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Do, 22. Mai 2003, 23:59

»Schlacht um Computer-System Linux«

Aktuelle Themen aus dem Linux-Umfeld scheinen immer mehr auch nicht techniklastigen Magazine und Zeitungen zu interessieren - selten war das freie Betriebssystem Linux dank SCO und München so oft in den Medien präsent.

Es soll eine Schlacht um Linux geben, glaubt man der Deutschen Presseagentur (dpa) und dem Stern. Es geht um Geld und um die Ehre. Angefangen hat der Kampf Anfang März, als das kleine Softwareunternehmen SCO Group IBM auf eine Milliarde US-Dollar Schadensersatz verklagte. Was Anfangs eher als Lachnummer abgestempelt wurde, ist nach Meinung der Agentur nun zu einem Kampf der Philosophien geworden und eskaliert. Als Microsoft Mitte Mai die SCO-Technologie lizenzierte, stand nun auch der vorläufige Gewinner fest: SCO. »Die SCO-Aktie schoss um 70 Prozent in die Höhe, da erstmals ein großer Player den umstrittenen Anspruch von SCO anerkannt hatte«, so die dpa. Da stellt sich natürlich die Frage, ob »SCO einen Stellvertreterkampf für Microsoft« führt? (Handelsblatt) Dafür spricht ein von KSL Television & Radio publizierter Artikel, wonach SCO alle Microsoft belastenden Archive aus der Zeit des Antitrust-Prozesses schlicht verschwinden lässt. 937 Boxen mit Akten, die seit dem Prozess gelagert worden sind, seien zerstört worden. Ca. 40 Boxen sind vorübergehend von Sun »beschlagnahmt worden«, die sie in ihrer eigenen Klage gut gebrauchen können.

Laut dem Handelsblatt hat das Redmonder Unternehmen es immer wieder verstanden, die ungeliebte Konkurrenz vom Markt zu drängen. »So steht zu befürchten, dass auch die nächste Schlacht zugunsten der finanzkräftigen Company des Milliardärs Bill Gates ausgehen wird - der Kampf gegen das Betriebssystem Linux«, so das Blatt. »In einer firmenintenen Mail wurden die Microsoft-Mitarbeiter aufgefordert, beim Preis so lange nachzugeben, bis Linux für den Kunden kein Thema mehr sei. Jüngstes Beispiel: Die Stadtverwaltung von München, um die sich Steve Ballmer dann gleich persönlich gekümmert hat. Bröckelt da etwa die in rund 30 Jahren aufgebaute Macht von Gates & Co.?«

Keinesfalls, sagt die Financial Times Deutschland, obgleich das Blatt im Erwerb der UNIX-Lizenz einen Angriff auf Linux sieht und Microsoft im »Kampf gegen das Open-Source-Betriebssystem Linux offenbar einen neuen Hebel gefunden hat«. Doch es sollte anders kommen, denn München wurde nach Meinung vieler Beobachter von Microsoft »einfach gekauft« (SPIEGEL). »Gates kauft München« tituliert auch das Manager-Magazin, das sich bereits über »EU auf Schmusekurs mit Microsoft und Co.« beschwerte, und verweist auf einen Spezialfonds, um Preiskriege gegen die Konkurrenz zu finanzieren. »Das Unternehmen will damit offenbar vor allem verhindern, dass Linux als Server-Software weitere Anhänger gewinnt«, so das Magazin. So hätte die Entscheidung einen Symbolcharakter für die deutschlandweit anstehende Ausrüstung von kommunalen Verwaltungen mit moderner Computertechnik. Linux hat laut FTD »die Schlacht aber noch nicht verloren«.

Entschieden ist noch nichts. Den endgültigen Beschluss soll der Stadtrat am 28. Mai fällen. Bis dahin soll die Linux-Fraktion laut der FTD noch ein Gegenangebot vorlegen können. Ob Microsoft diesem Treiben allerdings tatenlos zusehen wird, ist genauso fraglich wie die Frage vieler Beobachter, ob das Unternehmen in der Schlacht zwischen Linux und IBM auf der einen und SCO auf der anderen Seite mitmischt und welche Rolle die Redmonder dabei spielen.

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