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Fr, 22. Juli 2016, 13:50

Software::Cloud

Streit um Seafile spaltet die Entwicklung

Wie Seafile GmbH in einer Mitteilung auf der eigenen Seite bekannt gab, beendet das Unternehmen die Zusammenarbeit mit Seafile Ltd. und will die Lösung unabhängig von dem chinesischen Unternehmen entwickeln. Ein Streit um die Rechte und die Quellen wird den Wunsch allerdings nicht einfach machen, denn beide Unternehmen stehen sich unversöhnlich gegenüber.

seafile.de

Seafile stellt eine freie Plattform für Dateisynchronisation, Zusammenarbeit und Filehosting dar. Die Lösung kommt mit einer Dateisynchronisation ähnlich wie Dropbox daher. Benutzer können auf ihre Daten über eine Webschnittstelle zugreifen oder über Desktop-Clients synchronisieren. Die Kommunikation zwischen Client und Server findet dabei verschlüsselt statt. Zum Schutz der Privatsphäre können Nutzer zudem Bibliotheken und Ordner mit einem Passwort versehen.

Die Lösung wird weitgehend von der Chinesischen Seafile Ltd. entwickelt. In Deutschland und Europa kümmert sich um den Vertrieb die von Alexander und Silja Jackson gegründete Seafile GmbH. Das Unternehmen betreibt zudem den Seafile-Dienst »app.seafile.de«, der ähnlich wie Dropbox zum Tausch von Daten genutzt werden kann. Doch mit der Zusammenarbeit ist nun Schluss.

Wie die Seafile GmbH bekannt gab, beendet das Unternehmen die Zusammenarbeit mit der Seafile Ltd. »Über die letzten Jahre hat sich die Zusammenarbeit mit der Seafile Ltd. zunehmend schwieriger gestaltet. Sie hat in den letzten Tagen einen Punkt erreicht, an dem wir nicht mehr länger guten Gewissens eine Software gemeinsam entwickeln konnten«, so das Unternehmen auf seiner Seite. So stören sich die Deutschen unter anderem an der Entwicklung ohne ein klares Ziel, den unberechenbaren Änderungen in der öffentlichen Kommunikation, den Beta-Tests an zahlenden Kunden, dem Entfernen von Funktionen ohne Migrationsplan, dem mangelnden Respekt vor Datenschutzgesetzen und saftigen Preiserhöhungen von bis zu 400%.

Doch auch persönlich scheint es zwischen den beiden Unternehmen zu kriseln. »In den letzten 6 Monaten haben wir eine konstante Zunahme an Missachtung und Respektlosigkeit gegenüber uns als Menschen und Unternehmen und gegenüber unseren Kunden festgestellt«, schreibt das Unternehmen. Dies gipfelte schlussendlich in einem Entzug der Zugriffsrechte auf die Seafile Professional Sourcen.

Seafile Ltd. widerspricht der Darstellung. Vor allem der Vorwurf des mangelnden Respekts vor Datenschutzgesetzen weisen die Chinesen energisch zurück und sprechen von einer »Lüge«. Laut Aussage der Entwickler habe gerade die GmbH gegen zahlreiche Auflagen verstoßen und Geschäftspraktiken verletzt. So habe das Unternehmen beispielsweise die Marke »Seafile« registriert, ohne die Originalautoren darüber zu informieren und ohne dazu berechtigt zu sein. Zudem seien etliche Seiten des Auftritts ohne das Wissen der Entwickler auf die eigenen Server umgeleitet worden. Nachdem die GmbH dazu aufgerufen worden ist, die Praktiken zu unterlassen, hat das Unternehmen die Einahmen des zweiten Quartals 2016 einfach einbehalten. »Das ist ein Geschäftsbetrug«, schreibt Seafile Ltd. in einer Stellungsnahme.

Dass beide Unternehmen wieder zusammenfinden, dürfte nach der Serie an Vorwürfen wohl als ausgeschlossen gelten. Dem entsprechend unsicher ist die Zukunft von Seafile, auch wenn Seafile Ltd. die Anwender zu beruhigen versucht und verspricht, dass die Entwicklung weitergehen werde. Fest steht allerdings auch, dass auch Seafile GmbH die Entwicklung der Software in Eigenregie vorantreiben will. Als Basis soll dabei Seafile Professional 5.1.8 dienen. Dazu habe das Unternehmen in Deutschland ein neues Team zusammengestellt, das die Entwicklung beider Versionen fortführen wird. Wie diese das neue Produkt allerdings im Detail aussehen wird, gab das Unternehmen nicht bekannt.

Unklar bleibt allerdings die Rechtslage. Seafile Ltd. widerspricht der Darstellung, wonach die Deutschen irgendwelche Rechte an den Quellen der Professional-Version haben und berechtigt wären, die geschlossene Software zu vertreiben oder entwickeln zu dürfen. Die Chinesen dagegen stehen ohne eine Marke auf dem US-amerikanischen Markt dar, denn laut dem United States Patent and Trademark Office wurde die Marke durch die Seafile GmbH beantragt. Doch auch die Quellen der freien Version sind verstreut. So gehört das eigentliche Repositorium dem chinesischen Hersteller, die Organisation aber wurde durch die Deutschen registriert.

Was bleibt, ist ein Zwist zwischen zwei Unternehmen und ein freies Projekt, das zwischen den Fronten in einem unsicheren Status verharrt. Viele der Vorwürfe werden sich sicherlich klären und lösen lassen. Fest steht allerdings auch, dass es Zeit in Anspruch nehmen wird. Zeit, in der vor allem die zahlenden Nutzer das Nachsehen haben werden, nutzen sie doch ein Produkt, das mindestens rechtlich auf wackeligen Beinen steht.

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