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Mo, 8. September 2003, 14:29

Unternehmen

Brasilien wendet sich von Microsoft ab

Gegen wachsende Widerstände zeigt sich Brasiliens Präsident Luiz Inácio da Silva entschlossen, den Reformstau des Landes zu durchbrechen und gibt derzeit einer Richtlinie die endgültige Form, die Ministerien und Behörden, auf neuen Installationen anstelle von proprietärer Produkte wie Microsoft Windows OpenSource-Software zu installieren.

Von Osten weht bereits ein scharfer Wind über die Fahnen der Microsoft-Zentrale. Tausende Kilometer südlich macht sich Brasiliens Präsident Luiz Inácio da Silva, genannt Lula, an die Ratifizierung eines neuen Gesetzes, das Behörden sowie staatlichen Unternehmen empfiehlt, auf die Produktpalette des Unternehmens aus Redmond zu verzichten. Der Wind dürfte noch heftiger werden, sollte dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt werden. Danach sieht es im Moment aus.

Eine Art Wunder konnte der Chef der elftgrößten Industrienation der Erde vollbringen. In nur drei Monaten hatte Lula geschafft, worüber sich die Vorgängerregierung unter Fernando Henrique Cardoso in zwei Amtszeiten und 79 ergebnislosen Abstimmungen zerschlissen hatte: dem Land weitgehende Reformen zu bringen. Und so macht sich Lula an die Administration des Landes und reformiert die interne IT-Architektur. So zitiert das Wall Street Journal da Silvas IT-Berater Sergio Amadeu mit der Aussage, die Regierung plane bereits im kommenden Jahr 80 Prozent aller neu angeschafften Rechner unter Open-Source-Software zu betreiben. Im Gegensatz zu China, wo Beamte auf einen ähnlich rigiden Kurs mittels eines Gesetzes getrimmt wurden, plant der brasilianische Regierungschef keine bindende Offensive gegen Microsoft. »Wir verlangen an keiner Stelle die Nutzung freier Software. Der Markt muss die Wahl treffen«, so Amadeu. Nichts desto Trotz macht Lula den bereits im Juni angekündigten Schritt wahr und wendet sich nach dem erfolgreich abgeschlossenen Pilotprojekt mit Linux als Wahl-Betriebsystem offen von Microsoft ab. Vier Bundesstaaten haben die Förderung quelloffener Software sogar gesetzlich festgeschrieben. Nun folgt die Arbeit auf Bundesebene.

Die Umstellung soll schrittweise erfolgen. Neben den beträchtlichen Einsparungen, die damit erzielt werden, erhofft man sich auch die verstärkte Produktion von Software im eigenen Land und einen breiteren Zugang zu aktuellem Wissen. Und Microsoft? Der Software-Gigant zeigt sich sichtlich bemüht die Wogen zu glätten und ringt um Verhandlungen mit der Regierung. Unterstützt wird der vermeintliche Monopolist von einer merkwürdigen Kampf-Koalition, die sich in den letzten Wochen gegen den volkstümlichen Lula etabliert hatte. Mit Marktstudien bewaffnet stürmt die Opposition die Kulisse und bemüht sich, der Arbeiterpartei aufzuzeigen, dass proprietäre Software kostengünstiger sein kann als freie. Hierfür wird vor allem der Serviceaufwand als der größte Kostenkiller von OpenSource aufgezeigt. Auch Microsoft will sich kooperativer zeigen, was Angesicht der rund sechs Prozent der Softwareeinnahmen des Unternehmens aus Brasilien, kaum verwunderlich ist. Im Raum stehen im Moment niedrigere Lizenzgebühren und Zugang zum Source-Code von Windows.

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