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Mi, 4. August 2004, 18:51

München hält (vielleicht) an Linux fest

In einer Mitteilung verkünden die Vertreter der Landeshauptstadt München, an Linux weiter festhalten zu wollen, gleichzeitig aber bis auf weiteres alle Aktivitäten am Basis-Client einzustellen.

»Die Landeshauptstadt München hält selbstverständlich, wie vom Stadtrat beschlossen, am Linux-Projekt fest und hält die strategische Entscheidung zu Gunsten eines Open-Source-Projektes aufrecht.«, schreibt die Stadt. Richtig sei allerdings, dass die Ausschreibung des Basis-Clienten vorläufig zurückgestellt wurde, weil zunächst rechtliche und finanzielle Risiken aufgrund eines Entwurfs für den EU-Wettbewerbsrat geprüft werden müssen. Dieser sieht vor, dass künftig Computer-Software in sehr großem Umfang patentiert werden kann.

»Erst gestern hat die Stadt München mit ihren EDV-Spezialisten den Stadtverwaltungen von Augsburg und Nürnberg die strategischen Vorzüge des Linux-Konzeptes dargelegt und erfreut zur Kenntnis genommen, dass auch in diesen Städten, ebenso wie in Wien, Interesse an der Münchner Open-Source-Lösung besteht«, schreibt der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude.

Nach Ansicht des Oberbürgermeisters kommt es jetzt vor allem darauf an, dass sämtliche europäischen Kommunen und Unternehmen, die prinzipiell an Open Source interessiert sind, auf die Gremien der EU und die nationalen Regierungen einwirken, mit dem Ziel, die vorgesehene Regelung nicht europäisches Recht werden zu lassen. Dabei befinde man sich in vollem Einklang mit einem Beschluss des Europäischen Parlaments, »der wieder einmal von kleinen europäischen Gremien im Interesse großer Konzerne ins Gegenteil verkehrt werden soll«.

Die Meldung des deutschsprachigen Nachrichtentickers Heise, wonach die Münchener eine »Aussetzung der Linux-Migration« durchgeführt haben, fand breite Resonanz in der Presse und bei Vertretern freier Software. Georg Greve erklärte, dass die Free Software Foundation Europe die Stadtverwaltung von München ermutige, sich nicht durch »Taktiken der Verbreitung von Angst, Unsicherheit und Zweifel« auf ihrem Weg in die Freiheit stoppen zu lassen. Der Linux-Verband sah in der Entscheidung der Stadt München gar eine Überreaktion auf die aktuelle Patentdebatte, begrüßt allerdings auf der anderen Seite die dadurch ausgelöste Zuspitzung der Diskussion. »Nun werden jene Politiker und Großunternehmen endlich Farbe bekennen müssen«, der der Verband. So kritisiert die Organisation ein »bekanntes IT-Unternehmen«, das Linux zu einem Schwerpunkt seines Software-Angebots gemacht hat und sich der Stadt München als Implementierungspartner anbot, zugleich aber durch das Engagement seiner Patent-Abteilung in den Wirtschaftsverbänden und der politischen Diskussion die Softwarepatentierung vorantreibe.

Wann die Ausschreibung wieder aufgenommen werden kann, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. In der Praxis bedeutet der Stopp der Ausschreibung allerdings einen Stillstand bei der Umstellung der 14000 Rechner von Windows auf Linux. Der Basisclient soll als Arbeitsplatzrechner mit Betriebssystem die Grundvoraussetzung darstellen.

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