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So, 4. Mai 2003, 23:27

Windows 2003 Server schneller als Linux?

Die Marketing-Maschine von Microsoft wird nicht müde, mit manipulierten Benchmarks angebliche Vorteile von Windows gegenüber Linux herauszustellen.

Ein Benchmark von Veritest bescheinigt Windows 2003 Server jetzt eine bis zu 100% höhere Performance als Dateiserver. Dabei kamen Server von HP mit bis zu 8 Intel-CPUs zum Einsatz, auf denen Windows, Red Hat Advanced Server 2.1 und Red Hat Professional 8.1 getestet wurden.

Der Benchmark wurde von Microsoft in Auftrag gegeben, womit das Resultat bereits von Anfang an feststand. Laut Veritest wurden alle Systeme gleichermaßen optimiert. Man habe z.B. eine signifikante Zeit damit verbracht, die optimalen Optionen für Samba herauszufinden. Am Ende seien die Standard-Einstellungen mit kleinen Modifikationen die besten gewesen.

Auch am Kernel bzw. der Registry wurden Tuning-Maßnahmen vorgenommen. Am Ende ergab sich für Windows bei 15 bis 120 Clients je Netzwerk-Segment ein um 66 bis 100% höherer Spitzen-Durchsatz, gemessen in Mbit/s. Hier liegt auch einer der beiden fragwürdigen Punkte des Benchmarks: Was der Spitzen-Durchsatz aussagt, ist nicht erklärt.

Linux skaliert in dem Benchmark von 1 bis 8 Prozessoren absolut linear, Windows scheint jedoch oberhalb von 4 Prozessoren einzubrechen. Der Benchmark zeigt aber auch, daß die Performance von Windows zurückgeht, wenn mehr Clients hinzukommen, und zwar linear. Bei Linux hingegen bleibt sie fast konstant.

Bei dem Benchmark wurde zudem pro Prozessor eine Gigabit-Netzwerkkarte verwendet. Das macht ihn völlig unrealistisch, da keine Netzwerkkarte zu mehr als 12,5% ausgelastet war. Wer würde unnötigerweise so viele Karten einbauen? Veritest band einen IRQ, also im Prinzip eine Netzwerkkarte, an jeweils eine CPU, um damit die Performance zu optimieren. Vielleicht deuten die so gewonnenen Resultate darauf hin, daß in Kernel 2.4 die Verwendung mehrerer Netzwerkkarten mit Performance-Problemen verbunden ist. Falls ja, werden die Entwickler diese Anregung sicher gerne aufgreifen. In einem Benchmark mit einer einzelnen Netzwerkkarte würde aber es Linux sehr wahrscheinlich schaffen, diese zu 100% auszulasten und damit Windows sehr alt aussehen zu lassen.

Somit erinnert dieser Benchmark sehr stark an den Mindcraft-Benchmark von 1999. Eine gute Übersicht über die Geschichte und generelle Anmerkungen zum Wert solcher Benchmarks findet man bei Server World Magazine. Der Grund für den Vorsprung von NT war damals, daß es im verwendeten Kernel 2.2.2 ein Problem bei der Verwendung von mehreren Netzwerkkarten gab. Daher wurden in den Tests statt einer Gigabit-Netzwerkkarte vier 100 Mbit-Netzwerkkarten verwendet. Hätte der geplante spätere Vergleich noch stattgefunden, hätte Linux Windows glatt niedergebügelt. Doch der wurde von Microsoft untersagt.

Einen fairen Vergleich zwischen Linux und Windows wird es ohnehin nicht geben - zumindest nicht offiziell. Denn die Lizenzbedingungen von Windows verbieten ein Veröffentlichen von Benchmark-Ergebnissen ohne Einverständnis von Microsoft. Man sollte vielleicht einmal der Frage nachgehen, ob eine solche Klausel nicht sittenwidrig und damit unwirksam ist. Schließlich hat MS auch nicht bei den Linux-Entwicklern nachgefragt, ob es die Werte von Linux veröffentlichen darf (allerdings gibt es auch kein entsprechendes Verbot in der GPL).

Somit halten wir fest:

  • Linux zeigte in dem Benchmark-Test hervorragende Skalierbarkeit. Herausgestellt wurde aber von dem Tester und Microsoft nur der »gemessene« Spitzenwert des Durchsatzes.
  • Dieser Spitzenwert ist keinesfalls ein Ruhmesblatt, wenn man ihn durch die Anzahl der verwendeten Netzwerkkarten dividiert (12,5% Auslastung). Diese Konfiguration wurde mutmaßlich gewählt, weil die eingesetzten Linux-Kernel mit mehreren Netzwerkkarten schlechter zurecht kommen als mit einer einzigen.
  • Es wurde hier Windows Server 2003 getestet, der gerade erst auf den Markt gekommen ist (für den Benchmark wurde ein Release-Kandidat verwendet). Es ist quasi eine Version 1.0, und wer die Microsoft-Produkte kennt, weiß, daß dies einem Produktstand entspricht, der in Open-Source-Kreisen noch nicht einmal das Attribut »Beta-Qualität« verdient hätte.
  • Der Benchmark versucht offensichtlich, von Kriterien wie Sicherheit und Zuverlässigkeit, in denen Linux klar besser ist, abzulenken.
  • Auch die Tatsache, daß Microsoft alle Mittel anwendet, um eine Knebelung an die eigenen Produkte zu erreichen, muß bei einer Entscheidung für oder gegen Windows berücksichtigt werden.

(Dank an Alexander Letzas.)

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