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Mo, 28. August 2017, 14:18

Gesellschaft::Politik/Recht

Patrick McHardy: GPL-Durchsetzung zur persönlichen Bereicherung

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet verfolgt der ehemalige Kernel-Entwickler Patrick McHardy GPL-Verletzungen auf eigene Faust und bezieht womöglich sein ganzes Einkommen daraus. Ein Beitrag auf Opensource.com beleuchtet sein Vorgehen genauer.

Mirko Lindner

Heather Meeker, eine auf freie Lizenzen spezialisierte Rechtsanwältin, beschreibt in einem Beitrag auf Opensource.com, was über das Vorgehen von Patrick McHardy bekannt ist und wie Betroffene reagieren sollten.

Patrick McHardy ist ein ehemaliger Kernel-Entwickler, der im Netfilter-Team aktiv war und unter anderem nftables maßgeblich entwickelt hat. Vor einiger Zeit begann er, auf eigene Faust gegen GPL-Verletzungen vorzugehen. Der Linux-Kernel ist das bedeutendste Projekt, das von GPL-Verletzungen betroffen ist. Unternehmen, die den Kernel mit Modifikationen versehen und in ein Produkt stecken, versäumen es oft, den Quellcode aller Modifikationen zu veröffentlichen. Diese GPL-Verletzung enthält den Benutzern nützliche Treiber und Modifikationen vor, die auch von allgemeinem Interesse sein könnten.

Seinen anteiligen Copyright am Kernel nutzt McHardy, um GPL-Verletzern mit Klagen oder einstweiligen Verfügungen zu drohen. Es scheint so, als sei er gar nicht interessiert daran, dass die Unternehmen zur GPL konform werden. Stattdessen ermöglicht er es Unternehmen, sich gegen eine Schadensersatzzahlung von weiteren Maßnahmen von ihm freizukaufen.

Die Software Freedom Conservancy hatte McHardy schon vor einem Jahr heftig kritisiert. Das wichtigste Ziel bei der Verfolgung von GPL-Verletzungen soll sein, dass die Einhaltung der Bedingungen der GPL durchgesetzt wird. Auch wenn zusätzlich eine finanzielle Wiedergutmachung oder Spende verlangt wird, ist diese für die Software Freedom Conservancy (SFC) eher symbolischer Natur und deckt in der Regel nicht die Kosten der GPL-Durchsetzung.

Zusammen mit anderen Personen und Organisationen, die bei der GPL-Durchsetzung aktiv waren, vor allem mit der FSF und gpl-violations.org, hatte die SFC Prinzipien aufgestellt, wie die GPL im Sinne der Gemeinschaft durchgesetzt werden sollte. Sie hat sich zusammen mit den anderen Organisationen zu deren Einhaltung verpflichtet. In diesen Prinzipien wird betont, dass die Wiederherstellung der Konformität zur GPL das wichtigste Ziel ist. Rechtliche Schritte werden nur als letztes Mittel eingeleitet. Die Fälle werden diskret und vertraulich behandelt. Finanzieller Gewinn darf keine Priorität sein, was nochmals explizit klargestellt wird. Aus einer GPL-Verletzung darf man sich auch nicht freikaufen - die Wiederherstellung der Konformität zur GPL ist verpflichtend.

Nachdem auch das Netfilter-Team sich diese Prinzipien zu eigen gemacht hatte, McHardy aber jeden Kontaktversuch und jede Kooperation ablehnte, wurde er aus dem Netfilter-Team hinausgeworfen.

Die SFC gab vor einem Jahr an, wenig über das Vorgehen McHardys zu wissen, außer dass er meist in Deutschland aktiv werde. Dies ist nach Informationen von Heather Meeker korrekt. Als Grund vermutet sie die in Deutschland günstigere Gesetzeslage für Copyright-Inhaber. Sie vergleicht diverse rechtliche Instrumente von Deutschland und den USA. Sie analysiert zudem, welche Beiträge McHardy zum Kernel geleistet hat. Demnach war er vor allem von 2006-2008 und 2012 aktiv. 135 Dateien, hauptsächlich im Netfilter-Subsystem, tragen seinen Copyright-Vermerk. In ungefähr 45 davon hat er wohl mehr als die Hälfte des Codes geschrieben. Im Einzelnen ist es schwer zu ermitteln, welche Zeile von welchem Autor stammt. Welche Rechte ein Autor tatsächlich hält, ist somit schwer zu sagen, wie bereits Christoph Hellwig im GPL-Prozess gegen VMware zu spüren bekam.

McHardys Vorgehen wird von einem großen Teil der freien Software-Gemeinschaft abgelehnt, ist aber schwerlich ganz zu stoppen. Um sich zu schützen, wäre die naheliegendste Maßnahme, erst gar nicht gegen die GPL zu verstoßen und mit der Gemeinschaft zusammenzuarbeiten. Auf keinen Fall sollten Betroffene etwas unterschreiben, ohne zuvor mit einem Anwalt zu sprechen. Außerdem sollten sie die Sache öffentlich machen, sofern möglich.

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