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Mi, 13. April 2016, 08:10

Gemeinschaft::Personen

Stallman: ZFS und Linux unvereinbar

Nachdem schon das Software Freedom Law Center (SFLC) und Software Freedom Conservancy (SFC) die Unvereinbarkeit der Lizenzen von Linux und des Dateisystems »ZFS« attestierten, meldet sich nun auch der Gründer des GNU-Projektes zu Wort und fällt ein ähnliches Urteil. Wie schon die zwei Organisationen sieht auch Richard Stallman im Moment keine Möglichkeit, ZFS legal mit dem Kernel zu vertreiben.

Mirko Lindner

Als das »ultimative Dateisystem« wurde das ZFS-Dateisystem aus dem Hause Sun angepriesen. Zettabyte File System (ZFS) brach in der Tat mit vielen Paradigmen der Unix-Welt und bietet ein komplett neues Konzept der Bedienung. Im Gegensatz zu konventionellen Storage-Lösungen arbeitet das Dateisystem nicht auf der Ebene des Volume-Managements, sondern auf einer neuen, abstrakten Umgebung namens »Storage Pools«, die vergleichbar mit LVM ist. Im Gegensatz zu LVM nistet sich ZFS jedoch nicht unterhalb der Dateisystemebene ein, sondern oberhalb, sodass das System die komplette Kontrolle über die Verteilung der Daten auf der Hardware behält. Dadurch eröffnen sich für ZFS interessante Möglichkeiten. Um einen Speicherpool zu erstellen und zu erweitern oder ein Dateisystem hinzuzufügen oder zu entfernen, genügt bei ZFS ein einziger Befehl. Bei herkömmlichen Dateisystemen und Volume-Managern muss hierzu unter Umständen eine ganze Abfolge von Einzelschritten durchlaufen werden.

ZFS, inzwischen als OpenZFS unabhängig weitergeführt, gilt deshalb vielen Anhängern als das modernste und leistungsfähigste Unix-Dateisystem. Kaum verwunderlich, dass ZFS auch unter Linux verfügbar ist. Doch das ist nicht frei von Problemen. Das wohl größte Hindernis für eine größere Verbreitung unter Linux stellt die Lizenz dar. So steht ZFS unter der CDDL, der Linux-Kernel dagegen unter der GPLv2. Beides sind zwar Copyleft-Lizenzen, doch sind sie nach Ansicht zahlreicher Experten nicht miteinander vereinbar. Folgerichtig verbietet es sich, beide Lizenzen miteinander beim Vertrieb zu vermengen. Will man ZFS auch unter Linux nutzen, muss man es selbst compilieren.

Trotz der Problematik hatte Ubuntu angekündigt, ZFS offiziell unterstützen zu wollen. Canonical ließ die Lizenzierung überprüfen und kam zu dem Schluss, dass das Unternehmen zu beiden Lizenzen konform bleibe, wenn es den ZFS-Treiber als Kernelmodul mitliefert. Das Modul sei demnach für sich ein eigenständiges und kein abgeleitetes Werk.

Der Argumentationskette schlossen sich weder das Software Freedom Law Center (SFLC) noch die Software Freedom Conservancy (SFC) an. Beide Organisationen bescheinigten, dass es ohne eine Relizenzierung nicht möglich sei, ZFS binär mit dem Linux-Kernel zu vertreiben. Sie sehen ein Binärmodul als Teil des Kernels an, woraus ein Lizenzkonflikt zwischen GPLv2 und CDDL beim Vertrieb resultiere. Der Vertrieb eines Binärmoduls von ZFS stellt somit eine Lizenzverletzung dar, ob sie auch verfolgt würde, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Nun hat sich auch Richard Stallman, Gründer des GNU-Projektes und Autor der GNU General Public License (GNU GPL) zu Wort gemeldet und die Intention der Lizenz weiter spezifiziert. Auch Stallman vertritt die Meinung, dass der Vertrieb von ZFS mit dem Kernel nicht zulässig sei und Canonical einen Rechtsbruch begehen würde, würde das Unternehmen ZFS in die Distribution aufnehmen. Dabei spiele es keine Rolle, wie ZFS in die Distribution eingebunden wird. Eine Ausnahme wäre lediglich, wenn der Benutzer ZFS selbst compiliert.

Ein Ausweg aus dem Dilemma wäre laut Stallman eine Änderung oder eine Anpassung der Lizenz von ZFS. So sei es den Copyright-Inhabern, in diesem Fall Oracle, möglich, die Lizenz zu ändern oder anderen Nutzern auch das Recht einzuräumen, ZFS unter den Bedingungen der GPL einzusetzen. Das würde eine Kombination von ZFS mit Linux ermöglichen. Der Entwickler hoffe deshalb, dass Oracle einlenkt und eine Bündelung von ZFS mit Linux erlaubt.

Ob das allerdings passiert, steht in den Sternen. Oracle selbst hat sich zu der Situation bisher nicht geäußert. Doch auch Canonical dürfte bei der mittlerweile dritten prominenten Diagnose wenig Freude bei einer Distribution von ZFS haben. Denn auch, wenn sich kein Ankläger finden sollte, würde die Koppelung des Systems den Distributor in ein äußerst negatives Licht stellen. Das wird Canonical wohl vermeiden wollen.

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Kommentare (Insgesamt: 31 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[6]: GPL (skinnie, Fr, 22. April 2016)
Re: Mein Kommentat dazu (blablabla233, Fr, 22. April 2016)
Re[2]: Mein Kommentat dazu (blablabla233, Fr, 22. April 2016)
Re[5]: GPL (picaschaf, Fr, 15. April 2016)
Re: Mein Kommentat dazu (IGNUcius, Do, 14. April 2016)
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