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Sa, 27. Juli 2002, 20:40

Hunzinger: Schlechte PR für Linux

Wie umfassend die Lobbyarbeit Hunzingers war und wie der Frankfurter PR-Unternehmer Microsoft beim Einzug in den Bundestag zur Hand ging, beschreibt »DIE WELT« in ihrer Online-Ausgabe.

Nach einem Bericht der Welt ließ sich die deutsche Niederlassung von Microsoft ihre Lobby-Arbeit des Frankfurter PR-Unternehmers gegen Linux eine siebenstellige DM-Summe kosten. Der nach Angaben der Zeitung »Feldzug« wurde erst nach Bekanntwerden der Affäre um Ex-Verteidigungsminister Scharping eingestellt und mit einer Beendigung der Zusammenarbeit zwischen Microsoft Deutschland und der Hunzinger Public Relations GmbH besiegelt. Eine Microsoft-Sprecherin bestritt gegenüber DER WELT, dass die aktuellen Schlagzeilen über den Frankfurter PR-Berater Einfluss auf die Entscheidung des Konzerns ausgeübt hätten.

Nach dem Terroranschlag vom 11. September fing die Hunzinger Public Relations GmbH mit einer Lobbyarbeit gegen das freie Betriebssystem an. Dabei wurde vor allem das erhöhte Risiko durch eine quelloffene Architektur, gegen Linux verwendet. Wie ein Schreiben der Berliner Dependance der Hunzinger PR an die Büros der Bundestagsabgeordneten belegt, sei es nach Meinung der Verfasser »nicht auszuschließen, dass die nächsten terroristischen Anschläge über die Manipulation von Computersystemen erfolgen könnten«. »Das erfordert eine erhöhte Sicherheit der Systeme. Es stellt sich hierbei die Frage, ob langfristig ein freier Quellcode wie der von Linux sicherer ist als der lizenzierte von Microsoft«, zitiert DIE WELT aus einem Schreiben von Astrid Aupperle, Leiterin von Hunzingers Berliner Hauptstadtbüro am 12. Dezember 2001. Unter Berufung auf den Terroranschlag bietet Aupperle den Abgeordneten ein Hintergrundgespräch mit dem Chef der deutschen Microsoft-Niederlassung, Kurt Sibold, an. Microsoft sei das Schreiben nicht bekannt.

Bereits im November 2001 versendete das Unternehmen Hunzinger Einladungen zu einem Workshop im Gebäude der DG Bank am Brandenburger Tor an die Büros der Bundestagsabgeordneten. Der deutsche Microsoft-Chef referierte persönlich über die Computerrevolution. »Konkurrent Linux befand sich demnach auf dem absteigenden Ast, wie sich Teilnehmer erinnern, die mit Wachtelbrust und Rotwein bewirtet wurden«, so DIE WELT.

Wie die Zeitung zu berichten weiß, stieß die PR-Arbeit bei einigen »Vertretern des Volkes« auf offene Ohren. »Ob wir für Linux die Lokomotive spielen sollen, möchte ich infrage stellen«, ließ der medienpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Joachim Otto aus Frankfurt, verlautbaren. »Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Eckart von Klaeden, hielt Microsoft für den besseren Anbieter«, schreibt DIE WELT. »Der CDU-Politiker, der von Hunzinger in einem Schreiben mit "Lieber Ecki" angeredet wird, entschied wie Otto in der Kommission "Information und Kommunikation" des Ältestenrates im Bundestag über die Anschaffung von Microsoft oder Linux.«

Gegenüber der Zeitung versicherte Hunzinger, er sei an keiner der Veranstaltungen präsent gewesen. Auch von Klaeden beteuert: »Herr Hunzinger hat in keiner unseriösen Weise versucht, auf meine Entscheidung einzuwirken«. Von Klaeden hätte demnach von Hunzinger weder ein ein Honorar noch eine Spende erhalten. Er bestreite aber nicht, auf einer der Microsoft-Veranstaltung gewesen zu sein. Wie sein CDU/CSU Kollege habe auch der FDP-Abgeordnete Otto die on Microsoft organisierten Veranstaltungen besucht. Die Entscheidung gegen Linux fiel aber aufgrund eines »neutralen Gutachtens«. (Danke an Christian Stamitz für seinen Hinweis.)

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