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So, 25. November 2001, 16:23

Software::Grafik

Gimp-Print Release 4.2 verspricht Photo-Qualität für viele Tintenstrahler

Das Gimp-Print-Projekt hat jetzt durch Robert Kravitz, den verantwortlichen Entwickler, die "stabile" Version 4.2 seines Treiber-Packets freigegeben. Gimp-Print steht unter der GPL und kann viele Farb-Tintenstrahler unter Linux und einer Reihe von Unix-Betriebssystemen zu Foto-Qualität treiben.

Vorausgegangen ist ein Entwicklungszylus von ca. 20 Releases des "unstable" 4.1.x-Zweiges. In dessen Verlauf sind viele neuen Funktionen und Features hinzugekommen. Gimp-Print 4.2 (und nachfolgende Patch-Versionen) lösen damit die Reihe 4.0.x ab. Die Arbeit an 4.3 fängt sofort an (während gleichzeitig die 4.2 Reihe weitergepflegt wird). Ein Upgrade ist unter allen Umständen empfehlenswert.

Einer der Fortschritte besteht in einem stark verbesserten und vereinfachten Installations-Ablauf für eine Vielzahl von Plattformen. Der Drei-Schritt "./configure", "make" und "make install" sollte überall problemlos funktionieren, falls man die Vorkehrungen laut "README"-Datei getroffen hat.

Universelle Treiber-Software

Erstmals werden in dieser Release eine Reihe von Lexmark-Drucker unterstützt. Die Farbwiedergabe ist auf allen Geräten stark verbessert und erreicht vor allem bei den Epson- den meisten HP-Modellen und ohne weiteres Foto-Qualität.

Gimp-Print ist, vereinfacht gesagt, ein Universal-Treiber für eine Vielzahl von Schwarzweiss- und vor allem Farbdrucker verschiedener Hersteller. Es hat inzwischen einen Umfang erreicht, der weit über das hinausgeht, was der Name suggeriert. Denn sein Quellcode kann auf verschiedene Weisen kompiliert werden, um seine Funktionen in einer Reihe von Umgebungen in fast identischem Umfang zur Verfügung zu stellen, gesteuert von den "configure"-Optionen:

  • "./configure --enable-libgimpprint" bereitet die spätere Installation einer Funktions-Bibliothek vor, die auch anderen Programmen als Gimp den Zugriff auf seine Rasterungs- und Renderfähigkeiten bietet, sofern sie kompatibel zu dem POSIX-Standard sind;

  • "./configure --with-cups" generiert im "make" Schritt einen komplett integrierten generischen CUPS-Treiber (CUPS = Common UNIX Printing System), der über insgesamt 131 miterzeugte PPDs mindestens dieselbe Anzahl von Druckermodellen unterstützt;

  • "./configure --with-ghost" präpariert den Gimp-Print-Quellcode so, dass er in die aktuellen Ghostscript-Sourcen übernommen werden kann, woraus nach einer Ghostscript-Neukompilierung dann der sogenannte "stp"-Filter entsteht, der seinen Dienst dann innerhalb des Ghostscript-Frameworks verrichtet und ebenfalls alle Gimp-Print-Funktionen zur Verfügung stellt;

  • "./configure --with-gimp" veranlasst die Erzeugung der 4.2er-Version des Print-Plugins für den Gimp, der sich für alle Gimp-Anwender lohnt (unabhängig von dem verwendeten Spooling-System), die ihre Grafiken nicht nur am Bildschirm betrachten oder ins Web stellen, sondern auch drucken möchten.

Weitere Möglichkeiten bei der Konfiguration ergeben "Foomatic"-Dateien ("--with foomatic"), diverse Testprogramme ("--enable-test"), ein Test-Farbverlaufsmuster ("--with-testpattern"), ein Füllstands-Abfrage-, Kopf-Reinigungs- und Kopf-Justage-Programm für Epson-Drucker ("--with-escputil") und anderes.

Die Konfigurationsschalter lassen sich beliebig kombinieren -- allerdings sind "--with-cups" oder "--with-foomatic" nur dann sinnvoll, wenn man die entsprechenden Programme bereits zuvor installiert hat und verwendet. Per Default sind bereits die Optionen für das Print-Plugin und für die Library aktiv (man könnte sie mit "--with-gimp=no" abwählen, falls man nicht daran interessiert ist...).

Viele unterstützte Drucker

Die Ghostscript-Entwickler haben bereits angekündigt, den Gimp-Print Code in eine ihrer nächsten Releases einfliessen zu lassen, so dass es Endbenutzern und Packagern der verschiedenen Distributionen keine Mühe mehr machen dürfte, den Gimp-Print stp-Treiber "selbst" einzubauen. (SuSE z.B. hatte Gimp-Print trotz verschiedener Hinweise, Nachfragen und Bitten bisher immer "vergessen" -- oder einfach für zu unwichtig empfunden, als dass eine aktuelle Version beigepackt worden wäre).

Gimp-Print hat einen weiten Weg zurückgelegt. Es wurde ursprünglich von demselben Michael Sweet ins Leben gerufen, der sich später der Entwicklung von CUPS zuwandte. Auch in seiner Ursprungsfunktion als Print-Plugin hat es sich ziemlich "gamausert": das User-Interface ist um einiges übersichtlicher geworden, "Tooltips" tragen zu einer leichteren Bedienbarkeit bei, es ist jetzt ein Benutzerhandbuch (HTML, PDF und PS) beigelegt ebenso wie eine ausführliche Entwickler-Dokumentation, es gibt Übersetzungen in verschiedene Sprachen (dänisch, französisch, norwegisch, schwedisch, polnisch, englisch) usw.

Ein README listet insgesamt 131 Drucker mit ihrer Modell-Bezeichnung explizit als "unterstützt" auf. Allerdings kann man mit Gimp-Print noch einige weitere Modelle antreiben (über ihren Emulationsmodus, oder weil sie als Nachfolge-Modell mit den "alten" Treibereinstellungen funktionieren, jedoch noch nicht ausdrücklich gelistet sind, oder weil der Hersteller ein "aufgerüstetes" Modell unter neuer Bezeichnung verkauft). Die (alte) Zählung auf www.linuxprinting.org listet gar 294 durch Gimp-Print unterstützte Modelle auf.

Umfangreiche Einstellmöglichkeiten

Ob als Library, ob als nativer CUPS-Treiber, ob als Gimp-Print-Plugin oder ob als ghostscript-Filter: die umfangreichen Einstellmöglichkeiten für das "Dithering" durch Gimp-Print sind überall gleich. Es gibt Parameter (oder in den grafischen Benutzeroberflächen Schieberegler) für:

  • den Cyan-Farbkanal
  • den Magenta-Farbkanal
  • den Yellow-Farbkanal
  • den Kontrast
  • die Helligkeit
  • die Druckdichte
  • die Gamma-Korrektur
  • die Farbsättigung

Weiters können Vorgaben für Farb-, Grau- oder Schwarz-Weiss-Output gemacht werden, sowie die Druckqualität über die Anwahl des entsprechenden Papiers (von "Normal" bis herstellerspezifischen "Premium Photo Glossy Luster Paper"), der Auflösung (je nach Modell bis 2880 x 1440 dpi), der Druckdatei-Charakteristik (von "Liniengrafik" über "Solid Colors" bis hin zu "Photograf") und des Dithering-Algorithmus ("Very Fast" über "Ordered" bis "Adptive Hybrid") beeinflusst werden.

Zu beachten ist, dass die Ausnutzung all dieser Druckoptionen innerhalb des klassischen LPD/ghostscript-Rahmens zwar nicht unmöglich, aber mit erhablichem Installations-, Konfugurations- und Kommandozeilen-Aufwand verbunden ist. Wer es probieren will, sollte sich mit "Foomatic" beschäftigen. Alle anderen werden den um ein vielfaches leichteren Einstieg in CUPS bevorzugen, falls sie nicht längst umgestiegen sind. Auch innerhalb von KDE wird man derzeit mit CUPS am weitesten kommen, wenn man anspruchsvolle Drucke verwirklichen will.

Persönliche Erfahrungen

Manche Benutzer berichten, dass für ihre Modelle die Default-Einstellungen noch nicht optimal sind, und sie ein wenig herumprobieren müssen, bis alle Parameter so gesetzt sind, dass sie mit dem Druckergebnis zufrieden sind. Andere sind regelrecht begeistert über die Einstellmöglichkeiten, die oftmals über das hinausgehen, was der entsprechende Windows-Treiber des Herstellers bietet, und mit dem sie eine bessere Fotoqualität erreichen können als unter den diversen MS-Betriebssystemen.

Ich persönlich besitze keinen Tintenstrahl-Drucker. Jedoch konnte ich auf einer Linux-Installparty neulich einen HP-PhotoSmart P1218 benutzen; dieser ist noch nicht mal in der Final-Release 4.2 als unterstützten Modellen aufgeführt, druckte jedoch mittels der in der Vorabversion 4.1.99a1 enthaltenen Gimp-Print-CUPS-PPD für das Modell PhotoSmart P1000 auf Anhieb vorzügliche Digitalphotos von einem "treiberlosen" CUPS-Client aus, der sich Zugriff auf die Treiberfunktion eines CUPS-Servers über das "CUPS-Browsing" verschaffte. Ein mir zu Testzwecken von Epson zur Verfügung gestellter "Stylus Photo 895" druckt phantastische Farbbilder sogar unter Einsatz des "Roll Feed"-Mechanismus. Diese Papierzufuhr für Photo-Hochglanzpapier von einer 8 Meter langen Rolle wird vom Gimp-Print-Treiber ebenfalls unterstützt.

Die grössten Schwächen hat Gimp-Print derzeit noch bei den meisten Canon-Druckern. Hier zeigt sich, dass dieser Hersteller in der Vergangenheit nicht besonders grosszügig mit Informationen oder Testgeräten für die Treiberentwickler war. Ob sich das jetzt ändert, wo die "Konkurrenz" praktisch kostenlos auf einen existierenden hochqualitativen "Linux"-Treiber verweisen kann? Vielleicht hilft es auch, wenn Besitzer solcher Geräte mal eine mehr oder weniger freundliche e-Mail an die entsprechende Marketing-Abteilung schreiben?

Links:

http://gimp-print.sourceforge.net/

http://www.linuxprinting.org/driver_list.cgi

http://www.linuxprinting.org/show_driver.cgi?driver=gimp-print

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Kommentare (Insgesamt: 46 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re: Re: Gimp-Print Release 4.2 verspricht Photo-Qu (ex-Anonymous, Mo, 26. November 2001)
Re: Re: Gimp-Print Release 4.2 verspricht Photo-Qu (Kurt Pfeifle, Mo, 26. November 2001)
Re: Re: Gimp-Print Release 4.2 verspricht Photo-Qu (ex-Anonymous, Mo, 26. November 2001)
Re: Re: Gimp-Print Release 4.2 verspricht Photo-Qu (Kurt Pfeifle, Mo, 26. November 2001)
Re: Gimp-Print Release 4.2 verspricht Photo-Qualit (ex-Anonymous, Mo, 26. November 2001)
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