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Sa, 8. März 2003, 17:59

Unternehmen

Erste Reaktionen auf SCO-Klage

Nachdem die SCO Group ihre Klageschrift gegen IBM vorgelegt hat, dürfte klar sein, daß die Klage der Firma keinerlei Substanz aufzuweisen hat.

Wer sich den vollen Text der Klageschrift ( Links auf die Anhänge) ersparen will, kann sich seinen Lachkrampf auch bei der hervorragenden Zusammenfassung von Linux Weekly News holen.

Grob gesagt glaubt SCO, daß es Linux ohne heimliche Hilfe von IBM, unter Preisgabe von geistigem Eigentum, das IBM von SCO lizenziert hat, nie so weit hätte bringen können. Dies wird jedoch nicht belegt und kann auch niemals belegt werden, denn dies müßte sich im Quellcode wiederspiegeln. Dieser ist aber bis zurück zum Anfang des Jahres 1992 lückenlos verfügbar. Selbst jetzt hält SCO ihr Sammelsurium von rückständigen UNIX-Systemen noch für besser als Linux - dabei ließe sich eher belegen, daß Linux seit 1996 in jeder Beziehung besser als UnixWare und OpenServer ist. Und 1996 war lange, bevor IBM sich bei Linux engagierte.

SCO hat keinerlei rechtliche Ansprüche: die UNIX betreffenden Patente sind längst abgelaufen, und die grundlegenden Konzepte sind öffentlich und wurden Millionen von Studenten gelehrt. Auch die einschlägigen Standards wie POSIX sind selbstverständlich öffentlich und erlauben jedem, der es angehen will, eine Implementierung.

Auch IBM hat eine erste Reaktion auf die Klage verlautbaren lassen. IBM-Sprecher Joe Stunkard sagte, man habe zwar noch keine Zeit gehabt, das Dokument eingehend zu studieren, doch sei es offenbar voll von haltlosen Behauptungen ohne jede Fakten. Die Behauptung von SCO, man habe bereits früher IBM kontaktiert, ist offenbar eine Lüge: »Weder SCO noch seine Vorgänger haben je ihre Bedenken an uns herangetragen«, sagte Stunkard.

Die Aktion von SCO sieht nach einem letzten Strohhalm aus, den eine kurz vor dem Bankrott stehende Firma ergreifen will. Für viele Beobachter ist klar: SCO will aufgekauft werden. Vielleicht spekulierte man sogar darauf, daß IBM zuschlagen wolle, um sich das geistige Eigentum zu sichern, daß vielleicht Microsoft ebenfalls Interesse zeigen werde, und daß sich die Interessenten einen Preiskampf liefern würden. Ob jemand diesen Köder schlucken wird, ist jedoch fraglich.

Was die SCO Group auf jeden Fall erreicht hat, ist, sich vollständig zu isolieren. Gegenüber LinuxToday verkündete der Chef von SuSE, Richard Seibt, daß die Firma ihre Beziehungen zur SCO Group (das bedeutet, die Vereinbarungen bezüglich UnitedLinux) »überdenken« werde. SCO habe jedes Recht, ihr geistiges Eigentum zu schützen, so Seibt, aber er sei überzeugt, daß Linux nicht davon betroffen sein kann.

Viel wichtiger ist jedoch der Punkt, den der Editor von LWN, Jon Corbet, anspricht. Mit der Unterstellung, die Linux-Entwickler wären ohne massive Hilfe von IBM nicht in der Lage gewesen, das System auf den heutigen Stand zu bringen, zeigt SCO eine deutliche Verachtung der Leistungen der Entwickler. Dies ist eine schwere Beleidigung der Entwickler und wiegt umso schwerer, als SCO selbst mit Linux seine Geschäfte macht.

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