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Mo, 26. September 2016, 17:56

Gemeinschaft::Organisationen

Libreboot will GNU-Projekt wieder verlassen

Kaum vier Monate nach dem Beitritt zum GNU-Projekt will Libreboot wieder hinaus. Laut Auffassung der Projektleiterin hat die FSF eine transsexuelle Person diskriminiert, daher will sie mit GNU und der FSF nicht mehr verbunden sein.

Victor Siame

Libreboot ist ein auf Coreboot aufbauendes Projekt, das freie Firmware für ausgewählte Rechner bereitstellt, um die Verwendung des proprietären BIOS oder UEFI-BIOS zu vermeiden. Während Coreboot proprietäre Binärdateien der Hersteller nutzt, wo es nötig ist, entfernt Libreboot diese und versucht, sie durch freie Alternativen zu ersetzen.

Libreboot versteht sich als Seitenprojekt von Coreboot, das für Hardware, die dies erlaubt, ein komplett freies BIOS anbietet. Beide Projekte konkurrieren nicht miteinander, sondern arbeiten zusammen. Das gemeinsame Ziel ist, mehr Hardware ohne binäre, geschlossene Anteile in BIOS und Bootloader zu ermöglichen. Da kooperierende Hersteller bisher Mangelware sind, gibt es entsprechend auch erst wenige unterstützte Geräte.

Im Mai wurde Libreboot zu einem GNU-Projekt. Doch nun, nach nur vier Monaten, gibt es ein Zerwürfnis mit der Dachorganisation. Projektleiterin Leah Rowe kündigte einseitig an, dass Libreboot kein GNU-Projekt mehr sei. Die FSF habe eine Person wegen ihrer transsexuellen Orientierung entlassen und damit diskriminiert. In weiteren Mails forderte sie die Löschung ihrer Accounts bei GNU.

Sowohl Richard Stallman als auch die FSF widersprechen Rowes Darstellung. Die Entlassung habe es tatsächlich gegeben, aber nichts mit der Transsexualität der Person zu tun. Weitere Aussagen werde es von Seiten der FSF nicht geben.

GNU und FSF sehen offenbar keinen Anlass, den Forderungen zu entsprechen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass es bisher keinen Präzedenzfall für den Austritt eines Projekts gibt. Die Mitarbeiter an einem Projekt können wechseln, für das Projekt selbst ist aber wohl vorgesehen, dass es für immer bei GNU bleibt. Daher legten führende GNU-Vertreter Rowe nahe, von der Projektleitung zurückzutreten. Dann könnte sie ihr eigenes Projekt als Fork irgendwo weiterbetreiben, während GNU nach einem neuen Projektleiter für Libreboot sucht. Das geht aus E-Mails aus der privaten GNU-Liste hervor, mit deren Veröffentlichung Rowe wohl Druck ausüben will.

Ob man von Rowe noch einmal hören wird, bleibt abzuwarten. Auf Unterstützung kann sie, insbesondere innerhalb von GNU und FSF, nicht hoffen. Der wahrscheinlichste Ausgang der Geschichte wird sein, dass ihr alle Rechte an ihrem Projekt entzogen werden und sie von den meisten Entwicklern in Zukunft ignoriert wird.

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