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Do, 3. Juli 2003, 22:36

Kritik an VSI-Studie

Die Kritik nimmt zu an der Studie des Verbandes der Software-Industrie (VSI), die die Benutzer freier Software vor angeblicher Rechtsunsicherheit warnt.

Nach dem österreichischen Verein zur Förderung Freier Software (FFS) haben nun auch der deutsche Linux-Verband (LIVE) und die Free Software Foundation Europe (FSFE) die Studie als fachlich falsch bezeichnet.

Der Linux-Verband bezeichnet die Studie als »einseitig interessengeleitet«. Der Vorsitzende des LIVE, Thomas Uhl, meint, daß die Studie selbst zwar zu einem wesentlich differenzierteren Ergebnis kommt als die verzerrte Aussage des VSI, daß es aber dem Text ganz offensichtlich an der notwendigen Objektivität fehlt und er gravierende Wissensmängel offenbart.

Sachlich falsch sind laut Uhl zum Beispiel:

  • Die GPL erlaubt keine entgeltliche Weitergabe der Software
  • Duallizenzierung ist nicht möglich
  • Verschiedene Lizenzformen werden vermischt
  • Freie Software wird teilweise mit GPL-Software gleichgesetzt

Auch weise die Wortwahl der Studie auffällige Parallelen zu früheren Statements des Microsoft-Managements auf.

Es sei bedauerlich, so Thomas Uhl, dass sich der VSI erneut derartig einseitig positioniert hat. "Damit schadet der VSI seinem Ansehen und stellt seinen Anspruch, die Softwareindustrie in Deutschland zu vertreten in Frage". Vor allem nachdem es einige vielversprechende Kontakte zwischen LIVE und VSI gegeben habe, sei man enttäuscht, dass der VSI sich wieder auf die Seite Microsofts schlage. "Wäre es darum gegangen, die VSI-Mitglieder über die juristischen Aspekte des Umgangs mit Freier Software aufzuklären, wäre es sinnvoll gewesen, wenn sich der VSI an jemanden gewandt hätte, der sich mit dem Thema auskennt". Insbesondere das Ifross habe hier ja bereits hervorragende Arbeit geleistet.

Der Linux-Verband will in Kürze eine ausführliche juristische Richtigstellung zu der Studie geben.

Auch die deutsche Abteilung der FSF Europe hat in der Studie zahlreiche Fehler entdeckt:

  • Die »Sun Community Source License (SCSL)« wird an einer Stelle als anerkannte freie Softwarelizenz bezeichnet.
  • Lizenzen für Software und Dokumentation werden vermengt.
  • Es wird behauptet, die GPL beruhe auf US-amerikanischem Urheberrecht, während sie in Wirklichkeit mit Blick auf die Urheberrechts-Konvention von Bern geschrieben wurde.
  • Freie Software wird mit Copyleft gleichgesetzt, BSD-Lizenzen vernachlässigt.
  • Freie, unfreie (Freeware) und Public Domain-Software werden miteinander vermengt und völlig falsch dargestellt.

Zum Abschluß wird der Spieß umgedreht: »Handlungsbedarf sieht die FSF Europe vielmehr in den rechtlichen Fragen proprietärer Software, deren Lizenzen nach ihren Erkenntnissen zum Teil erhebliche Rechtsunsicherheiten aufweisen. Leider fehlten bisher die Mittel, vergleichbare Studien zu diesem Thema vorzunehmen.« (Dank an Andreas Wozniak.)

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Kommentare (Insgesamt: 20 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[2]: Verständnisproblem? (Kevin Krammer, Sa, 5. Juli 2003)
Re: Pofessor Gerald Spindler (Homerun, Fr, 4. Juli 2003)
Re: Professor Gerald Spindler (duden, Fr, 4. Juli 2003)
Re: Professor Gerald Spindler (Professoren sind auch nur Mens, Fr, 4. Juli 2003)
Re: Denke ich nicht... (TuX, Fr, 4. Juli 2003)
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