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Di, 15. August 2017, 12:00

Software::Desktop::Gnome

20 Jahre Gnome

Genau 20 Jahre ist es heute her, dass die Entwickler Miguel de Icaza und Federico Mena das Gnome-Projekt ins Leben riefen.

Gnome 1 und GNUstep unter Red Hat 6.2

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Gnome 1 und GNUstep unter Red Hat 6.2

Die Initiatoren von Gnome wollten einen Gegenpol zu KDE mit einer komplett freien Umgebung schaffen. Denn nachdem KDE aus der Idee geboren wurde, ein besseres CDE zu werden, hatte es mit einem Problem zu kämpfen. Die als Grundlage ausgewählte Bibliothek Qt war zwar quelloffen, aber keine freie Software, und wurde daher von vielen Entwicklern, aber auch Distributoren abgelehnt. Wie der Gründer von Gnome, Miguel de Icaza, in seiner am 15. August 1997 versandten E-Mail schrieb, war das primäre Ziel des Projekts, auf ein Toolkit zu setzen, das komplett frei war und lizenztechnisch unbedenklich verteilt werden konnte. Er entschied sich deshalb für das bei Gimp entwickelte GTK+, das bis dahin von keinem anderen Projekt als Gimp verwendet worden war.

Es sollten fast zwei Jahre vergehen, bis Gnome 1.0 erreicht war. Doch diese Version sowie auch die Nachfolger Gnome 1.2 und Gnome 1.4 waren im Rückblick mit zahlreichen Problemen behaftet. Nach der ersten Euphorie liefen Gnome die Benutzer weg, und das Projekt stand kurz davor, aus vielen Distributionen entfernt zu werden. KDE erschien übermächtig, zumal die Qt-Bibliothek für Linux seit dem Jahr 2000 unter einer freien Lizenz stand. Die letzte Version von Gnome 1.x enthielt bereits den Dateimanager Nautilus, der damals auch als Webbrowser fungierte, und den Window-Manager Sawfish, der allerdings überaus komplex war und für zahlreiche Fehlerberichte sorgte.

In dieser Situation zog das Projekt die Notbremse. Die am 27. Juni 2002 veröffentlichte Version 2.0 nutzte die zweite Version der GTK-Bibliothek (GTK+ 2) und integrierte ein neues Konfigurationssystem. Zu den weiteren Neuerungen gehörten ein vollständiges Anitaliasing, massive Verbesserungen der GUI sowie eine durchgängige Internationalisierung. Besonderes Augenmerk legten die Entwickler nach damaligen Angaben auf verbessserte APIs, die eine Einbindung von eigenen Anwendungen noch leichter ermöglichen sollen. Zugleich wurden viele Teile des Desktops signifikant vereinfacht, was vor allem der besseren Wartung dienen sollte. Es erhoben sich laute Proteststürme der Anwender, die Konfigurationsoptionen und Funktionen vermissten, doch nachdem das Projekt zu halbjährlichen Veröffentlichungen überging, die jedes Mal neben Modernisierungen auch den Funktionsumfang und die Konfigurierbarkeit erweiterten, mauserte sich Gnome 2 letztlich zu einer beliebten und erfolgreichen Desktopumgebung, die von vielen Distributionen als Standard vorgegeben wurde.

Doch der Zahn der Zeit nagte an GTK+, es musste eine neue Version her, wie schon 2008 erkannt wurde. Bis dahin sollte allerdings noch viel Zeit vergehen, so dass im September 2010 Gnome 2.32 als letzte Version von Gnome 2 erschien und im April 2011 endlich Gnome 3.0. Schon im Vorfeld hatte es zahlreiche Diskussionen gegeben, und als Gnome 3.0 schließlich erschien, erhoben sich laute Proteststürme der Anwender, die feststellen mussten, dass wieder zahlreiche Konfigurationsoptionen und Funktionen gestrichen worden waren. Die Geschichte wiederholt sich offenbar, zumindest für die, die nicht aus ihr lernen wollen.

Fotostrecke: 4 Bilder

Gnome 1 und GNUstep unter Red Hat 6.2
Gnome 2 im Bluecurve Look
Gnome-Shell mit Starter und Suche 2012
Gnome 3.24
Auch Gnome 3 machte eine Entwicklung durch, die im Laufe der Zeit zu mehr Optionen und Funktionen führten. Die Entwicklung geht stetig im Halbjahresrhythmus voran, so dass es Gnome bis dato auf 33 stabile Ausgaben brachte, zuletzt Gnome 3.24 im März. Trotz diverser Querelen und Abspaltungen ist Gnome gleichauf mit KDE der beliebteste Desktop unter Linux, was für seine gute Benutzbarkeit spricht.

Offiziell gefeiert wurde der 20. Geburtstag von Gnome bereits auf der Gnome-Konferenz GUADEC Ende Juli in Manchester. Weitere Geburtstagspartys sind weltweit an einigen Orten geplant.

Durch seinen Erfolg wurde Gnome auch zum Ausgangsprojekt einiger Abspaltungen. Während Gnome 2 nur noch in einigen sehr alten oder langlebigen Distributionen zu finden ist, hat sich eine Abspaltung von Gnome 2 unter dem Namen Mate prächtig entwickelt. Das Projekt hat den geringen Ressourenbedarf und das Aussehen von Gnome 2 konserviert und zugleich die nötige Modernisierung eingeleitet. Eine andere Abspaltung ist Cinnamon der Linux-Distribution Linux Mint. Zudem nutzen einige andere Desktopumgebungen wie Xfce oder LXDE Komponenten von Gnome. Zum 20. Geburtstag wurde eine eigene Geburtstagsseite mit einer ausführlichen Historie, Fotos und Trivia zu Gnome eingerichtet.

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