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Di, 19. August 2003, 11:41

Unternehmen

Die SCO-Komödie: Akt zwei

Im zweiten Akt der ursprünglich als [a 0.5304]SCO gegen IBM[/a] geführten Komödie wenden sich die Parteien einem Kampf zwischen Open Source und proprietärer Software zu.

Lange war Microsoft im Hintergrund als der lachende Dritte zu sehen. Wie diversen Medien zu entnehmen ist, kommt nun der Software-Gigant aus der Deckung und stellt sich vor die Akteure der SCO Group. Während einer Konferenz mit Analysten stellte William Henry Gates III, besser als Bill bekannt, fest, dass »Linux kein neues System sei, sondern ein Derivat von UNIX«. »Ich vermute, dass bei einer unkontrollierten Entwicklung, die die GPL förmlich herausfordert, es absolut unmöglich ist, dass Linux keinen Quellcode von Unix oder gar von Microsoft enthält«, so Gates.

»Die unkontrollierte Entwicklung von Linux bewirkt, dass das System auf der Stelle steht. Änderungen und Neuerungen die von einem Entwickler eingeführt wurden, werden durch Änderungen anderer wieder zunichte gemacht«; so Gates weiter. Erst in etwa vier bis fünf Jahren werden es die Nutzer verstehen, dass »nur die Innovationen Microsofts die Grundbausteine für ein stabiles und sicheres System bieten, bei dem alles unter Kontrolle ist«. Gates prognostiziert, dass die »unklare GPL-Lizenz« die Entwicklung von Linux hemmen könnte, während das »legale System aus Redmond« ständig entwickelt wird. Leider ging der Visionär nicht auf die Frage ein, warum das Unternehmen den Support für ältere Versionen von Windows einstellt und Benutzer durch Lizenzverpflichtungen zu einem Update zwingt.

Eine ähnliche Meinung scheint auch der Chef von Microsoft, Steve Ballmer, zu haben. »Kann IBM euch die Entwicklungspläne für Linux zeigen?«, so Ballmer. »Kann IBM neue Funktionen in das System einbinden? Werden Linux-Benutzern Schäden durch eine unklare rechtliche Lage erstattet?«, fragt er und beantwortet gleich mit »Nein, Nein, Nein - dreimal nein!«.

So viel Frohsinn scheint auch Darl McBride, Vorstand von SCO, angesteckt zu haben. Zwei Stunden referierte McBride zum Auftakt des SCO Forums zum Thema Rechtsposition seiner Firma. »Mit Bildern und Titelmusik aus James-Bond-Filmen suchte der Manager die Getreuen der einstigen Kultfirma aus Santa Cruz auf Kampf für das Gute einzustimmen«, berichtet der Heise-Newsticker. »Unterstützt von seinem Vizepräsidenten Chris Sontag zeigte McBride Beispiele aus dem Code der Linux-Kernelversionen 2.5 und 2.6, die beweisen sollen, dass Programmteile unverändert aus Unix übernommen wurden«. Die Lage dürfte also klar sein. SCO hat nun die Quellpassagen veröffentlicht und der Welt eine klare Beweislage geliefert. So dachte man zumindest. »Die wenigen neben den Kommentaren gezeigten Code-Sequenzen waren größtenteils unleserlich gemacht, angeblich, um SCOs Urheberechte zu schützen«, weiß der Ticker zu berichten und zeigt zwei Code-Beispiele (Bild1, Bild2). Warum Kernel 2.5/2.6 und nicht der angeblich auch »infizierte« Kernel 2.4 verwendet wurden, wird wohl wieder ein Geheimnis des Unternehmens bleiben. Sind womöglich die Passagen noch nicht im Quellcode und müssen erst noch eingeschleust werden?, fragt sich da manch ein Beobachter.

Um das Bukett an Frohsinn perfekt zu machen, schaltete sich auch der Rethorik-Akteur und Vizepräsident von SCO, Chris Sontag ein: »Jetzt wissen wir endlich, wie Linux sich in ganz kurzer Zeit von einem Hobby-Betriebssystem zur Plattform für Unternehmens-IT mausern konnte«, so Sontag. »Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es in der Regel auch nicht wahr. Ausgereifte Technik sei eben nicht zum Nulltarif zu haben. "Freie Software -- das ist nicht unser Ding."« Die GPL und Open Source zerstören »legale Geschäftsgrundlagen« und deshalb ist es SCO wichtig, für entstandenen Schäden und eine legale Geschäftsordnung für die Zukunft klare Verhältnisse zu schaffen. »Wir kämpfen für das Recht, mit Software Geld zu verdienen. Und wir kämpfen für Euch mit!« rief McBride dem Publikum zu.

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