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Mi, 17. Dezember 2003, 16:13

Zerreißprobe für UserLinux

Eine neue Distribution namens UserLinux soll die vermeintliche Lücke füllen, die Red Hats Abkehr vom Endbenutzer hinterlassen hat.

Ein nobles, aber auch gefährliches Unterfangen, denn die Planungen spalten die Open-Source-Gemeinschaft.

Kein Geringerer als Bruce Perens, ehemaliger Debian-Projektleiter und Mitgründer der Open-Source-Initiative, hatte Anfang November eine neue Distribution angekündigt, die die angebliche Lücke, die Red Hats Abkehr hinterlassen hat, füllen soll. Laut Perens sind einige der weltgrößten Firmen, nicht nur aus dem IT-Bereich, mit etlichen Millionen Dollar und Entwicklern an dem neuen Projekt interessiert. Diese Firmen warten begierig darauf, eine Alternative zu Microsoft-Produkten zu bekommen, und eine solche wird UserLinux liefern. Soweit die Theorie.

Während das Projekt nicht einmal über die Planungsphase hinaus ist, haben immer mehr OpenSource Anhänger Zweifel an Perens Unterfangen. Schafft es der Leader nicht, die Anhänger zu überzeugen, so droht eine ewige Diskussion und ein eklatanter Schwund an Helfern. An der Demontage ist kein geringer als Perens selbst schuld, so Beobachter. Interessierte Helfer fühlen sich durch die sture Haltung von Perens geradezu herausgefordert, weicht er doch von seiner Linie keinen Zentimeter ab und legt nur selber, trotz einer Aufforderung zur Diskussion, die Marschrichtung fest. Anstatt die Abweichler durch Argumentation zur Räson zu bringen, schürt er weitere Konflikte an, so manch ein williger Entwickler in der Mailingliste.

Die Liste der beanstandeten Punkte ist lang. So äußern zum Beispiel immer mehr Befürworter von UserLinux ihre Unmut über die sagenhaften Geldgeber des Projektes, die Perens wie seinen Augapfel zu schützen versucht. »Wer möchte für ein Projekt arbeiten, bei dem er den Auftraggeber nicht kennt«, schrieb trefflich ein Kommentator auf Pro-Linux und bestätigt die Zweifel Vieler.

Ein vorläufiger Höhepunkt im des Streits dürfte vorerst erreicht sein. Perens, der die GNOME-Desktopumgebung propagiert, kündigte in einer Stellungnahme unmissverständlich an, nur auf GNOME und GTK+ zu setzen. Ähnlich sei auch die Entscheidung für PostgreSQL und gegen MySQL, so Perens. Zwar begrüße er die Kooperation der Debian- und KDE-Entwickler, werde aber definitiv weder KDE noch QT in die Distribution aufnehmen. Ein Schlag ins Gesicht von KDE, plant Perens doch auch andere Bibliotheken in UserLinux aufzunehmen. Übel aufgestoßen sind manch einem Beobachter zudem frühere Aussagen Perens', wonach er von seinen Auftraggeber daran gebunden ist, GNOME zu verwenden, andererseits aber die mangelnde Freiheit von QT und KDE anprangerte und als Grund für seine Entscheidung angab. Keine souveräne Erklärung, die zudem reichlich Stoff für Spekulationen liefert.

Die anfängliche Problematik eines jungen Projekts entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften Problem. Die starre Ausrichtung und mangelnde Diskussionsbereitschaft seitens Perens, der auf eine rege Mithilfe freiwilliger Helfer angewiesen ist, dürfte das Projekt bereits viele potentielle Mitwirkende gekostet haben. Hinzukommen dürfte schon bald eine weitere Diskrepanz zwischen Perens und Debian. Wie Pro-Linux von ranghohen Debian-Mitarbeitern erfuhr, tadeln auch sie die mangelnde Kommunikation. Zwar will Perens Debian als Basis für das UserLinux-Projekt nutzen, hält es aber nicht für angebracht, die Leiter des Projektes ausreichend zu informieren, so der Tenor.

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