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Mo, 24. Mai 2004, 17:48

Nürnberg zu Open Source

Nach Schwäbisch Hall, München und anderen hat nun auch Nürnberg den Einsatz von Open-Source-Software untersucht.

Die Münchner Grundsatzentscheidung für Linux brach nach Meinung vieler Experten und Politiker das Eis. Wie die Verantwortlichen in München bereits bekannt gaben, zeigen vor allem kleine und mittlere Unternehmen sowie Gemeinden Interesse an Linux und Open Source. »Ich war überrascht, wie intensiv sich viele Unternehmen mit unserem Beschluss beschäftigen. Dabei ist die Münchner Entscheidung für zahlreiche Firmen Anlass, bei der Fortschreibung ihrer IT-Strategie erstmals das Thema Linux auf die Tagesordnung zu setzen«, berichtete letztes Jahr die Stadträtin Christine Strobl. Die Äußerungen folgten dem Tenor: Wenn die größte Kommune Deutschlands mit 16.000 Clients umsteigt, dann können wir das auch.

Die weitreichenden Folgen des Umstiegs von zunächst Schwäbisch Hall und später München sind noch nicht beendet. In Zeiten kommunaler Haushaltsperren und Notverfügungen ist es deshalb kaum verwunderlich, dass vor allem die Kommunen eine Vorreiterrolle bei Open Source einnehmen. Bei einer früheren Experten-Umfrage, die die abaXX Technology AG vorgelegt hat, sprachen sich über zwei Drittel (68 Prozent) der Fachleute für den Einsatz von Linux bei Kommunen und Landesbehörden sowie in der Bundesverwaltung aus. 62 Prozent votierten für »Linux oder eine andere Unix-Variante«. 42 Prozent gaben dem öffentlichen Dienst die Empfehlung, künftig ausschließlich auf Linux/Unix zu setzen.

Den Empfehlungen folgten auch Taten. So haben zum Beispiel die Kleinstädte Treuchtlingen und Leonberg »dort, wo es möglich und sinnvoll war«, bereits auf Linux umgestellt. Mit einer Migration auf Linux sah der Oberbürgermeister von Leonberg Bernhard Schuler Einsparungen im sechsstelligen Bereich sowie bessere Funktionalität, erhöhte Sicherheit und die Unabhängigkeit von Herstellern.

Nun untersucht auch Nürnberg die Vorteile von Open Source und unterzieht das Modell einer näheren Betrachtung. »Die wesentlichsten Vorteile von Linux und Open Source liegen in der Herstellerunabhängigkeit und in der Skalierbarkeit (auf unterschiedlichen Plattformen, theoretisch vom Handheld bis zum Großrechner lauffähig, Unterstützung verschiedener Prozessorarchitekturen)«, resümiert die Kommission in ihrem Schreiben. Die Verantwortlichen stellen allerdings fest: »Auch wenn für Linux und Open Source keine Lizenzkosten zu entrichten sind, ist ihr Einsatz jedoch keineswegs kostenlos«. Zudem machen die Lizenzkosten für Software lediglich 5 bis 15 Prozent der Gesamtkosten eines PC-Arbeitsplatzes aus. Lässt sich deshalb die Wirtschaftlichkeit des Einsatzes von Linux und Open-Source-Software auf der Serverebene noch relativ leicht bestimmen und nachweisen, so wird sie beim Einsatz auf dem Desktop viel komplexer. Bedingt durch fehlende klare Aussagen über Kosten von Open Source sei hier keine klärende Antwort möglich.

Würde die Stadt allerdings die Ergebnisse der Studie der Stadt München aus dem Jahr 2003 auf die Größenordnung der Stadt Nürnberg beziehen und würden danach alle PC-Systeme auf Linux und Open-Source-Software oder auf Windows XP und Office XP umgestellt, so rechnen die Beteiligten mit Gesamtkosten von rund 17,8 Mio Euro bei einer Linux- und rund 13,3 Mio Euro bei einer Windows-Umstellung. Schwierig wird es ebenfalls bei der »Migration von Software«. »Bei vielen Anbietern ist (noch) nicht klar, ob und wann sie ihre Produkte auf Linux umstellen«, so die Stadt.

Das Amt für Organisation und Informationsverarbeitung empfiehlt deshalb, dass Nürnberg vorerst Linux lediglich auf Servern und Microsoft weiter auf dem Desktop nutzt. »Diese Vorgehensweise stellt die mit Abstand wirtschaftlichste Lösung dar und trägt auch den jetzigen finanziellen Gegebenheiten der Stadt Rechnung. Danach kann und muss neu entschieden werden, wobei der Stadt Nürnberg nicht zuletzt aufgrund der weiteren technischen Entwicklung dann alle Optionen offen stehen. Unabhängig davon, wie die Entscheidung ausfällt, sind dann aber auch größere finanzielle Mittel erforderlich«, schreibt das Amt. Langfristig will die Stadt allerdings Linux und Open Source im Blickfeld behalten. So werden die eigenen Anwendungen künftig weitestgehend systemunabhängig entwickelt und die Systemunabhängigkeit von Hard- und Software im Beschaffungsprozess als Bewertungsmerkmal eingeführt. Ferner wird der zum 31.5.2004 auslaufende Lizenzvertrag Upgrade Advantage nicht verlängert. »Die Softwareausstattung wird vorerst auf die Versionen Windows 2000 Professional mit Office 2000 fest geschrieben. Im Laufe des Jahres 2006 ist über die Aktualisierung und Finanzierung der Desktop-Ausstattung mit Office-Software im Jahr 2007 zu entscheiden«.

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