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Do, 1. Januar 2004, 12:57

Software::Desktop

XFree86-Coreteam löst sich auf

Das XFree86-Coreteam, das bislang die Weiterentwicklung von XFree86 koordinierte, hat sich mit sofortiger Wirkung aufgelöst.

Dies teilte David Hawes, bis zuletzt Mitglied des Coreteams, auf der XFree86-Entwickler-Malingliste mit.

Hawes äußerte sich erfreut über diese Maßnahme, die auf seinen eigenen Vorschlag zurückging und von der Mehrheit der Team-Mitglieder in einer Abstimmung akzeptiert wurde. Die Frage, was dies genau bedeute, wurde noch nicht konkret beantwortet. Nach Hawes' Aussagen war das Coreteam jedoch ein Anachronismus. Es repräsentierte zuletzt nicht mehr die aktivsten XFree86-Entwickler und es fand keine technische Diskussion mehr statt. Auf jeden Fall bedeutet es nicht, daß die Entwicklung von XFree86 am Ende ist. Im Gegenteil könnte durch eine neue, flexiblere und zeitgemäßere Organisation die Entwicklung gefördert werden.

Daß mit der internen Struktur von XFree86 einiges im Argen lag, war schon früher dadurch augenfällig geworden, daß Änderungen durch Keith Packard, einen der aktivsten Entwickler, nur langsam in XFree86 Einzug hielten. Im März gipfelten die Probleme in dem Ausschluß von Packard aus dem Coreteam. Schon damals schlug Hawes vor, das Coreteam aufzulösen, was aber von der Mehrheit abgelehnt wurde. Das XFree86-Projekt versuchte sich daraufhin, neu zu organisieren und die Entwicklung offener zu gestalten, indem die Mailinglisten und das Bugtracking-System öffentlich gemacht wurden. Wichtigstes Ziel war es, neue Entwickler zu gewinnen, indem die Hürden für Beiträge von Programmierern vermindert wurden. Einen durchschlagenden Erfolg brachte dies anscheinend nicht, obwohl in Kürze mit XFree86 4.4 gerechnet werden darf, dessen zweiter Release-Kandidat bereits erschienen ist.

In der Zwischenzeit hatte Keith Packard xwin.org ins Leben gerufen, das allerdings derzeit mit freedesktop.org identisch ist. Dort werden Komponenten von XFree86 und Desktop-Software, darunter D-BUS, DRI, HAL und etliche andere Projekte entwickelt. Andere Entwickler eröffneten ihren eigenen Zweig von XFree86, genannt Xouvert. Dieses Projekt benutzt ein neues Versionskontroll-System, das die verteilte Entwicklung begünstigt, und will XFree86 weiter modularisieren. Das Projekt hat in aller Stille Anfang Dezember Version 0.1 veröffentlicht und macht offenbar Fortschritte.

Augenscheinlich gibt es genügend Entwickler, die motiviert für eine weitere Mitarbeit an XFree86 sind. Nur waren bisher die Projektstrukturen eher hinderlich für ihre Beiträge. Mit Beseitigung dieser Hindernisse dürfte es auch mit dem zwanzig Jahre alten Veteranen X11 noch lange weitergehen. Durch die flexible Architektur kann X11/XFree86 immer wieder an neue Erfordernisse angepaßt werden. Und eine Alternative ist allenfalls am fernen Horizont auszumachen, aber auf absehbare Zeit noch nicht ausgereift genug. (Dank an Jörg Schulte und Richard Ruhland.)

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