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So, 28. August 2016, 09:00

Gemeinschaft

Torvalds und Kroah-Hartman gegen GPL-Prozesse

Linux Torvalds hat die Durchsetzung der GPL mit juristischen Mitteln scharf kritisiert. Diese Prozesse trieben Firmen von Linux weg und zerstörten die Arbeit, die die Entwickler in den Aufbau einer Vertrauensbasis investiert haben.

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Linux Foundation

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Die Diskussion begann mit einem Vorschlag von Karen Sandler, auf dem kommenden Kernel-Summit, einem Treffen der wichtigsten Kernel-Entwickler, eine Sitzung zu halten, auf der sie die aktuellen Entwicklungen zur GPL-Durchsetzung präsentiert und Fragen beantwortet. Sandler ist zur Zeit Sekretärin der Software Freedom Conservancy (SFC) und arbeitet »pro bono«, also ehrenamtlich oder für geringe Bezahlung, an Rechtsangelegenheiten für die Organisation.

Greg Kroah-Hartman äußerte sich kritisch zu dem Vorschlag, den er auch inhaltlich kritisierte. Der Kernel-Summit solle technischen Themen vorbehalten sein. Im weiteren Verlauf der Diskussion, in die sich auch Bradley M. Kuhn, der derzeitige Präsident der SFC einschaltete, erläuterte Kroah-Hartman, warum er sich von Sandlers Vorschlag zurückgesetzt fühlt, und führte generelle Vorbehalte gegen die gerichtliche Durchsetzung der GPL an.

Sandlers Vorschlag schien zu implizieren, das nur Juristen Zugang zu den Unternehmen finden würden, die die GPL verletzen, und sich niemand sonst um die Durchsetzung der GPL kümmere. Kroah-Hartman sah dies als Affront, da einige Kernel-Entwickler einschließlich ihm selbst seit Jahren die GPL durchsetzen - und zwar mit großen Erfolg und ohne jedes Gerichtsverfahren. Das Konzept besteht darin, die Firmen von den Vorteilen der GPL und der Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft zu überzeugen. Gelangen Kernel-Entwickler oder GPL-Befürworter in entscheidende Positionen in den Firmen, dann sind die Weichen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gestellt.

Kroah-Hartman spricht sich strikt gegen juristische Mittel bei der Durchsetzung aus, auch gegen die gerade aktuelle Klage gegen VMware. Diese haben, selbst wenn sie erfolgreich sind, weitreichende negative Effekte auf die zukünftige Entwicklung. Mit Klagen schafft man sich Feinde, keine Freunde. Firmen werden dazu gebracht, sich von der Gemeinschaft fernzuhalten, statt ihr beizutreten. Vertrauen wird zerstört statt geschaffen. Kroah-Hartman zitiert speziell einen bekannten Fall, nämlich die Klagen der Busybox-Entwickler in den Jahren 2007 bis 2010. Obwohl sie gewonnen wurden, haben sie letztlich mehr Schaden als Nutzen verursacht. Unter anderem wurde eine GPL-freie Alternative zu Busybox von vielen erwogen. Mit Toybox existierte ein entsprechendes Projekt bereits damals, das mittlerweile enorm gewachsen ist. »Sobald Anwälte involviert sind, hat man verloren. Und ich will nicht verlieren«, so Kroah-Hartman wörtlich.

Schließlich wurde auch Linux-Initiator Linus Torvalds auf die Diskussion aufmerksam gemacht. Er schloss sich vollständig Kroah-Hartmans Meinung an und zitierte dessen Ausführungen, die er für sehr gelungen hält, vollständig. Zudem teilte er in der wohl heftigsten Verbalattacke seit langem kräftig aus. Die Argumentation, dass man die GPL vor Gericht durchsetzen müsse, wie sie insbesondere von der SFC vertreten wird, sei eine schlimme eiternde Krankheit. Die SFC und Kuhn seien die sprichwörtliche von Typhus befallene Maria, die die Seuche verbreite.

Wie schon Kroah-Hartman erwähnte, waren die Busybox-Klagen zwar ein juristischer Erfolg, ansonsten aber ein Desaster. Auch die Busybox-Entwickler selbst seien unzufrieden mit dem Ergebnis. Nur »Rechtsanwälte und andere Verrückte« seien zufriedengestellt worden. Laut Torvalds muss mit dem Bullshit Schluss gemacht werden, und deshalb sollte auf dem Kernel-Summit dringend darüber diskutiert werden. Juristen und die SFC sind von der Besprechung allerdings ausdrücklich ausgeschlossen, es sei denn, sie seien gleichzeitig auch Kernel-Entwickler.

Für Torvalds wie auch für Kroah-Hartman ist entscheidend, dass man die Firmen für Linux gewinnen kann. Dann kann man auf die Beendigung der Lizenzverletzungen hinwirken und künftige Beiträge in den Kernel aufnehmen. Bedeutungslos sei es dagegen, nachträglich den Code für bereits veröffentlichte Produkte zu bekommen. Dieser sei veraltet und könne nicht sinnvoll in den Kernel aufgenommen werden. Auf den Einwand diverser Schreiber, dass dieser Code einen Nutzen für die Anwender habe, die ihr Gerät aufwerten oder von Fehlern befreien wollen, schreibt Torvalds, dass dieser Nutzen zu gering sei in Relation zum Schaden, der verursacht werde. Meist handle es sich um Geräte, die bereits nicht mehr produziert und gepflegt werden. »Diese Firmen haben ein Produkt auf den Markt geworfen und kümmern sich nicht mehr darum, weil sie bereits zum nächsten Produkt übergegangen sind«, so Torvalds.

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