Login
Login-Name Passwort


 
Newsletter
Werbung

So, 17. Oktober 2004, 22:23

Software::Desktop::KDE

Alles Gute - Acht Jahre KDE

Ende vergangener Woche wurde das ehemals unter den Namen »Kool Desktop Environment« (KDE) initiierte Projekt acht Jahre alt.

KDE in der Version 1.0

KDE in der Version 1.0

Mit dem Aufruf »Programmierer gesucht!« legte der an der Uni Tübingen eingeschriebene Student Matthias Ettrich den Grundstein für eines der erfolgreichsten Projekte der freien Software. Laut Aussage des damals 24-jährigen Ettrich, Autor des grafischen TeX-Frontends »LyX«, plante er, eine Desktop-Umgebung zu erstellen, die sich primär nicht an die Bedürfnisse der Administratoren, sondern der Endnutzer richtet. »Die Unix-Popularität steigt dank freier Varianten wie Linux«, schrieb der Student in seiner am 14. Oktober 1996 in mehreren Newsgroups veröffentlichten Nachricht. »Eine konsistente und schön ausschauende freie Desktop-Umgebung ist immer noch nicht verfügbar«, so Ettrich weiter.

Das Dilemma bestand für Ettrich in der fehlenden Unterstützung der einfachen Anwender. Mit Common Desktop Environment (CDE), Looking Glas und verschiedenen freien X-Filemanagern existierten zwar Programme, diese entsprachen aber nicht der Definition einer Umgebung. »Eine GUI sollte eine komplette, grafische Umgebung anbieten«, schrieb Ettrich in seiner Nachricht. »Sie sollte Anwendern erlauben, ihre tägliche Arbeit, wie Applikationen starten, Email lesen, Desktop konfigurieren, Dateien lesen und löschen, durchzuführen. All diese Komponenten müssen zueinander passen und miteinander arbeiten«. Es sei ein Nonsens, zehn verschiedene Widgets für ein und die selbe Arbeit zu laden. Als Beispiel nannte Ettrich eine Kombination aus fvwm, rxvt, tgif, xv, ghostview, lyx, xftp, textedit und arena.

Die angedachte Umgebung sollte über einen Window-Manager, ein Panel und über einen einfachen Dateimanager sowie einen Email-Client verfügen. Ferner sollte zum Lieferumfang von KDE ein Text-Editor, Terminal, Bild-Betrachter sowie eine Vielzahl kleinerer Tools gehören.

Die KDE zugrunde liegende Idee sah vor, eine neue und laut Aussage von Ettrich »revolutionäre« Bibliothek, Qt, zu verwenden. Der Vorteil der Bibliothek sei darüber hinaus, dass sie von einer Firma entwickelt wird, was erhebliche Zeitvorteile nach sich ziehen sollte. Eine Einschätzung, die später zu Problemen führen und lange Zeit KDE den Status »unfrei« aufdrücken sollte.

Die kurz darauf eingerichtete Mailingliste kde@fiwi02.wiwi.uni-tuebingen.de, auf der unter anderen Matthias Kalle Dalheimer, Torben Weis, Martin Konold, Sirtaj Singh Kang, Martynas Kunigelis und Martin Jones zu finden waren, entwickelte sich zur Drehscheibe des neuen Projektes. Während Ettrich den Grundstein für einen neuen Window-Manager Namens »kwm« legte, arbeiteten Dalheimer und Kunigelis an den ersten KDE-Klassen. Torben Weis fing mit den Arbeiten an kfm, dem Dateimanager des neuen Projektes, an.

Erfolg bringt manchmal auch Probleme und so musste das junge Projekt bereits nach wenigen Monaten eine erste Feuertaufe bestehen. Während KDE immer schneller wuchs, traten immer mehr Gegner auf den Plan und zeigten massive Ablehnung gegenüber KDE. Matthias Kalle Dalheimer erinnert sich dazu auf der diesjährigen KDE-Konferenz: »Es gab einen großen Widerstand im Usenet gegen KDE, meistens von der Seite von GPL-Extremisten, die sich der Qt-Lizenz widersetzen, und von wenigen GNUstep-Befürwortern«. Im Februar fliegen Ettrich und Dalheimer nach Oslo zu Trolltech und geben die Gründung der KDE-FreeQT Foundation bekannt, einer Organisation, die die freie Verfügbarkeit von Qt garantieren soll.

Im Mai 1997, nur sieben Monate nach der Gründung von KDE, stellt Ettrich auf dem in Würzburg stattfindenden Linux-Kongress den ersten Prototypen von KDE vor. Die Resonanz übertraf die Erwartungen der Entwickler. Im August 1997 publiziert die c't den ersten Artikel über KDE. Kurz danach akquiriert die junge Community dank Dalheimers Artikel einen großen Teil der deutschen Entwickler. Es folgen eine eigene Konferenz in Arnsberg und unzählige Test- und Beta-Versionen.

Fast zwei Jahre nach der ersten Ankündigung von KDE veröffentlicht das Team am 12. Juli 1998 die erste stabile Version von KDE. Zu den wesentlichen Funktionen der 20 Sprachen unterstützenden grafischen Umgebung gehören der CORBA-basierende KOM/OpenParts-Framework sowie eine Vielzahl neuer Applikationen. Die meisten Einstellungen können zudem in intuitiven Dialogen unter der grafischen Benutzeroberfläche vorgenommen werden, anstelle des traditionellen Editierens der Konfigurationsdateien. KDE unterstützt fortan auch ein Sitzungsmanagement. Dokumente und Anwendungen können beim Abmelden offen gelassen werden und die Anwendungen, die Sitzungsmanagment unterstützen, werden beim nächsten Einloggen in ihrem vorherigen Status wiederhergestellt.

Knapp zwei Jahre nach der Freigabe von KDE 1.0 stellt Trolltech sein GUI-Framework, die QT-Bibliothek, in der Version 2.2 unter die GPL-Lizenz und befreit damit KDE von dem Fluch, »unfrei« zu sein.

Werbung
Kommentare (Insgesamt: 124 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[5]: das waren noch zeiten, (asdf, Do, 21. Oktober 2004)
Re[3]: Session Management (across.the.universe, Do, 21. Oktober 2004)
Re[4]: das waren noch zeiten, (Heiko, Do, 21. Oktober 2004)
Re[2]: Lol (garbeam, Mi, 20. Oktober 2004)
Re[3]: das waren noch zeiten, (garbeam, Mi, 20. Oktober 2004)
Pro-Linux
Pro-Linux @Facebook
Neue Nachrichten
Werbung