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Di, 19. Oktober 2004, 13:00

Software::Emulatoren

Ärger um CherryOS

Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem Emulator CherryOS um eine unautorisierte Kopie des GPL-Projektes PearPC.

Anfang des Monats hatte die hawaiianische Firma MXS einen kommerziellen Mac-Emulator für Windows-Systeme angekündigt, der das Apple-eigene Betriebssystem Mac OS X auf einem Intel-PC ausführen sollte. Wie das Unternehmen versprach, sollte mit CherryOS ein kompletter G4-Prozessor samt AltiVec/G4-Unterstützung emuliert werden. Einer Ausführung von Mac OS X-Applikationen in einer akzeptablen Geschwindigkeit stehe nun nichts mehr im Wege, so der Hersteller. Der emulierte Mac sollte mit 80 Prozent der Performance des originalen Systems betrieben werden. Neben der Ausführung von Mac-Anwendungen nannte der Hersteller vor allem Sicherheitsaspekte als Vorteil der neuen Emulation.

Mit der Idylle der Emulation sollte es dieser Tage abrupt zu Ende gehen. Medienberichten zufolge handelt es sich bei CherryOS um eine nicht autorisierte Kopie des Open-Source-Emulators PearPC. PearPC vermag wie CherryOS unter Windows das Mac OS X-Betriebssystem unter Linux zu starten. Im Gegensatz zu dem 68k-Emulator Basilisk II oder dem PowerPC-Aufsatz Mac-on-Linux emuliert PearPC genauso wie CherryOS die PowerPC-Architektur und ermöglicht, alle PowerPC-Betriebsysteme unter anderen Architekturen auszuführen. In einem in Wired veröffentlichten Interview räumte der Programmierer und Designer der Applikation Arben Kryeziu ein, von PearPC inspiriert worden zu sein. »Es besteht ein großer Unterschied«, so Kryeziu gegenüber dem Ticker, »sie sind sehr langsam«.

Einen Tag nach der offiziellen Veröffentlichung von CherryOS hagelte es bereits die ersten Kritiken. Wie einem Screenshot des Boot-Prozesses im Forum von PearPC entnommen werden konnte, stimmten die Boot-Prozesse von CherryOS und von PearPC überein. Weitere Nachforschungen ergaben, dass CherryOS nicht nur die selben Strings wie PearPC benutzt, sondern auch die gleichen Funktions- und Variablennamen. Slashdot legt den Finger noch tiefer in die Wunde und publizierte eine Aussage, wonach CherryOS nicht das erste Mal die GPL verletzen würde. Bereits in der Vergangenheit fiel das Unternehmen laut Slashdot durch massive Verstösse gegen die geltenden Regeln der GPL auf und weigerte sich, diese Misstände zu beseitigen. Für Daniel Foesch, einen der Entwickler von PearPC, sieht die Sachlage deshalb klar aus. Laut Foesch benutzt der Hersteller der neuen Applikation eine Menge von PearPC-Code und hat eine schlechte Arbeit gemacht, diesen zu verschleiern. Problematisch, denn laut GNU General Public License (GNU GPL) müssen alle Applikationen, die auf einer GPL-Applikation basieren, nach Nachfrage im Quellcode zugänglich gemacht werden. Der Hersteller versucht dagegen nicht nur den Quellcode zu verschleiern, sondern gibt CherryOS gar als eine Eigenentwicklung aus.

Während Microsoft und SCO medienwirksam die Open-Source-Community zu diffamieren versuchen (Microsoft: »Linux-Nutzer glauben nicht an das geistige Eigentum«) und des Raubes des geistigen Eigentums bezichtigen (SCO: »Wenn die Community Produkte für Unternehmen entwickeln möchte, muss sie den Rechtsgrundsatz respektieren und folgen«), klagen immer mehr erboste Open-Source-Entwickler über unautorisierte Verwendung ihrer Werke in kommerziellen Applikationen. Im Juli hat das Landgericht München I bestätigt, dass die GPL wirksamer Vertragsinhalt werden kann und vor deutschen Gerichten auch durchsetzbar ist. Geklagt hatte das Netfilter-Projekt, das seine Rechte gegenüber dem Router-Hersteller Sitecom verteidigt wissen wollte.

Erst Anfang des Jahres hatte Netfilter eine außergerichtliche Einigung mit der Firma Allnet erzielt, die in ihren Routern Netfilter-Code unter Missachtung der GPL verwendete. Eine weitere Einigung betraf keinen Geringeren als Fujitsu Siemens (FSC). Im März dieses Jahres warfen die Entwickler des Open-Source-Tools »nagios« dem in Toronto, Kanada, ansässigen Unternehmen uptime software vor, Quellen des Projektes für ein kommerzielles Produkt verwendet und alle Hinweise auf das ursprüngliche Projekt entfernt zu haben. Anfang des Jahres musste der Hardware-Hersteller KISS-Technology sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, Quellen aus MPlayer einzusetzen, ohne die eigenen Quellen freigegeben zu haben. Nach langen Verhandlungen einigten sich Vertreter des Unternehmens und des Projektes auf eine Lösung. Das Image der Firma war, wie bereits auch bei anderen Auseinandersetzungen um das geistige Eigentum der Entwickler, allerdings ramponiert.

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Kommentare (Insgesamt: 10 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[2]: mplayer (MPlayer Insider, Di, 19. Oktober 2004)
Re[2]: Es darf nur eine Lizenz geben - GPL (bla..., Di, 19. Oktober 2004)
Arban (gerd, Di, 19. Oktober 2004)
Re: Es darf nur eine Lizenz geben - GPL (Sven, Di, 19. Oktober 2004)
Re: Es darf nur eine Lizenz geben - GPL (LH, Di, 19. Oktober 2004)
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