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Mi, 20. August 2003, 10:13

Unternehmen

SCOs blamable Quellen-Vorstellung

Mit dem Durchsickern der ersten Bilder der angeblich geklauten Codepassagen zeigt SCO auf eindrucksvolle Art und Weise, auf welch wackligen Füßen die Anklage steht.

Geplant war eine Demonstation der »Macht«, als SCO im Rahmen des SCO Forums Passagen des angeblich geklauten Codes vorführte und stolz »Line by Line Copying - One Example of Many« nannte. Gezeigt wurde dem staunenden Publikum eine Passage aus den UNIX- und Linux-Quellen, die identische Kommentare enthielten. Was als Beweis gedacht war, entwickelte sich allerdings zu einer blamablen Vorstellung.

Wie den von Heise Online publizierten Bildern (Bild 1; Bild 2) zu entnehmen ist, handelt es sich bei dem von SCO als »geklaut« deklarierten Code um nichts weiter als um eine korrekt lizenzierte Passage aus System V, dem System, das SCO für sich beansprucht und dessen Code-Passagen in Linux ohne Erlaubnis des Unternehmens eingeflossen sein sollen. Die in arch/ia64/sn/io/ate_utils.c zu findende Stelle enthält eine exakte Kopie des malloc.c-Codes, das der Feder der UNIX-Autoren entsprungen ist. Wer stellte allerdings diese Passage in den Kernel?

Entgegen anders lautender Meldungen stammt der Schnipsel nicht von SGI, sondern direkt aus den Quellen von UNIX. Genau genommen stammt die Passage aus der Datei sys/sys/malloc.c, die bereits in der Version V6 diesen Kommentar und die dazugehörenden Code-Fragmente enthielt. Das Dilemma für SCO, auch wenn das Unternehmen es gerne vergessen würde, stellt die Tatsache dar, dass unter anderem auch diese Datei in der Vergangenheit schon mehrfach unter die BSD-Lizenz gestellt wurde. »Interessant dürfte wohl auch sein, dass laut Perens eine (vermutlich) erste Veröffentlichung unter einem Non Disclosure Agreement schon 1977 stattfand«, schreibt uns Thomas. »Im Zusammenhang der aktuellen Auseinandersetzung erinnert Perens an eine ähnliche Auseinandersetzung zwischen der University of California und ATT, die letztlich zuungunsten von ATT ausging«.

Lässt man die Tatsache außer Acht, dass Unix Systems Labs (ATT) bereits 1979 die fragliche Stelle unter einer BSD-ähnlichen Lizenz veröffentlichte, so wird sogar SCO es nicht leugnen können, die angeblich geklaute Funktion selber unter einer Open-Source-Lizenz publiziert zu haben. Am 24 Januar kündigte Paul Hatch, Public Relations Manager bei Caldera International, voller Freude eine liberalere Lizenz für Quellen der UNIX-Releases V1-7 und 32V an. Von nun an stelle das Unternehmen die Quellen unter eine »BSD-style«-Lizenz. Die von Bill Broderick, Director Licensing Services, unterzeichnete Lizenz erlaubt ausdrücklich, dass die Quellen des Paketes verändert und in binärer Form vertrieben werden können, ohne dass Lizenzabgaben an Caldera nötig sind. Zwar stellt diese Veröffentlichung nur einen proforma-Akt für die beanstandeten Passagen dar, waren die fraglichen Stellen doch bereits in mehreren Publikationen zu sehen (unter anderem in Lion's Commentary on Unix und in einer abgewandelteten Form auch in Kernighan & Ritchie »The C Programming Language«), doch gerade die mit Calderas Segen freigegebenen Quellen bescheren SCO eine derbe Blamage.

Von nun an dürfte SCO in ernsthaften Problemen stecken, denn das eigens gegründete Code-Review-Team scheint identische Fragmente in Linux gefunden zu haben, beging aber von lauter Freude einen gravierenden Fehler. Keine der beteiligten Personen scheint sich die Mühe gemacht die Kanäle der Distribution überprüft zu haben. So präsentierte SCO voller Stolz ein Fragment, das unter eine Open-Source-Lizenz gestellt und bereits in den 80er Jahren wiederholt publiziert wurde.

In dieser Situation ist es für viele, unter anderem auch Bruce Perens, nicht verwunderlich, warum SCO die beanstandeten Linux-Passagen nicht bekannt geben will. Wie man der letzten Demonstration entnehmen kann, steht die Anklage SCOs auf sehr wackligen Füßen und die Blase der Reklamation der Linux-Quellen kann so schnell zerplatzen, wie sie entstanden ist.

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