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Do, 4. März 2004, 10:25

Unternehmen

SCO: Der Tag danach

Während die Börse den neuesten Klagen von SCO wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen durch Benutzer des freien Betriebssystems Linux mit stagnierenden Kursen strafte, hat SCO eine Medienpräsenz wie selten erreicht.

Die gestern vorgestellten Zahlen des amerikanischen Unternehmens SCO sprachen Bände, auch wenn selbst SCO-Chef Darl McBride einen Teil der Fragen von skeptischen Finanzanalysten wegen einer vermeintlichen gerichtlichen Anordnung von Richterin Brooke Wells nicht beantworten konnte. Lediglich zwei Zahlen, die allerdings die Not des Unternehmens mehr als verdeutlichen: 3,4 Millionen US-Dollar Ausgaben gegenüber 20.000 US-Dollar Einnahmen. SCO hatte nach eigenen Angaben 3,4 Millionen US-Dollar an Aufwendungen, um seine »Rechte« im Streit um Linux durchzusetzen und verbuchte lediglich 20.000 US-Dollar Einnahmen aus dem Lizenzmodell - bei einem Nettoverlust von 2,3 Millionen US-Dollar im ersten Quartal. Das hoffnungsvoll letzen Sommer als »faires Lizenzmodell« betitelte Angebot an Anwender von Linux steckt wie das SCO-Hauptquartier in einer Sackgasse. Laut Aussagen von McBride wurden bis dato »weniger als 50« Lizenzen verkauft. Verwunderlich, denn SCO hatte bereits mehrfach verkündet, Massen an Linux-Lizenzen verkauft zu haben. Das »SCOsource UNIX Licensing Program«, das wohl wichtigste Produkt von SCO, darf man der Auflistung auf Seite des Unternehmens den Glauben schenken, brachte SCO in eine Bringschuld.

Kaum verwunderlich, dass SCO handelte und den Namen des ersten Klage-Opfers bekannt gab. In einem achtseitigen Papier, das auf LWN.net veröffentlicht wurde, beschuldigt SCO den amerikanischen Autoteile-Händler Autozone des Diebstahls geistigen Eigentums. So argumentiert SCO, der amerikanische Autozone habe die Rechte des Unternehmens verletzt und nutzt das geistige Eigentum von SCO ohne entsprechende Lizenzen. Ferner stützt sich SCO auf die alte Argumentation, ohne nur einen Beweis zu liefern, dass sowohl der Linux 2.4 wie auch 2.6 geistige Passagen des Unternehmens enthalte und Autozone das geistige Eigentum der Firma verletze.

Die ebenfalls gestern verkündete Klage gegen DaimlerChrysler zielt in eine andere Richtung und stellt eine Feststellungsklage dar. Der Hersteller sieht bei dem im US-Staate Michigan beheimateten Unternehmen eine Verletzung der Auskunftspflicht des Automobilbauers dar. »Im Dezember hatte SCO alle Kunden angeschrieben und zur Auskunft verpflichtet. In dem Brief wurden die Kunden dazu aufgefordert, eine schriftliche Erklärung abzugeben, dass kein Angestellter oder Subunternehmer jemals Unix-Code in die Linux-Entwicklung überführt habe«, so der Heise-Ticker. Da DaimlerChrysler eine solche Auskunft noch nicht abgegeben hat, müsse SCO nun prüfen, ob der Konzern gegen die Linzenzanforderungen verstoßen hat.

Obgleich beide Klagen dem Augenschein nach nur wenig Substanz besitzen, ist es SCO gelungen, die Saat der Angst zu sähen. Durch die Androhung auch in Zukunft mit den Klagen gegen Linux-User fortfahren zu wollen, entstand in der Presse der allgemeine Tenor, Linux-Anwender seien nun in Gefahr. Die von SCO wohl beabsichtigte Rechnung ist in diesem Fall, auch wenn unter Umständen nur für kurze Zeit, aufgegangen. Unbeeindruckt zeigte sich lediglich die Börse. Das Papier des Unternehmens verlor am gestrigen Tag über 13,6 Prozent an Wert und lag am Ende des Tages bei 11,59 US-Dollar.

Interessant stellt sich im Moment ebenfalls die Frage nach der Parteilichkeit des Gerichts. Eigentlich dürfte das für den ersten Fall zuständige Gericht in Nevada die Angelegenheit nicht bearbeiten dürfen, denn das Gericht macht sich selber straffällig. Wie ZDNet herausfand, setzt das United States District Court in Nevada Linux als Betriebsystem ein. Nun muss ein Gericht, das nach Meinung von SCO ebenfalls Lizenzzahlungen an SCO leisten sollte, eine Frage in eigener Sache klären. Wird SCO Recht gegeben, würde sich das Gericht gleichzeitig als Gesetzesbrecher deklarieren.

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