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Thema: München legt LiMux aufs Eis

1 Kommentar(e) || Alle anzeigen ||  RSS || Kommentieren
Kommentare von Lesern spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider.
Score: 3 Von Kleinhirn am Fr, 6. August 2004 um 00:12 #
Ist wohl leider so.

Wobei ich das nicht verstehe, wieso die EU das will. Wenn sich die europäische Software... die europäischen Softwaremanufakturen (als "industriell" sind die Strukturen hierzuländer ja kaum zu bezeichnen) sich damit der lästigen freien Konkurrenz zum eigenen Vorteil entledigen könnte, bestünde ja noch ein nachvollziehbarer - wenn auch ärgerlicher bis perfider - Grund.

Da aber 75% der Softwarepatente allein in USA und Japan liegen, ist die Sache hirnrissig. Freiwillige Versklavung.

Mir fallen gerade nur zwei Beweggründe ein:

1. Auf dem Heise-Ticker hat RA von Gravenreuth dargelegt, dass es internationale Vereinbarungen gibt (TRIPS oder so) aus denen sich die Verpflichtung zu Softwarepatente ergäbe. Der bekannte Rechtsanwalt bekam dafür rote Bewertungen und wurde übel angegangen - der Überbringer schlechter Nachrichten wird gesteinigt. Wenn dem aber so sein sollte, ist dem so. Dann hat wohl jemand nicht ganz überblickt, was unterzeichnet worden ist.

2. Die Finanzverwaltungen wollen sich die Mehrwehrtsteuer nicht entgehen lassen. Ist ja auch eine Sauerei. Wenn sich Linuxfrickler und Konsorten das kaufen müssten, was sie kostenlos erhalten, entstünden der Finanzverwaltung erhebliche Umsatzsteuereinnahmen. Jedes einzelne der an die 10.000 Debian-Pakete entspräche einem Marktpreis von 10 bis 1.000 €, im Durchschnitt vielleicht 100 €. Jedes installierte Debian-System wäre demnach 1.000.000 € wert. Entgangene Umsatzsteuer: 160.000 €/System. Sowas gehört unterbunden. Geht man von 100.000.000 Computersystemen bei einem Debian-Anteil von nur 0,1 % in Deutschland aus, ergibt sich eine entgangene Umsatzsteuer von 16.000.000.000 €. Andere Distributionen freier Software sind weniger umfangreich und (für diese Berechnung) irrelevant teurer. Zwanzigmal öfter installiert und ca. halb so umfangreich ergibt sich ein USt-Verlust allein für die Erstinstallation von rund 160 Mrd. €. Damit ließen sich der Vodafone-Patzer und andere ungewollte Schlupflöcher locker ausbügeln.

Schwachsinnige Berechnung? Sicher. Aber a) rechnet die Musikindustrie so und b) liegt die Sinnhaftigkeit der Betrachtung durchaus im Rahmen unseres Steuersystems.

Nicht zu vernachlässigen ist der Gesichtspunkt, dass der Mist auf Hardware-Antiquitäten ausreichende Leistungen erbringt. Somit wieder entgangene Mehrwertsteuer auf neue Hardware.

Zudem ist nicht mehr nachzuvollziehen, wer was installiert hat. Und dann womöglich auf ohne Hintertür verschlüsselten Partitionen und ebensolcher Kommunikation.

Auf der anderen Seite: wieso erhebt die Kultusministerkonferenz eigentlich kein Patent auf die jeweils verbindliche Rechtschreibung? Technisch genug ist die Sache zumindest in Verbindung mit populären Formularen.

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