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Di, 21. Juni 2016, 10:37

Gemeinschaft

Kritik an neuen Paketformaten wie Snappy

Kyle Keen, ein Paketbetreuer bei Arch Linux, spricht sich dagegen aus, dass Softwareprojekte direkt Pakete für Distributionen bereitstellen. Damit wendet er sich besonders gegen neu aufkommende distributionsunabhängige Formate, die ausdrücklich dafür gedacht sind, die Distributionen zu umgehen.

Mirko Lindner

Neue Methoden und Formate schicken sich an, die traditionellen Paketformate der Linux-Distributionen zum Teil zu ersetzen. Neben AppImage, Flatpak und Snappy sind auch Containerformate wie Docker geeignet, um Anwendungen in der neuesten Version und unabhängig von der restlichen Umgebung zu den Benutzern zu bringen. Dass sich keine dieser Optionen als Standardlösung durchsetzen wird, weil sich kaum eine der Alternativen vom »Markt« zurückziehen will, mag bedauerlich sein. Kyle Keen, ein Paketbetreuer bei Arch Linux, sieht aber noch weitere Probleme mit diesen Formaten.

Traditionell stehen die Paketbetreuer der Linux-Distributionen zwischen den Anwendern und den Entwicklern der Software. Letztere werden oft als »Upstream« bezeichnet; Keen verwendet die Bezeichnung »Unabhängige Softwareanbieter«, was freie Projekte und proprietäre Produkte einschließt. Da sich Distributionen auf eine kleine Auswahl der verfügbaren Software beschränken und dazu oft bei einer bestimmten Version bleiben, selbst wenn es vom Softwareanbieter neue Versionen gibt, entsteht bei Anwendern oft der Wunsch, die neueste Version zu haben. Da das von den Distributionen nicht umgesetzt wird, entsteht seitens der Anbieter der Wunsch, Pakete für die Distributionen direkt zur Verfügung zu stellen.

Ein vermeintliches Erfolgsmodell wie der Android App-Store verstärkt diesen Wunsch noch. Apps in einem einheitlichen, distibutionsunabhängigen Format, direkt vom Anbieter zur Verfügung gestellt, sollen alle Probleme lösen - der Grund, warum AppImage, Flatpak, Snappy und viele andere Formate entstanden sind. Doch Keen nennt diese App-Stores ein unkontrollierbares Desaster. Schon bei den verbreiteten Linux-Anwendungen gibt es zuviele Programme für denselben Zweck, und App-Stores vervielfachen das Problem noch. Dabei ist keine der Apps vollständig genug, um alle Ansprüche zu erfüllen. Schlimmer noch ist, dass in App-Stores viele Programme angeboten werden, die die Benutzer hintergehen, von Spionage über Werbung bis zu fehlerhafter Energieverwaltung.

Paketverwalter sind laut Keen die moderierende Instanz zwischen Anbietern und Benutzern. Sie sorgen dafür, dass nur brauchbare Software in die Distribution gelangt, und nehmen nötigenfalls Anpassungen vor, damit das Zusammenspiel mit dem Rest der Distribution klappt. Sie können, eine freie Lizenz vorausgesetzt, unerwünschte Funktionalität der Originalversion entfernen oder ändern. In die umgekehrte Richtung können sie Fehlerberichte von höherer Qualität an die Anbieter senden, als die meisten Anwender. Paketverwalter, die wissentlich schlechte oder schädliche Pakete in die Distribution einbringen, werden bald ihren Posten los sein. so sind Anwender vor schädlicher Software geschützt und das System korrigiert sich stets selbst. Es hat sich seit über 20 Jahren bewährt. Zwar wurde schon viel darüber geschrieben, wie der Aufwand, Software in vielen Formaten zu paketieren, duplizierte Arbeit und verschwendete Zeit sei. In Wahrheit sei genau das der Grund gewesen, warum das System der Paketverwalter so gut funktionierte.

Mit Paketsystemen, die die Paketierung von Software direkt vom Hersteller ermöglichen, fällt laut Keen eine wichtige Kontrollinstanz in beide Richtungen weg. Wahrscheinlich lässt sich dieser Trend nicht mehr aufhalten, denn viele Anwender und Entwickler sind gegenteiliger Ansicht als Keen. Neben den Vorteilen muss man aber auch die Nachteile sehen oder daran arbeiten, sie zu beseitigen. Keens Artikel, der hier nur sehr verkürzt dargestellt werden kann, hat einige Diskussionen ausgelöst, beispielsweise auf LWN, die auch verwandte Aspekte wie die meist unzureichenden Backports ansprechen.

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