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Fr, 3. September 2004, 12:46

Unternehmen::Personalien

Ballmer feuert erneut gegen Linux

In einer Rede vor dem Massachusetts Software Council hat Steve Ballmer, Geschäftsführer und Chief Executive Officer (CEO) des Softwareriesen Microsoft, die Sicherheit der Benutzer von Linux in Frage gestellt.

Bereits früher musste der bekennende GPL-Gegner Ballmer zugestehen, dass der preisliche Vorteil von Linux keine Legende, sondern eine Tatsache ist. Zwar sei das Unternehmen bestrebt, die Kosten so niedrig wie möglich zu gestalten, kostengünstiger als Linux wird die Software aber nie sein können. »Wir können niedrigere Kosten haben«, so Ballmer bereits im Jahre 2002. »Der Preis wird aber immer höher liegen«. Nun schlägt Ballmer eine neue Linie des Angriffs ein und stellt fest, dass Linux-Nutzer gefährlich leben. Im Gegensatz zu Windows gebe es bei Linux keine Firma und keine Institution, die ihre Kunden vor Patentklagen schützen würde. Microsoft dagegen ist immer bestrebt, den Kunden die größtmögliche Rechtssicherheit zu garantieren, wie es im Streit mit Eolas rund um Browserpatente sichtbar wurde. In der Linux-Welt vertritt laut Ballmer dagegen keine Firma ihre Kunden gegen Patentansprüche.

Wie weit Ballmer von der Wahrheit entfernt ist, zeigt das Beispiel OSRM. Das für viele undurchsichtige Unternehmen fungiert als eine Art Versicherung für Linux-Nutzer gegen Lizenzansprüche Dritter. Für Abdeckung möglicher Gerichts- und Schadensersatzkosten in Höhe von bis zu fünf Millionen US-Dollar verlangt OSRM eine Jahresprämie. Ferner bieten alle großen Distributoren ihren Kunden diverse Absicherungen gegen Patentansprüche Dritter, wie es bei SCO der Fall ist.

Natürlich stellt laut Ballmer die Frage der Ansprüche Dritter nicht das einzige Problem bei Linux dar. So sieht der Microsoft-Chef auch in Fragen der Sicherheit sein Unternehmen gegenüber Linux klar im Vorteil. Zwar räumt Ballmer die Notwendigkeit ein, kleinere Verbesserungen am Prozess durchführen zu müssen, die Allgemeinsituation sei allerdings bereits besser als die unter Linux. Im Gegensatz zu Linux, so Ballmer, gibt es bei Windows eine Infrastruktur für Entwicklung, Sicherheit und Patches und vor allem einen Verantwortlichen. Damit folgt der CEO der selben Argumentation wie bereits vor einem Jahr. Bereits im Jahr 2003, einem aus Sicht der Microsoft-Sicherheitsabteilung durchaus schweren Jahr, sinnierte Ballmer, dass niemand unter Linux dafür verantwortlich gemacht werden kann, wenn es Sicherheitslücken in Linux gibt. Schon damals ließ Ballmer offen, ob dies zu bedeuten habe, dass Microsoft die durch die Windows-Sicherheitslücken entstandenen Milliardenschäden bezahlt. Auch dieses Jahr konnte er sich nicht zu einer Antwort durchringen.

Im Gegensatz zu Ballmer sehen die Experten der Tagung des Informatikstrategieorgans Bund (ISB) und der Privaten Hochschule für Wirtschaft in Zürich die Sachlage unter Linux etwas nüchterner. Laut Aussagen der anwesenden Experten seien die Risiken, wie etwa eine Patentverletzung, »beherrschbar«. Zwar räumt die Berner Anwältin Ursula Widmer Linux eine mangelnde Gewährleistung für Mängel unter Linux ein, im Puncto Rechtssicherheit ist die Rechtsexpertin allerdings anderer Meinung als Ballmer. Wie den Vortragsunterlagen entnommen werden kann, sei das Open Source-Konzept durch den Rechtsstreit zwischen SCO und IBM nach Meinung von Widmer »nicht grundsätzlich tangiert«. Ferner existiere eine Gewährleistung durch die Distributoren und auch OSS unterstehe dem Urheberrecht. So gibt es laut Widmer deshalb keine prinzipiellen rechtlichen Gründe gegen den Einsatz von Linux und Open Source in der Verwaltung.

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