rechtlich und vom Wartungsaufwand her wird der Schritt Google viele Vorteile bringen, wie Ars Technica darlegt. Es ist immer noch möglich, dass Google für Copyright-Verletzungen bis Android M Schadensersatz an Oracle zahlen muss, ab Android N jedoch nicht mehr.

Die Änderung sorgte allerdings auch für Bedenken, dass Android-Distributoren, also die Hardware-Hersteller, nun einem hohen Risiko ausgesetzt seien, wegen Lizenzverstößen von Oracle verklagt zu werden. Bradley Kuhn von der Software Freedom Conservancy bezeichnet diese jedoch komplett als FUD. Android-Distributoren haben sich schon jetzt an die GPL zu halten, da Android den GPL-lizenzierten Linux-Kernel enthält. Mit dem Hinzukommen von OpenJDK entsteht den Herstellern nur wenig Mehraufwand. Für Copyright-Verletzer könnten jetzt allerdings härtere Zeiten anbrechen, da Oracle möglicherweise umfassend gegen sie vorgehen könnte. Wo die Verfolgung von Copyright-Verletzungen am Linux-Kernel wegen geringer Ressourcen nur langsam voran geht und grundsätzlich eine gütliche Einigung angestrebt wird, könnte Oracle solche Verletzungen eher als Geldquelle sehen. Auch wenn sich die Einstellungen von Software Freedom Conservancy und Oracle völlig entgegengesetzt darstellen, könnte damit den leidigen Lizenzverstößen gegen freie Software nachhaltig ein Ende gesetzt werden. Für die Benutzer könnten damit goldene Zeiten anbrechen, in denen sie die Geräte-Firmware nach Belieben modifizieren können. So würde sich die Intention freier Software endlich in großem Umfang erfüllen.

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Kommentare (Insgesamt: 12 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[2]: ART (Ruediger, Fr, 8. Januar 2016)
spiele auf tv (andro id, Fr, 8. Januar 2016)
Re[3]: ART (gol., Fr, 8. Januar 2016)
Re[2]: ART (hh, Do, 7. Januar 2016)
Re: ART (gol., Do, 7. Januar 2016)
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