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Do, 18. November 2004, 17:30

Unternehmen

Rumor um Microsoft-Drohungen

Mit einem neuen Angriff auf die Nutzer freier Software sät Microsofts CEO Steve Ballmer erneut die Saat der Angst.

Eigentlich nichts neues. Fast jeden Monat stellt der CEO von Microsoft fest, dass Linux-Nutzer gefährlich leben. Im Gegensatz zu Windows gebe es bei Linux keine Firma und keine Institution, die ihre Kunden vor Patentklagen schützen würde, und Linux verletze das geistige Eigentum. Microsoft dagegen sei immer bestrebt, den Kunden die größtmögliche Rechtssicherheit zu garantieren, wie es im Streit mit Eolas rund um Browserpatente sichtbar wurde. In der Linux-Welt vertritt laut Ballmer dagegen keine Firma ihre Kunden gegen Patentansprüche.

Wie Ballmer glaubt, werden die Gefahren trotz gegenteiliger Aussagen vieler Studien immer größer. Laut Ballmer sind mögliche Klagen, die durch die Nutzung von Linux entstehen könnten, nicht mehr auszuschließen. Wie Ballmer zu berichten weiss, verletzt das Open-Source-Betriebssystem über 228 Patente. OSRM konnte seinerzeit gar 283 Patente finden. Für alle Länder, die eines Tages der Welthandelsorganisation WTO beitreten würden, gelte, dass eines Tages jemand Geld für sein geistiges Eigentum einfordern könnte, so Ballmer. Wie der Manager weiter auf dem Microsofts Asian Government Leaders Forum feststellt, ist Open Source keinesfalls sicherer als die Produkte von Microsoft. »Wir glauben, dass unsere Software sicherer ist als Open-Source-Software. Sie ist sicherer, weil wir hinter ihr stehen, wir sie fixen, wir sie entwickelt haben. Niemand weiß jemals, wer Open-Source-Software entwickelt hat«.

Kaum verwunderlich, dass manch eine Publikation gerade Microsoft als die treibende Kraft hinter möglichen Klagen gegen Open-Source-Firmen sieht. So sieht »The Register« in Ballmers Warnung eine indirekte Drohung. »Er spezifizierte nicht, dass Microsoft die Firma ist, die klagen wird«, so John Lettice. eWeek berichtete bereits letzte Woche über mögliche Klagen gegen Open-Source Nutzer, insbesondere Firmen. »Ich glaube, dass Microsoft Vorbereitungen trifft, ihre IP-Besitzstände (geistiges Eigentum) für einen Angriff auf Open Source und Linux zu nutzen«, so Steven J. Vaughan-Nichols in einer Kolumne.

Doch nicht nur Kolumnisten sehen in Microsoft Marktstellung eine Gefahr für Linux. Im Sommer diesen Jahres machte ein internes Memo von Hewlett Packard die Runde, in dem gewarnt wurde, dass Microsoft mit Hilfe von Software-Patenten gegen Linux und weitere freie Software-Projekte vorgehen könnte. So warnt der Autor des damals zwei Jahre alten Dokuments, dass Microsoft beispielsweise verlangen könnte, dass andere Firmen auf den Einsatz von Open Source verzichten. Gerade die großen Linux-Distributoren SUSE und Red Hat, aber auch Intel oder Oracle, wären mögliche Ziele.

Microsoft ist es wie ehemals SCO gelungen, die Saat der Angst wieder auferstehen zu lassen. Durch die Androhung von Klagen entsteht wieder der Eindruck, dass Linux-Anwender nun in Gefahr seien. Dem versuchen nun die involvierten Firmen entgegenzusteuern. Anfang November monierte Novell-Sprecher Bruce Lowry, dass Microsoft versuche, mit unvollständigen Argumenten Angst, Unsicherheit und Zweifel im Linux-Markt zu verbreiten. Ende des letzten Monats warnte der Microsoft-Chef zum wiederholten Mal vor möglichen Urheberrechtsverletzungen und den daraus resultierenden rechtlichen Konsequenzen. Um seine Thesen zu bestätigen, zitierte der Microsoft-Chef verschiedene Passagen aus Marktstudien, die allerdings gezielt herausgesucht wurden und auf der »Get the facts«-Seite von Microsoft gefunden werden können. Microsoft habe sich nur die Punkte aus den Studien herausgepickt, die der eigenen Sache förderlich seien, kritisiert darauf Novell-Chef Jack Messman Microsofts vorgehen.

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