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Mi, 31. März 2004, 20:32

Gesellschaft::Politik/Recht

Glosse: Duale Lizenzen: Das beste beider Welten?

Freie Software ist nicht nur eine Ideologie, sondern auch ein Businessmodell - entscheidend scheint dabei allerdings auch die Lizenzfrage zu sein.

Wie Mitte dieses Monats MySQL AB, Hersteller der bekannten Open-Source-Datenbank MySQL, Sleepycat Software und Trolltech AS, Hersteller der Qt-Bibliothek, in einer gemeinsamen Mittteilung bekannt gaben, stiegen die Einnahmen der Unternehmen durch Software-Lizenzen im Jahr 2003 um durchschnittlich 65 Prozent. Damit schafften es die drei Unternehmen nach eigenen Aussagen, die Umsatzsteigerungen um das Zehnfache über das Wachstum der IT-Ausgaben der US-Industrie zu bugsieren und führen diese Steigerung größtenteils auf ihr duales Lizenzmodell zurück.

Im Rahmen des »Dual Licensing« bieten alle drei Anbieter ihre Produkte zum einen unter den üblichen Free Software/Open Source-Lizenzmodellen wie GNU GPL an. Kunden können aber auch eine kommerzielle Lizenz der Software erwerben. Mit diesen Lizenzen entfällt die Pflicht, eigene Entwicklungen wieder der Community zugänglich zu machen, die normalerweise ein essentieller Bestandteil vieler Open-Source-Lizenzen ist. Zudem stehen für Kunden mit kommerziellen Lizenzen professionelle Wartungs- und Unterstützungsangebote der Hersteller bereit.

Ein Modell, der laut Aussagen von Dan Kusnetzky, Vice President System Software Research des Marktforschungsunternehmens IDC Zukunft hat. So ist er der Meinung, dass »Anbieter mit dem dualen Lizenzmodell den Qualitätsanspruch und die Vertriebswege von Open-Source-Software mit den ertragreichen Lizenzmodellen traditioneller Software-Hersteller verbinden« und sowohl ihre kommerziellen Kunden als auch eine große Community unterstützen.

Dass eine duale Lizenz nicht nur für Unternehmen, sondern auch für freie Projekte interessant sein kann, stellte bereits vor einiger Zeit der in dieser Woche offiziell aus dem Projekt ausgeschiedene Gründer von MPlayer fest. So ließen sich nach Meinung von A'rpi und Gabucino, dem aktuellen Maintainer von MPlayer, durch eine solche Lizenzierung viele Probleme mit kommerziellen Anbietern bereits im Vorfeld umschiffen. Viele Unternehmen können oder wollen nicht ihre Software unter eine freie Lizenz stellen und würden lieber Lizenzen kaufen, so der Autor im Bezug auf den kürzlich geschlossenen Konsens mit KISS-Technology. Um diese Kundschaft bedienen zu können, liege es auf der Hand, das Programm weiterhin frei für alle Nutzer zu lassen und Unternehmen, die eine kommerzielle Entwicklung wünschen, Lizenzmodelle anzubieten. Ein Vorschlag, der für Diskussionen sorgte und schlussendlich zum Ausstieg des MPlayer-Gründers führte.

Dass duale Lizenzen auch für freie Projekte förderlich sein können, führen neben den drei genannten Unternehmen auch Projekte wie etwa OpenOffice.org und Mozilla vor. Wie die Entwickler eines der bekanntesten Office-Pakete auf ihrer Seite erklären, stellt eine zweifache Lizenzierung eines Projektes »sowohl für Mitglieder der GPL-Gemeinde als auch andere Entwickler oder Firmen, die GPL nicht nutzen können, den Zugang zu der innovativen Technologie« bereit. »Durch die Kombination der GPL und der Sun Industry Standards Source License (SISSL) haben Entwickler schon jetzt ein hohes Maß an Freiheit, und die Kompatibilität sowie die Austauschbarkeit bleiben gewahrt«, so die Projektleiter.

Duale Lizenzen stellen auch für einen der prominentesten Vertreter freier Software, Richard Stallman, Präsident der Free Software Foundation (FSF), kein Problem dar. Nach seiner Meinung genügt das duale Lizenzmodell den Ansprüchen der FSF. Es bestehe zum Beispiel laut Stallman kein Grund mehr, Qt zu verteufeln. Qt werde durch das duale Lizenz-Modell den Belangen der FSF gerecht und stelle kein weiteres Problem dar, so der Präsident in einem Interview. Darf man demnach Stallmans Aussagen Glauben schenken, so kollidiert die duale Lizenz in keiner Weise mit den Prinzipien freier Software und könnte durchaus das Zeug haben, »das Beste beider Welten« zu werden.

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