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Di, 11. März 2003, 09:12

Unternehmen

SCO gegen IBM: Klage zieht Kreise

Von einem »Selbstmordversuch« bis hin zu »einer dämlichen Tat« reichen die Stimmen prominenter Vertreter aus der Open-Source-Szene und der Wirtschaft - manch einer Firma scheint aber die Klage nicht ungelegen zu kommen.

Den Anfang stellte eine Ankündigung von SCO dar, sich künftig verstärkt um die Vermarktung und die Einhaltung der 1995 von AT&T erworbenen Rechte an Unix kümmern zu wollen. Kurz danach sollte eine erste Erklärung folgen, daß die SCO Group die Überprüfung der Lizenzansprüche an Linux klären wolle. Der vorläufige Schlusspunkt stellt allerdings eine Klage gegen IBM dar, in der das Unternehmen dem Soft- und Hardware-Riesen diverse Verstöße gegen die unterschriebenen UNIX-Vereinbarungen vorwirft und IBM eine Frist setzt, die aus Sicht von SCO »wettbewerbsverzerrenden« Praktiken umgehend zu beenden. Im Falle einer Missachtung droht der Hersteller, IBM die Lizenz für IBMs AIX zu kündigen. »SCO ist in der Position, das UNIX-Betriebssystem zu besitzen«, so Darl McBride, President und CEO von SCO in einer Konferrenz (Anm. d. Red: Mitschnitt hier zu finden). »Von unserem Standpunkt aus ist IBM ein zwingender Fall für uns. SCO hat mehr als 30.000 Lizenzvereinbarungen zu UNIX, und diese zu erfüllen, ist heute genauso wichtig wie an dem Tag, an dem sie unterschrieben wurden«.

Unterdessen sehen vielen Analysten SCOs Vorstoß als Verzweiflungstat. Das Hauptproblem des Unternehmens sei es, keinen Markterfolg trotz mehrmaliger Neuordnung des Geschäftes erzielt zu haben. Noch vor zwei Jahren feierte das Unternehmen die Übernahme des UNIX-Anbieters Santa Cruz Operation (SCO), doch wie sich herausstellen sollte, erzielte die damalige Caldera International einen Großteil der Umsätze mit den alten SCO-UNIX-Produkten. Eine Umfirmierung stellte nur noch eine Formsache dar.

Nach Eric S. Raymond, der die Klage bereits als »dumm« bezeichnete, meldete sich auch Bruce Perens zu Wort. Nach Meinung des Open-Source-Gurus verhalte sich SCO wie ein Dieb, der mit gestreckter Waffe in den Kampf zieht und sagt »Gib mir Dein Geld, sonst schieße ich.« Ferner will SCO nach Aussage von Perens durch gezielte Desinformation und schwammige Aussagen Unsicherheit, Angst und Zweifel verbreiten. Angesichts der Tatsache, dass SCO keine Chance hat, stellt sich für Perens nur eine Möglichkeit dar - SCO will von IBM in einer Art »Selbstmord« übernommen werden.

Der Vater von Linux, Linus Torvalds, sieht im Vorgehen von SCO ebenfalls eine Verzweiflungstat, um UNIX wieder ins Gespräch zu bringen. Torvalds stellt in den Mittelpunkt der Anklage die Forderung von SCO an IBM, binnen 100 Tagen ihre »wettbewerbsverzerrenden« Praktiken einzustellen. Wenn der Kernel-Hacker SCO wäre und auf IBM schauen würde, wäre es ihm nicht entfallen, dass IBM immer hemmungsloser mit Linux flirtet und AIX immer mehr in den Hintergrund drängt. Folglich hat SCO einfach nur Angst einen ihrer größten UNIX-Abnehmer zu verlieren, so Torvalds.

Währenddessen veranlasst SCOs Vorstoß auch andere große UNIX-Anbieter zum Handeln. Bereits am Freitag kündigten HP und Sun an, dass ihre Produkte weder von SCOs Forderungen betroffen seien, noch ihre Kunden mit HP-UX und Solaris etwas zu befürchten hätten. Beide Unternehmen haben Lizenzen für die eigene UNIX-Palette erworben und glauben nicht, Rechtsstreitigkeiten mit SCO austragen zu müssen. Ferner sind durch den Erwerb entsprechender Lizenzen auch die eigenen Linux-Produkte abgesichert. So sei Sun nach Aussage von John Loiacono, Vice Präsident von Sun's Operating Platforms Gruppe, ein »sicherer Hafen« für alle, die Zweifel an ihrem Anbieter haben und wechseln möchten.

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