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Fr, 19. Februar 2016, 13:38

Software::Distributionen::Ubuntu

Ubuntu will ZFS-Modul direkt bereitstellen

Ubuntu hat nach einer eingehenden Untersuchung der Rechtslage beschlossen, dass der Treiber des Dateisystems ZFS direkt als binäres Modul mitgeliefert werden kann. Das erspart den Benutzern unter anderem, einen Compiler zu installieren.

Canonical

ZFS, ursprünglich von Sun für Solaris entwickelt und inzwischen als OpenZFS unabhängig weitergeführt, gilt vielen als das modernste und leistungsfähigste Unix-Dateisystem. Die Lizenz hindert ZFS jedoch daran, jemals offizieller Bestandteil des Linux-Kernels zu werden. ZFS steht unter der CDDL, der Linux-Kernel unter der GPLv2. Beides sind Copyleft-Lizenzen, doch sind sie nicht miteinander vereinbar. Die GPLv2 geht mit der Regelung, dass auch abgeleitete Werke unter der gleichen Lizenz vertrieben werden müssen, weiter als die CDDL.

Trotz dieses Konflikts kann ZFS unter Linux eingesetzt werden. Endanwender, die mit der Weitergabe der Software nichts zu tun haben, können ihren Kernel patchen und ZFS direkt einbauen. Distributoren können als Notlösung auf DKMS setzen. Damit können Endanwender, die ZFS einsetzen wollen, den Quellcode automatisiert herunterladen und compilieren lassen. Die gleiche Technik kommt auch bei anderen Treibern, beispielsweise bei VirtualBox zum Einsatz, sie erfordert aber nicht nur eine explizite Handlung des Benutzers, sondern auch, dass der C-Compiler GCC und weitere Werkzeuge installiert sind.

Ubuntu hatte im Oktober letzten Jahres erklärt, ZFS offiziell unterstützen zu wollen. Daher stellte sich der Distributor die Frage, ob die bisherigen Umstände sein müssen. Die Antwort ist ein entschiedenes Nein, wie Dustin Kirkland jetzt in seinem Blog mitteilt. Laut Kirkland hat Canonical die Rechtslage genau überprüft und dabei mit dem »führenden Juristen« zum Thema Softwarefreiheit zusammengearbeitet.

Das Ergebnis der Überprüfung ist, dass Canonical zu beiden Lizenzen konform bleibt, wenn es den ZFS-Treiber als Kernelmodul mitliefert (das automatisch geladen wird, wenn es benötigt wird). Das Modul »zfs.ko« ist laut Kirkland in sich selbst abgeschlossen. Der Linux-Kernel ist selbstverständlich kein abgeleitetes Werk von ZFS, umgekehrt ist das Modul auch kein abgeleitetes Werk des Kernels. Kirkland bezeichnet dies als offensichtlich, tatsächlich ist es aber eine juristische Grauzone, da das Modul letztlich Kernel-Funktionen aufruft und zum Teil (über Inline-Funktionen und Makros) auch einbindet. Doch gilt diesbezüglich eine Ausnahmeregelung des Kernels, die auch von anderen Modulen wie dem proprietären Nvidia-Treiber genutzt wird.

Somit wird Ubuntu 16.04 LTS wohl inklusive des ZFS-Moduls kommen. Das sei gut für die Ubuntu-Nutzer, für Linux und für alle freie Software, so Kirkland. Canonical ist an weiteren Diskussionen zur Lizenzkompatibilität nicht interessiert, denn die Entscheidung ist laut Kirkland anhand der Recherchen bereits gefallen. Diese Haltung ist verständlich, da die Allgemeinheit nicht über das nötige juristische Fachwissen verfügt, um mitreden zu können. Dennoch bleibt eine gewisse Skepsis auch bei den Experten. Die Software Freedom Conservancy, die GPL-Verletzungen verfolgt, soweit es ihre begrenzten Ressourcen zulassen, kommentiert die Entscheidung zwar noch nicht, hat aber angekündigt, die Situation weiter zu beobachten und zu untersuchen.

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