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Sa, 18. September 2004, 18:35

Gesellschaft::Politik/Recht

Wie Microsoft versucht, durch einen neuen USB-Standard Linux zu blockieren

Ein Artikel des Public Broadcasting Service (PBS) beschreibt einen möglichen Versuch von Microsoft, durch eine Erweiterung des USB-Standards Linux aus dem Markt zu drängen.

Es ist kein Geheimnis, dass Microsoft durch seine marktbeherrschende Stellung enormen Einfluss auf die Entwicklung der kommenden Generationen von Standards nimmt. So ließ vor kurzem kein Geringer als Intel-Vize Paul Otellini verkünden, dass die Einführung von Intels 64-Bit-Technologie sich verzögern wird. Als Grund gab der Manager Schwierigkeiten bei der Fertigstellung von Longhorn an. »Wir können nichts ausliefern, solange wir nicht den endgültigen Code von Longhorn in Händen halten«, so der Manager. Für die Einführung der neuen 64-Bit-Technologie bei normalen Desktop-Computern sei Intel noch auf Vorgaben von Microsoft angewiesen. »Sie wissen, dass Microsoft sein neues Windows-Betriebssystem Longhorn erst im Jahr 2006 auf den Markt bringen wird«, so die lapidare Erklärung.

Nun vertieft sich eine komplette Branche in die Abhängigkeit von einem Hersteller. Die Sorge, keine Zertifizierung von Microsoft zu erhalten oder gar als inkompatibel zu Microsofts neuer Technologie zu werden, treibt sie in eine sich immer weiter drehende Abhängigkeitsspirale.

Wie Robert X. Cringely in seiner Kolumne zu berichten weiß, plant Microsoft nun einen »präventiven Schlag« gegen Linux und nutzt dabei die gewollte Abhängigkeit der Hersteller. Letzte Woche stellte Microsoft fest, dass mobile USB-Geräte eine Gefahr für die interne Datensicherheit darstellen können. Daten können ungeprüft mittels mobiler Festplatten in ein Netzwerk eingeschleust oder entwendet werden - ein Zustand, den Microsoft nach Möglichkeit sofort beheben würde. Am liebsten in Windows XP SP2, was allerdings wohl an der schieren Größe der Patches scheiterte. So setzte sich das Unternehmen einen neuen Termin und will mit Longhorn eine Lösung des Problems präsentieren. Herkömmliche Mittel wie das Vertrauen gegenüber den Mitarbeitern oder Sperren des USB-Anschlusses scheinen bei Microsoft nur auf wenig Gegenliebe zu stoßen.

Die Lösung von Microsoft sieht vor, dass nur berechtigte User einen USB-Anschluss benutzen dürfen und alle nutzbaren Geräte als »sicher« eingestuft werden müssen. Was hat das aber mit Linux zu tun? An dieser Stelle holt der Autor seine gläserne Kugel heraus und zeichnet ein mögliches Szenario, das für Linux bedrohlich sein könnte.

Ein solcher Vorstoß ist nach Meinung von Cringely nicht ohne die Mitarbeit der Hardware-Hersteller zu bewerkstelligen. Bedingt durch die Tatsache, dass USB-Geräte bereits vor der Entdeckung der potentiellen Sicherheitslücke durch Microsoft existiert haben, muss nach Meinung des Autors der Standard so verändert werden, dass ältere Geräte nicht mehr unter dem neuen Standard funktionieren. Die Hersteller wären nicht abgeneigt, denn eine Änderung der Funktionsweise setzt neue Hardware voraus und neue Hardware bedeutet Profit. Ferner werden die Hersteller keinen Streit mit Microsoft anfangen wollen und sich daher beugen.

Cringely will nun herausgefunden haben, dass ein neuer Standard, der von Intel und anderen Unternehmen entwickelt wird, Linux und andere offene Systeme ausgrenzen muss. Schließlich könnte man ein anderes System booten und die geschützten Daten umkopieren. Fast schon beiläufig unterschlägt der Autor allerdings, dass in dem USB-Implementers-Konsortium mehr als 1100 Mitglieder und Firmen vereint sind, die kaum ein gemeinsames Interesse haben werden, freie Betriebssysteme wie Linux auszugrenzen. Laut Cringely wird aber jede Firma Windows unterstützen und einem neuen Windows-Standard zustimmen, der dazu führen wird, dass Linux nicht mehr auf alle neuen USB-Devices zugreifen kann.

Die weitere Zukunft ist laut Cringely fast schon sicher. Microsoft wird versuchen, die Implementierung des USB-Standards unter Verschluss zu halten und damit unter anderem auch Linux daran hindern, neue USB-Geräte zu nutzen. Ohne Zugriff auf USB-Devices hätte Microsoft geschafft, Linux auszugrenzen und in den Hintergrund zu drücken.

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