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Di, 14. Juni 2016, 14:35

Software::Entwicklung

Gtk 4.0 ungleich Gtk 4: Gtk erwägt neues Versionierungsschema

Die Entwickler des GUI-Toolkits Gtk wollen ein neues Versionierungsschema einführen. Alle zwei Jahre soll es eine neue Hauptversion geben, die auch inkompatible Änderungen enthalten können. Doch auch die dazwischen liegenden Versionen können ihre Schnittstellen noch eine Zeitlang ändern.

Gimp, das prominenteste Gtk-Programm

gimp.org

Gimp, das prominenteste Gtk-Programm

Die Gtk-und viele Gnome-Entwickler sind zur Zeit auf dem »Gtk Hackfest« in Toronto versammelt, um künftige Entwicklungen des freien, ursprünglich im Gimp-Projekt entwickelten Toolkits Gtk zu diskutieren. Dabei gibt es auch Überlegungen, die Versionierung von Gtk zu ändern. Allison Lortie berichtet vom derzeitigen Stand der Dinge, der allerdings nur ein Vorschlag zur weiteren Diskussion ist. Was sich diesbezüglich letzten Endes durchsetzen wird, ist noch offen.

Das Problem, mit dem sich alle Toolkit-Entwickler konfrontiert sehen, ist, dass das Toolkit einerseits modern gehalten werden soll, was neue und geänderte Funktionalität erfordert, andererseits der Wunsch seitens der Anwendungsentwickler besteht, die Programmierschnittstelle möglichst für immer unverändert zu lassen.

Die Entwicklung von Gtk 3 hatte das Dilemma ziemlich deutlich aufgezeigt. Die stetige Weiterentwicklung war selbst für die beteiligten Entwickler offenbar zu schnell, so dass so manche Programmierschnittstelle definiert wurde, die sich später als verbesserungsbedürftig herausstellte. Genau das hatten manche Entwickler wie Gnome-Gründer Miguel de Icaza bereits lange vor der Freigabe von Gtk 3 befürchtet. In den fünf Jahren seit Gtk 3.0 wurde Gtk halbjährlich aktualisiert, wobei stets die Bedürfnisse von Gnome im Vordergrund standen - andere Anwendungen wurden ignoriert und hatten jedes halbe Jahr wieder mit neuen Kompatibilitätsproblemen zu kämpfen.

Die Folge ist, dass heute, wenn man die Statistiken der Paketarchive von Debian oder Gentoo zugrunde legt, kaum die Hälfte der Gtk-Anwendungen auf Gtk 3 portiert wurden. Der Rest hält an dem nur noch minimal gepflegten, aber stabilen Gtk 2 fest. Die Gtk-Entwickler sind sich des Problems wohl bewusst. Auf der anderen Seite fühlen sie sich durch die geforderte Stabilität der Schnittstellen, so schlecht sie auch umgesetzt sein mag, in der Entwicklungsgeschwindigkeit ausgebremst.

Ein neues Versionierungsschema soll Abhilfe schaffen, sofern es breite Zustimmung erfährt. Dieses sieht vor, künftig alle zwei Jahre eine neue Hauptversion von Gtk zu schaffen. Der Zweijahresrhythmus würde zum Veröffentlichungszyklus vieler bedeutender Linux-Distributionen passen. Die wichtigsten Punkte einer neuen Hauptversion sind, dass sie inkompatibel mit früheren Versionen ist, aber stets parallel zu einer älteren Version installiert werden kann - nicht nur zur Ausführung von Anwendungen, sondern auch zur Entwicklung. Dasselbe ist heute schon bei Gtk 2 und Gtk 3 der Fall.

Wenn Gtk 4.0 erscheint, wird das aber noch nicht der endgültige Stand von Gtk 4 sein, es gilt also »Gtk 4.0 ungleich Gtk 4«. Die nachfolgenden Versionen 4.2, 4.4 und 4.6, die jeweils nach sechs Monaten veröffentlicht werden, werden inkompatibel mit den früheren Versionen sein und können nicht vollständig parallel zu anderen 4.x-Versionen installiert werden. Die Bibliotheken werden aufgrund der Versionsnummern parallel installierbar sein, so dass Anwendungen, die Gtk 4.0, und solche, die Gtk 4.4 benötigen, gleichzeitig nutzbar sind. Laut den Entwicklern passt dieses Modell gut zu den Paketsystemen der Distributionen.

Die jeweils letzte Version einer Hauptversionsreihe, also konkret die 4.6, repräsentiert dann die finale Schnittstelle, die nicht mehr geändert wird. Im Prinzip kann diese Version dann unbegrenzt gepflegt werden; wie lange das tatsächlich geschieht, ist nicht festgelegt. Auch für Gtk 3 wird es einmal eine finale Version geben, möglicherweise Version 3.26, die aber erst im September 2017 auf dem Plan steht. Entwicklern von Anwendungen wird empfohlen, immer auf die letzte stabile Version aufzusetzen, es sei denn, sie benötigen die neueste Funktionalität und können in Kauf nehmen, alle sechs Monate Anpassungen an ihrer Anwendung vorzunehmen.

Der Vorschlag soll unter den Entwicklern gründlich diskutiert werden, eine Entscheidung wird wohl frühestens auf der Gnome-Konferenz GUADEC vom 12. bis 14. August in Karlsruhe fallen. Kritisiert wird der Vorstoß bereits jetzt ziemlich heftig. Ein Kritikpunkt ist, dass die jeweils neueste Version eigentlich eine Testversion sei, während die Versionsnummern Stabilität suggerieren. Das Schema sei missverständlich und an der Grenze zur Verrücktheit, semantische Versionsnummern seien vorzuziehen.

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