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Mi, 10. Dezember 2003, 14:39

Unternehmen

Microsoft der Motor - Linux die Bremse?

In einer am Mittwoch vorgestellten Studie versucht die deutsche Microsoft-Niederlassung, Micorosoft als Motor für die Wirtschaft und Linux als Bremse darzustellen.

»Das auf Partnerschaften basierende Geschäftsmodell von Microsoft liefert einen wesentlichen Umsatz- und Beschäftigungsbeitrag für den deutschen IT-Markt - insbesondere für den Mittelstand«, posaunte die deutsche Niederlassung von Microsoft heraus. Demnach generiert der Computerriese nach eigenen Angaben einen »unmittelbar positiver Beschäftigungseffekt« für den deutschen IT-Markt. Wie Jürgen Gallmann, Chef der deutschen Niederlassung, zu berichten weiss, sichert jeder Microsoft-Mitarbeiter 51 Arbeitsplätze. »Jedem einzelnen unserer 1500 Microsoft-Mitarbeiter lassen sich direkt 51 Arbeitsplätze in der deutschen IT- Industrie zurechnen. Damit können wir von 76000 Arbeitsplätzen bei unseren Partnern sprechen, die direkt mit Microsoft in Deutschland zu tun haben«, gab der Manager am heutigen Mittwoch bei der Bekanntgabe der Studie bekannt. Das »Münster Institute of Computational Economics« (MICE) an der Universität Münster hatte im Auftrag von Microsoft Deutschland errechnet, dass sich bei den untersuchten Partnerunternehmen 11,2 Milliarden Euro Umsatz auf die Verbindung mit Microsoft zurückführen lassen.

Doch was wäre eine Studie, wenn sie nicht der Geschichte der vergangenen Erhebungen folgen würde? In einem weiteren Papier verpönt der Konzern die Konkurrenz und stellt zum wiederholten Mal Linux auf die Probe. In einer zweiten, knapp über 100 Seiten zählenden Erhebung, kommen die Autoren zum Schluss, dass freie Software wie Linux aus wirtschaftlicher Sicht keine Alternative zu proprietären Produkten darstellt. »Die Entwicklung von Open Source-Software erfolgt bewusst außerhalb von Marktmechanismen, denn durch die freie Verfügbarkeit des Quellcodes soll gerade das Entstehen eines preisgesteuerten Softwaremarktes verhindert werden«, stellen die Autoren bereits am Anfang der Studie fest. Das Ergebnis dürfte allerdings auch den größten Verfechter von Open Source überraschen. So kommt das Autorengespann zu Schluss, dass Open Source »keine neuen, sondern nur einen Teil der bereits auf dem kommerziellen Softwaremarkt gegebenen Geschäftsmöglichkeiten« anbietet. Im Klartext bedeutet es für die Verfasser, dass mit Ausnahme der Individualsoftware der Markt für Open Source »keinen Wertschöpfungsbeitrag« liefert und »ist die Software unentgeltlich verfügbar, so entstehen mit ihrer Entwicklung anders als auf dem kommerziellen Softwaremarkt auch keine Erlöse, Einkommen, Arbeitsplätze und Steuern.« Beim Microsoft entstehen dagegen im Rahmen des Microsoft-Partnermodells unabhängige Softwarehäuser mit insgesamt 45.000 Beschäftigten.

Dies bringt die Autoren zu einer Frage, die wohl auch Microsoft auf der Zunge liegen dürfte: Warum subventioniert der Staat Open Source wenn das Geschäftsmodell keine Vorteile hat? »In seiner Rolle als IT-Nachfrager sollte sich der Staat daher wie in den Haushaltsgesetzen vorgesehen strikt von Wirtschaftlichkeitsüberlegungen (TCO-Analysen) lenken lassen, auf die Beeinflussung der Marktentwicklung bewusst verzichten und den Schutz der Wettbewerbsordnung den Kartellämtern überlassen«, liefern die Autoren die Antwort und fragen zugleich, warum sich die Regierung über die »ordnungspolitischen Grundregeln« hinwegsetzt und ein Produktionsverfahren wie Open Source unterstützt.

Die von Microsoft in Auftrag gegebene und negativ für Linux ausfallende Studie dient dem Anschein nach nur Microsoft und stellt zudem eine Argumentationshilfe gegen Open Source in der Verwaltung und Regierung dar. Dabei unterschlägt das Papier eine Reihe wichtiger Fragen und verweist kaum auf neutrale Analysen des Marktes. Weder untersucht das Papier die Lizenzunterschiede, noch stellen die Autoren eine seriöse TCO-Analyse vor. Statt dessen verweisen sie auf einen nicht näher genannten »neutralen Kostenvergleich« der zu dem Ergebnis kommt, dass der Einsatz kommerzieller Software bei Einbeziehung aller relevanten Kosten insgesamt günstiger ist. So basiert nach Meinung der Forscher die Entscheidung der Stadt München für Linux nicht auf ökonomischen, sondern auf »qualitativ-strategischen« Argumenten. »Die Studie der Unternehmensberatung Unilog kommt zu der Empfehlung, dass die Aktualisierung der heute eingesetzten Microsoft-Produkte auf die nun aktuellen XP-Versionen die technisch einfachste und wirtschaftlich sinnvollste Handlungsalternative für die LHM darstellt«, stellen die Autoren fest. Die Verfasser der angesprochenen Studie der Unternehmensberatung Unilog Integrata hatten der Stadt allerdings noch im April einem Umstieg von Windows NT zu Linux geraten. Einen Monat später kippte die Meinung des Unternehmens und Unilog bescheinigte Microsoft ein deutlich günstigeres Angebot.

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Kommentare (Insgesamt: 85 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re: Arbeitsplätze (guru guru, So, 14. Dezember 2003)
Re: Innovation (Michael, Sa, 13. Dezember 2003)
Re[2]: ich lade keine word doc runter (Das Joe, Sa, 13. Dezember 2003)
Re[2]: Innovation (Thomas Walther, Sa, 13. Dezember 2003)
Re[2]: Linux im Rathaus [Stadt Schwäbisch Hall] (Christof Bodner, Sa, 13. Dezember 2003)
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