Login
Login-Name Passwort


 
Newsletter
Werbung

Fr, 22. Januar 2016, 10:27

Gemeinschaft::Organisationen

Linux Foundation: Gemeinschaft im Vorstand nicht mehr erwünscht

Still und heimlich hat die Linux Foundation die Regeln für Individualmitglieder geändert: Sie sind nun nicht mehr durch zwei gewählte Mitglieder im Vorstand vertreten. Ob dies allerdings nennenswerte Auswirkungen hat, darf bezweifelt werden.

Linux Foundation

Die Linux Foundation ist das Industriekonsortium zur Förderung von Linux und gemeinschaftlicher Entwicklung. Finanziert wird sie hauptsächlich durch die Jahresbeiträge der Unternehmen, die von 5.000 US-Dollar für kleine Firmen bis zu 500.000 US-Dollar für Platin-Mitglieder reichen. Seit mehr als sechs Jahren ist die Linux Foundation auch für Mitgliedschaften von Einzelpersonen offen. Für 99 US-Dollar im Jahr kann man die Arbeit der Organisation unterstützen und im Gegenzug einige Vergünstigungen erhalten.

Zwei gewählte Vertreter dieser Mitglieder erhielten zudem einen Sitz im Vorstand. Seit letztem Freitag ist das aber nicht mehr der Fall, wie Matthew Garrett feststellte. Der Vorstand wird künftig nur noch aus gewählten Vertretern der Unternehmen bestehen. Platinmitglieder stellen zehn Mitglieder des Vorstands, Goldmitglieder drei und Silbermitglieder einen. Dies ist unverändert geblieben, die einzige Änderung in der seit Freitag gültigen Version der Satzung ist, dass die Einzelmitglieder keine Vertretung mehr haben. Die Änderung wurde den Mitgliedern bisher nicht mitgeteilt.

Im September hatte Karen Sandler, die Geschäftsführerin der Software Freedom Conservancy, angekündigt, Mitglied der Linux Foundation zu werden und für einen Vorstandssitz kandidieren zu wollen, was sie letzte Woche noch einmal bekräftigte. Die Conservancy setzt sich stark für die Beachtung der GPL bei den Unternehmen, die Linux verwenden, ein, und streitet sich aktuell besonders mit VMWare wegen einer vermuteten GPL-Verletzung. Da VMWare dies nicht anerkennen will, geht die Sache nun vor Gericht. Dass die Änderung der Statuten der Linux Foundation unmittelbar nach Sandlers Blog-Beitrag kamen, kann nach Ansicht von Garrett und anderen Beobachtern kein Zufall sein. Zwar ist VMWare über seine Mutterfirma EMC nur Silbermitglied der Organisation, doch könnte die konsequente Verfolgung von GPL-Verletzungen vielen Unternehmen ein Dorn im Auge sein, da sie einen gewissen Aufwand seitens der Hersteller erfordert und der Profitmaximierung entgegen steht.

Das Programm der individuellen Mitgliedschaft der Linux Foundation wurde entsprechend in Individual Supporter umbenannt. Die Bedingungen und Vergünstigungen sind wie bisher, vielleicht sogar besser, nur das aktive und passive Wahlrecht entfällt. Die Gemeinschaft hat immer noch eine Stimme im Vorstand, und zwar über den technischen Beirat (TAB), der einen Vertreter aus der Gemeinschaft wählt. Neben Garrett sehen auch Beobachter wie Roy Schestowitz in dem Schritt eine Abwendung von der Gemeinschaft, möglicherweise als direkte Folge einer Beeinflussung durch Microsoft. Die einzige Reaktion der Linux Foundation bestand bisher darin, bestehende Individualmitgliedschaften nicht mehr automatisch zu verlängern - möglicherweise, weil aufgrund der Satzungsänderung sowieso ein außerordentliches Kündigungsrecht besteht.

Nicht jeder ist allerdings geneigt, an eine Verschwörung zu glauben. Greg Kroah-Hartman, Fellow der Linux Foundation, schreibt auf Reddit, dass er die Vertreter der Gemeinschaft im Vorstand ohnehin für deplaziert hielt. Die zuletzt auf diesen Posten gewählten Personen seien innerhalb der Gemeinschaft weitgehend unbekannt. Kroah-Hartman spricht nicht im Namen der Linux Foundation, von der er zwar bezahlt wird, aber keine Weisungen annehmen muss. Er hält den Schritt der Foundation aber für richtig. Vorstandssitze für die Individualmitglieder seien auch in anderen Organisationen wie FSF und SFC nicht vorgesehen. Die Foundation habe auch nicht ihre Unterstützung für SFC eingestellt. Nach wie vor erhielten SFC-Mitglieder Reisekostenerstattungen und seien auf Konferenzen der Foundation präsent. Nur eine direkte Spende an SFC habe es letztes Jahr nicht gegeben, wohl aufgrund geringerer verfügbarer Mittel. Kroah-Hartmans Aussagen werden allerdings von etlichen Kommentatoren auch angezweifelt und kritisiert.

Werbung
Kommentare (Insgesamt: 24 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[3]: Gemeinschaft? (Tulip, Mo, 25. Januar 2016)
Re[12]: Gemeinschaft? (krake, Mo, 25. Januar 2016)
Re[11]: Gemeinschaft? (Oleander, Mo, 25. Januar 2016)
Re[10]: Gemeinschaft? (krake, So, 24. Januar 2016)
Re[9]: Gemeinschaft? (Polaris, So, 24. Januar 2016)
Pro-Linux
Pro-Linux @Facebook
Neue Nachrichten
Werbung