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Mo, 28. Juli 2003, 13:54

Unternehmen

SCO: Spärliche Fakten

Bryan Tayler hat den Text eines Vertrages zwischen IBM, SCO und Novell über die Nutzung von Unix System V durch IBM in einem Beitrag auf ZDNet analysiert.

Kern der Klage von SCO gegen IBM ist die Beschuldigung, IBM habe entgegen der Lizenzvereinbarung eigene Weiterentwicklungen an dem Code für sein Betriebssystem AIX auch für Linux zur Verfügung gestellt. Das bezieht sich u.a. auf NUMA, JFS und SMP.

In dem Vertragstext finden sich dagegen explizit die Regelung, dass die Beschränkungen zur weiteren Verwendungen dann nicht greifen, wenn sie unabhängig entwickelt wurden (siehe S. 12, Punkt 3.04). Alle beanstandeten Funktionen sind nicht Teil von Unix System V gewesen und insofern ist es naheliegend, auf eine unabhängige Entwicklung zu schließen.

SCOs Position in dem Rechtsstreit dürfte durch diesen Passus in dem Vertrag zumindest schwer zu verteidigen sein, läuft es doch u.U. weniger auf juristisch eindeutige Regelungen als vielmehr auf eine Beurteilung der "Unabhängigkeit" einer Softwareentwicklung hinaus. Das ist für einen jahrelangen Rechtsstreit gut.

Ein anderer Aspekt es Streites ist, ob urheberrechtlich geschützter Code durch IBMs Programmierer unrechtmäßig direkt in Kernel Code von Linux geflossen ist. Dazu findet sich in dem Vertrag die Regelung (S. 12, 3.06), das allgemeine Informationen ("residual information") aus der Kenntnis der Softwarequellen, soweit sie aus der allgemeinen Erinnerung stammen, benutzt werden dürfen, wobei jedoch SCOs Patente oder Urheberrechte nicht tangiert werden dürfen.

Damit ist natürlich kein "copy and paste" erlaubt, was einige "Analysten" gefunden haben wollen. Aber die Nutzung eines Lösungsweges im Linux-Kontext wäre damit u.U. gedeckt. Jedenfalls gibt diese Bestimmung ebenfalls Raum für jahrelange juristische Akrobatik.

Der Autor führt auch Befunde an, die die Vermutung stützen, SCOs Manager wollten durch die Aktion lediglich das Ende der Firma mit möglichst wenig Verlust für die gegenwärtigen Anteilseigner abwickeln (exit strategy). Er hat beobachtet, daß SCOs Manager in den letzten Monaten SCO-Aktien ausschließlich verkauft, aber in keinem Fall mehr gekauft haben. Ausserdem hat SCO die Firma Vultus erworben, die dem gleichen Konsortium gehört, das auch den größten Anteil der SCO Aktien besitzt. Dies wird als legaler Weg betrachtet, Mittel aus der Firma SCO heraus direkt in die Kassen des Konsortiums zu transferieren, bevor ein möglicher Insolvenzfall tatsächlich eintritt.

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