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Mi, 17. November 2004, 07:27

Unternehmen

Sun: Sieg oder Niederlage

Selten zuvor hat die Veröffentlichung einer neuen Version eines UNIX-Systems so große Euphorie verursacht wie die vorgestellte Version 10 von Solaris.

Die Aktienmärkte honorierten die angekündigte Veröffentlichung mit einem Anstieg des Papiers um 1,2% auf $4,92 USD. Analysten prophezeiten im Vorfeld das goldene Zeitalter, die Presse überschlug sich mit Nachrichten und Unternehmen begrüßten begeistert die ankommende Veröffentlichung. Solaris 10 war in Anmarsch und davor eine Welle der Begeisterung und der Prophezeiungen.

Mit großem Pomp und noch größeren Worten kündigte Sun schlussendlich das nach eigenen Aussagen »beste Betriebssystem, das es je gab« an. Auf der eigenen Hausmesse Sun Network stellte Sun Microsystems Solaris 10 vor. Für die Entwicklung des Betriebssystems, das mehr als 600 neue Funktionen haben soll, habe Sun nun insgesamt 500 Millionen Dollar ausgegeben und über 3000 Mannjahre Entwicklung investiert. »Wir definieren die Wirtschaftlichkeit der Lizenzierung von Betriebssystem für die Industrie mit Abo-Modellen und Dienstleistungen radikal neu«, verkündete Sun-Präsident Jonathan Schwarz. Für Endanwender wird Solaris 10 demnach ab dem 31. Januar 2005 als kostenloser Download für die Systeme auf Basis von SPARC-, x86-, AMD64- und EM64-Prozessoren verfügbar sein und die Lizenz für den kommerziellen Einsatz ist laut Sun bis zu 40 Prozent unter der einer gängigen Linux-Distribution.

Gleich meldeten sich die Analysten zu Wort. Nach Einschätzung von CIBC World Markets könnte die Veröffentlichung nun einen Wendepunkt im Bereich der Server-Betriebssysteme einläuten. Das Unternehmen geht davon aus, dass Sun den Quellcode von Solaris 9 als Open Source zur Verfügung stellen wird und damit frontal Linux-Distributoren wie Red Hat angreift. Die Analysten von First Albany haben einen Tag nach Ankündigung von Solaris 10 die Aktien von Sun Microsystems mit »Neutral« bestätigt.

Die Technologie des Unternehmens sei überzeugend und Sun wolle die Umsätze im Service-Bereich deutlich ausbauen, so die Bewertung. Noch im letzten Jahr hatte die Rating-Agentur Moody's Suns Kreditwürdigkeit auf Baa3, den untersten Investment-Grad, herabgestuft. Zahlreiche Analysten folgten.

Fujitsu Siemens Computers, nach eigenen Aussagen Europas führendes IT-Unternehmen mit Mainframe-Class Produkten für den Solaris-Markt, gab einen Tag nach der angekündigten Freigabe von Solaris 10 bekannt, dass das neu angekündigte Betriebssystem ihre Primepower-Systeme optimal unterstützt. »Solaris 10 ist das innovativste geschäftskritische UNIX-Betriebssystem, das der Markt zu bieten hat, und garantiert den Kunden ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit, Flexibilität und Benutzerfreundlichkeit in einer sicheren Betriebsumgebung«, so das Unternehmen.

Mehr als 600 neue Features hat Sun laut eigenen Angaben in das neue System integriert. Zu den wichtigsten gehören unter anderem Verbesserungen der Geschwindigkeit. So enthält das System N1 Grid Container, mit denen sich eine Solaris-Installation in mehrere virtuelle, voneinander unabhängige Einzelsysteme aufteilen lässt. Ferner stellt die unter dem Dachnamen »DTrace« veröffentlichte Sammlung von Diagnosetools ein Highlight des Paketes dar. Damit will Sun die bereits verfolgten Weg weitergehen und die Entwicklung von Applikationen unter Solaris weiter vereinfachen. Die Identifizierung von Schwachstellen soll mittels der neuen Tools in wenigen Augenblicken geschähen, ohne dass die Diagnose wie bisher Stunden oder Tage in Anspruch nimmt. Ergänzend dazu kommt in Solaris eine neue Funktion namens »Predictive Self Healing« hinzu, die eine automatische Diagnose und Isolierung von Fehlen in Soft- und Hardware ermöglicht. So sollen Sun Systeme mit Hilfe neuen Funktionen in der Lage sein, drohende Ausfälle einzelner Komponenten rechtzeitig zu erkennen und Probleme proaktiv zu beheben, bevor diese Schäden am Gesamtsystem anrichten können.

In Puncto Kompatibilität geht Sun mit Solaris 10 ebenfalls einen neuen Weg und macht einen Spagat zwischen zwei Welten. Zum einen wird das neue System kompatibel zu der Version 2.6 sein. Zum anderen wird Sun durch sein Betriebssystem zum ersten Mal, auch wenn indirekt, Linux unterstützen. Die unter dem Namen »Janus« vorgestellte Erweiterung will Linux-Anwendungen ohne Veränderungen eine reibungslose Arbeitsweise auf Solaris-Umgebungen ermöglichen. Das Angebot richtet sich, wie Sun bekannt gab, primär an Linux-Anwender, die einen Umstieg auf Solaris für x86-Prozessoren erwägen. Demnach werden Kunden des Unternehmens die Vorteile von Solaris 10 genießen können, ohne die Investitionen für Linux-Anwendungen in Frage zu stellen. »Es gibt keinen Grund mehr, bei einer Wahl zwischen Solaris und Linux Opfer zu bringen«, so John Loiacono, Suns Vice Präsident für das Softwaregeschäft in der Vergangenheit.

Kaum sind allerdings die Worte des Marketings verklungen, melden sich auch Kritiker zu Wort und kratzen an dem »Meilenstein für die gesamte IT-Branche«. So fragt sich Business Week Online, ob Solaris 10 wieder Sun erstrahlen lassen wird. Der Marktanteil der Betriebssysteme auf Unix-Basis schrumpfte nach Angaben von Gartner im zweiten Quartal 2004 weiter von 38 auf 33,8 Prozent, während Windows von 33 auf 34,4 Prozent und Linux von 6,6 auf 9,5 Prozent zulegen konnten. Nach der anfänglichen Euphorie strafte auch die Börse das von den Techies bevorzugte Unternehmen. Das Papier von Sun Microsystems fiel unter 5 USD und verlor über 2 Prozent.

Ein weiteres Problem könnte auch die unklare Strategie von Sun sein. Mal für Linux, mal gegen Linux und besonders gegen Red Hat verunsicherte das Unternehmen in der Vergangenheit seine Kunden. Bereits zuvor gab Sun allerdings zu, dass die Firma alles tue, um mit Solaris die Anforderungen der Kunden zu erfüllen, und nur in Notfällen auf Linux zurückgreifen wolle.

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